Aktualisierung: RKI und LZG melden am Dienstagmorgen Inzidenz-Wert von 50,7 – Neue Allgemeinverfügung in Paderborn gilt wohl ab Mittwoch – Handel bleibt optimistisch
Die Maske in der City kommt – Kreis Paderborn nun offiziell Corona-Risikogebiet

Paderborn (WB). Auch wenn der Kreis am Montag stagnierende Corona-Zahlen vermeldet hat, gibt es keinen Grund zur Entwarnung: Nach eigenen Berechnungen des Kreises dürfte das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) an diesem Dienstag die Sieben-Tages-Inzidenz – also die Zahl der Neu­infektionen innerhalb einer Woche, bezogen auf 100.000 Einwohner – mit mehr als 50 angeben. Damit wäre dann auch offiziell die zweite, kritische Marke überschritten – der Kreis Paderborn gilt damit als Risikogebiet.

Montag, 26.10.2020, 23:58 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 07:50 Uhr
Am Montagnachmittag in der Westernstraße: Einige der Passanten tragen bereits beim Bummel durch die Einkaufstraße eine Alltagsmaske, obwohl dies noch nicht per Allgemeinverfügung angeordnet worden ist. Foto: Oliver Schwabe
Am Montagnachmittag in der Westernstraße: Einige der Passanten tragen bereits beim Bummel durch die Einkaufstraße eine Alltagsmaske, obwohl dies noch nicht per Allgemeinverfügung angeordnet worden ist. Foto: Oliver Schwabe

(Aktualisierung: Dienstagfrüh meldeten das LZG und das Robert-Koch-Institut (RKI) den Wert 50,7. Paderborn ist damit offiziell Corona-Risikogebiet)

Trotz der Einschätzung des Kreises hat dies auch am Montag nicht dazu geführt, dass die Verwaltung die angekündigte Allgemeinverfügung verhängt hat. Sie wird nun für diesen Dienstag erwartet und würde dann von Mittwoch an gelten. „Wir haben überlegt, ob wir dennoch bereits am Montag eine Gefährdungsstufe per Allgemeinverfügung festlegen können, sind aber zum Ergebnis gekommen, dass wir warten müssen, bis die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind“, erläutert Krisenstabsleiter Michael Beninde. Die Allgemeinverfügung sei vorbereitet und beinhalte unter anderem Kontaktbeschränkungen und eine Ausweitung der Maskenpflicht, zum Beispiel in Fußgängerzonen.

Geschäftsleute bemüht, keine schlechte Laune aufkommen zu lassen

Obwohl die Verfügung noch keinen Bestand hat, haben sich bereits einige Bürger auf die Änderungen eingestellt und trugen schon am Montag beim Gang durch die Westernstraße eine Alltagsmaske. Eine Stichprobe der WV-Redaktion am Nachmittag zeigte: Etwa zehn Prozent der Passanten waren mit Maske unterwegs.

Die jetzt zu erwartenden Veränderungen drücken auf die Stimmung der Paderborner Einzelhändler und der Gastronomen. Dennoch sind die Geschäftsleute bemüht, keine schlechte Laune aufkommen zu lassen. „Handel und Gastronomie tun weiterhin alles, damit die Kunden geschützt sind“, betonte der Vorsitzende der Paderborner Werbegemeinschaft, Uwe Seibel, am Montag auf An­frage dieser Zeitung.

Auch der Paderborner Textilhändler Hermann Sittig appellierte am Montag an die Bürger, die AHA-Maßnahmen (Abstand, Hygiene und Alltagsmasken) einzuhalten. Unter diesen Bedingungen sei es auch weiterhin möglich, in einer recht entspannten Atmosphäre einzukaufen oder auch einzukehren.

Fassungslosigkeit und positive Nachrichten

Uwe Seibel zog auch eine positive Bilanz der Herbstmeile an der Westernstraße. Wie berichtet, haben dort einige Schausteller ihre Buden und ein Karussell aufgestellt, um etwas Flair zu verbreiten und Präsenz zu zeigen. Das Experiment sei gelungen, meinte Seibel.

Im Handel mache sich allerdings mit Blick auf die kommenden Wochen eine gewisse Fassungslosigkeit breit. „Wir alle stehen ohnmächtig davor, können nur abwarten. Das gilt auch für die Gastronomie, die angesichts möglicher Sperrstunden verunsichert ist.“ Allerdings gebe es auch viele positive Nachrichten: So funktioniere die Umstellung auf den digitalen Einkaufsgutschein gut. Aus Sorge vor einer mög­lichen Ansteckung will die Werbegemeinschaft allerdings die für kommenden Dienstag, 3. No­vember, geplante Jahreshaupt­versammlung im Pollux-Kino absagen.

Der Paderborner Textilhändler Hermann Sittig zeigte sich am Montag optimistisch: „Wenn die neue Allgemeinverfügung von Mittwoch an gelten sollte, haben wir lediglich eine veränderte Situation. Aber: Wir schließen ja nicht, sondern alle tragen die Maske, an die sich viele längst gewöhnt haben.“ Auch weiterhin müsse es möglich sein, „sich für die Seele etwas Schönes zu kaufen“. Das sei auch in dieser Krise wichtig.

Frequenz in der Innenstadt rückläufig

Nach Einschätzung der Einzelhändler sei die Frequenz in der Paderborner Innenstadt allerdings seit Mitte vergangener Woche rückläufig. „Die Warnungen der Politik haben Auswirkungen“, meinte Sittig. Der Einzelhandel lebe von der Frequenz. Auch wenn die Zahl der Spontankäufe zurückgegangen sei, profitierten die Fachgeschäfte allerdings weiterhin von ihren Stammkunden, die sich zum Teil für ihren Besuch im Geschäft anmeldeten. In den großen Häusern sei es zudem kein Problem, Abstand zu halten. Hier seien eher die kleinen, inhabergeführten Geschäfte im Nachteil, weil sie nur eine begrenzte Zahl Kunden zulassen dürften.

In dieser Situation sei es wichtig, mit den Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben, betont Sittig. Sie seien für die konsequente Einhaltung der Hygienekonzepte zuständig. Sittig: „Ich freue mich, wenn die Menschen vernünftig sind und die Zahlen wieder her­untergehen. Wir alle sollten jetzt mit Herz und Verstand handeln.“

Aktuell 239 Menschen infiziert

Keine neuen Covid-19-Fälle gegenüber dem Wochenende: Das hat der Kreis Paderborn – wie berichtet – am Montag mitgeteilt. Die Zahl der aufsummierten Infektionen seit Ausbruch der Pandemie beträgt demnach unverändert 1176, Stand Montag, 11 Uhr. Laut Kreis sind aktuell 239 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Betroffen ist Paderborn mit 88 aktiven Fällen, gefolgt von Bad Lippspringe (58), Delbrück (32), Bad Wünnenberg (18), Hövelhof (10), Lichtenau (10), Borchen (9), Salzkotten (5), Büren (5), Altenbeken (4). Allein am Samstag registrierte das Kreisgesundheitsamt 95 neue Fälle, 52 davon in Bad Lippspringe, die einem Ausbruch in dem Altenheim Jordanquelle in Bad Lippspringe zuzuordnen sind.

Das Personal im Kreisgesundheitsamt wird aufgestockt, um die Kontaktnachverfolgung sicherzustellen. Derzeit sind dort 58 Mitarbeiter tätig. Das Gesundheitsamt ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter Telefon 05251/308-3333 erreichbar.

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