Inzidenzwert über 50 – Corona-Ausbruch in Lippspringer Altenheim
Kreis Paderborn ist Risikogebiet: Schärfere Regeln kommen

Paderborn/Bad Lippspringe (WB). Es ist noch nicht offiziell, aber die Corona-Zahlen sind im Kreis Paderborn übers Wochen­ende so stark gestiegen, dass die Region nun als Risikogebiet gilt. 95 neue Fälle sind dem Kreisgesundheitsamt am Samstag gemeldet worden. Das macht nach Berechnungen der Redaktion einen Sieben-Tages-Inzidenzwert von mehr als 56 aus, was deutlich über der 50er-Marke liegt, die die sogenannte Gefährdungsstufe 2 markiert. Sonntags meldet das Gesundheitsamt zurzeit keine Fälle.

Montag, 26.10.2020, 05:25 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 13:46 Uhr
Dieses Foto ist in Heilbronn gemacht worden. In Paderborn sollen im Laufe ­dieser Woche ähnliche Schilder aufgestellt werden, die auf die Maskenpflicht hinweisen. Foto: dpa
Dieses Foto ist in Heilbronn gemacht worden. In Paderborn sollen im Laufe ­dieser Woche ähnliche Schilder aufgestellt werden, die auf die Maskenpflicht hinweisen. Foto: dpa

Für den Kreis Paderborn mit seinen 307.839 Einwohnern ist der erste Wert von 35 (Gefährdungsstufe 1) bei 108 Neuinfektionen innerhalb einer Woche, der zweite Wert von 50 (Gefährdungsstufe II) bei 154 Neuinfektionen erreicht. In den vergangenen sieben Tagen sind mindestens 175 Neu­infektionen registriert worden.

52 neue Fälle in Lippspringe

Aktuell sind 239 Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 im Kreis infiziert. Den größten Zuwachs an neuen Corona-Fällen verzeichnete Bad Lippspringe mit 52. Nach Informationen dieser Zeitung geht die hohe Steigerung auf einen Corona-Ausbruch im Bad Lippspringer Altenheim Jordanquelle zurück. Betroffen sind Bewohner und Mitarbeiter. Einige Bewohner sollen bereits in die Karl-Hansen-Klinik verlegt worden sein. Alle Mitarbeiter und Bewohner werden nun getestet. Die Leiterin des Heims wollte sich am Sonntag nicht äußern.

Die Gesamtzahl der aktiven Fälle liegt in Bad Lippspringe nun bei 58. Darüber hinaus ist weiterhin vor allem Paderborn mit 88 aktiven Fällen betroffen, gefolgt von Delbrück (32), Bad Wünnenberg (18), Hövelhof (10), Lichtenau (10), Borchen (9), Salzkotten (5), Büren (5) und Altenbeken (4).

Allgemeinverfügung kommt

Landrat Manfred Müller bestätigte am Sonntag, dass die 50er-Marke gerissen wurde. „Ich gehe davon aus, dass wir Anfang der Woche eine Allgemeinverfügung erlassen, die dann am Folgetag in Kraft tritt“, sagte Müller dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Vermutlich wird die Verfügung bereits an diesem Montag erlassen.

Dass der Inzidenzwert offiziell noch nicht über der 50er-Marke liegt, sondern vom Landeszentrum Gesundheit (LZG) NRW am Sonntag mit 34,4 angegeben wird, liegt offenbar an einer Datenpanne. Am Samstag lag der Wert beim LZG sogar nur bei 22,7. In Düsseldorf sind die Meldungen aus dem Kreis Paderborn wohl ebenso wie zunächst die Meldungen aus dem Nachbarkreis Höxter nicht korrekt eingelaufen.

Ohnehin gibt es eine Meldeverzögerung, weil das LZG die laborbestätigten Corona-Fälle in NRW mit Stand 0 Uhr erfasst, so dass die Fälle, die im Laufe des Tages hinzukommen, noch nicht in der Statistik enthalten sind. Für weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ist laut Corona-Schutzverordnung NRW jedoch der vom LZG ausgewiesene Wert maßgeblich. Deswegen konnte der Kreis am Samstag auch noch keine Allgemeinverfügung erlassen.

Amt stockt Personal auf

Landrat Müller kündigte am Sonntag eine weitere Aufstockung des Personals im Kreisgesundheitsamt an. Innerhalb der Kreisbehörde solle Personal umgeschichtet werden, es sei aber auch geplant, Studenten und weiteres Personal aus dem medizinischen Bereich einzusetzen, um weiterhin eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten gewährleisten zu können.

Angesichts der neuen Situation appellierten der Landrat und Paderborns Bürgermeister Michael Dreier an die Bürger im Kreis, sich weiterhin an die Regeln, vor allem an die Maskenpflicht zu halten. „Wir haben hier bislang eine sehr gute Disziplin gehabt. Wir sind jetzt auf das Verhalten jedes einzelnen angewiesen, damit Schlimmeres vermieden werden kann“, sagten die CDU-Politiker. Auch Dr. Wiebke Jensen, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheits­amtes, erinnerte an die Regeln: „Abstand halten, Hygiene beachten, also häufiges Händewaschen, keine Hände schütteln, in die Armbeuge niesen, Einmal-Taschentücher verwenden, eine Alltagsmaske tragen, und zwar richtig, über Nase und Mund. In geschlossenen Räumen etwa alle 20 Minuten lüften. Auch die Corona-Warn-App sollte genutzt werden, um sich und andere zu schützen.“

Das Kreisgesundheitsamt ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr sowie samstags von 12 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 05251/3083333 zu erreichen: https://www.kreis-paderborn.de/corona.

Weitere Einschränkungen

Ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gilt laut Corona-Schutzverordnung in NRW die Gefährdungsstufe II mit folgenden Regeln:

- Bei Veranstaltungen sind innen und außen maximal 100 Personen zulässig.

- Die Maskenpflicht gilt auch am Sitz- oder Stehplatz bei Konzerten, Aufführungen, sonstigen Veranstaltungen und Versammlungen in geschlossenen Räumen sowie für Zuschauer bei Sportveranstaltungen.

- Ebenfalls gilt sie in regelmäßig stark frequentierten Außenbereichen wie Fußgängerzonen, in denen der Mindestabstand kaum einzuhalten ist. In Paderborn trifft das mindestens auf Westernstraße und Kamp zu. Dreier sagte, dass dort in der kommenden Woche entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden sollen. An diesem Montag tagt in Paderborn der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE), um in Abstimmung mit dem Kreis das weitere Vorgehen zu besprechen.

- Darüber hinaus ist bei der Gefährdungsstufe II vorgeschrieben, dass der Betrieb gastronomischer Einrichtungen und der Verkauf alkoholischer Getränke von 23 bis 6 Uhr unzulässig ist.

- An Festen außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen. In der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.

- Die Kommunen können weitere Maßnahmen anordnen. Die Gefährdungsstufen können erst aufgehoben werden, nachdem die Grenzwerte der Sieben-Tages-Inzidenz (35 bzw. 50) an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wurden. Nimmt das Infektionsgeschehen weiter zu, müssen weitergehende Maßnahmen geprüft werden.

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Ein Kommentar von Matthias Band

Manchmal ist es eine Krux mit der Bürokratie: Die Zahlen steigen über den kritischen Wert, der Kreis kann eine Allgemeinverfügung aber nicht erlassen, weil das Landeszentrum für Gesundheit die Daten nicht vollständig erfasst hat und ohnehin immer mit Verzögerung erfasst. Das muss man als Normalbürger nicht verstehen.

Wenn die schärferen Regeln so wichtig sind, sollten sie auch schnellstmöglich umgesetzt werden. Dass die Behörden leistungsfähig sind, haben sie in der Corona-Zeit unter Beweis gestellt. Auch deshalb sind wir bislang vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Wenn man aber nicht will, dass die Menschen die Regeln irgendwann nicht mehr nachvollziehen können, muss hier dringend nachgebessert ­werden.

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