Allgemeinverfügung ist vorbereitet und wird am Dienstag erwartet, sie gilt dann wohl ab Mittwoch
Inzidenzwert bei 50,7 – Kreis Paderborn nun offiziell Corona-Risikogebiet

Paderborn (WB/itz/mba/LaRo). Wie zu erwarten ist nun auch der Kreis Paderborn offiziell ein Corona-Risikogebiet. Das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) meldete am Dienstagmorgen einen Inzidenzwert von 50,7 (neue Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen; Vortag: 34,4). Damit ist die so genannte Gefährdungsstufe 2 (50) erreicht.

Dienstag, 27.10.2020, 07:53 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 13:30 Uhr
In der Herforder City gilt bereits eine Maskenpflicht. Foto: Stephan Rechlin
In der Herforder City gilt bereits eine Maskenpflicht. Foto: Stephan Rechlin

Die erste Stufe wird bei 35 überschritten. Am Montag hatte der Kreis nach eigenen Berechnungen erwartet, dass die Werte am Dienstag überschritten würden. Eine Allgemeinverfügung ist aber am Montag noch nicht erlassen worden, sie wird nun am Dienstag folgen und dann wohl ab Mittwoch gelten. „Wir haben überlegt, ob wir dennoch bereits am Montag eine Gefährdungsstufe per Allgemeinverfügung festlegen können, sind aber zum Ergebnis gekommen, dass wir warten müssen, bis die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind“, erläuterte der Krisenstabsleiter am Montag. Die Allgemeinverfügung sei vorbereitet und beinhalte unter anderem Kontaktbeschränkungen und eine Ausweitung der Maskenpflicht, zum Beispiel in Fußgängerzonen. Das LZG ist für die offizielle Einstufung verantwortlich. Der Kreis Paderborn ist das letzte Gebiet in Ostwestfalen-Lippe gewesen, das den Wert von 50 überschritten hat.

Nur noch ein Kreis in NRW unter 50er-Wert

In NRW liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch ein Kreis unter der Warnschwelle von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Der Kreis Soest verzeichnete demnach am Dienstagmorgen den Wert von 40,8. Die Kreise Paderborn (50,7) und Euskirchen (71,3) rissen im Gegensatz zum Montag nun die 50er-Schwelle. Landesweit lag die sogenannte Inzidenz am Dienstagmorgen (Stand: 0 Uhr) bei 116,8. An der Spitze lag Solingen mit rund 206 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in der vergangenen Woche.

Insgesamt stieg die Zahl der neuen nachgewiesenen Corona-Fälle im einwohnerstärksten Bundesland von Montag auf Dienstag um 3678, wie aus den Zahlen hervorging. Am Montag (Stand 0 Uhr) waren 2757 positive Tests hinzugekommen, mehrere der 53 Kreise und kreisfreien Städte hatten keine neuen Fälle gemeldet. Erfahrungsgemäß sind die Fallzahlen an Sonntagen und Montagen niedriger, auch weil an Wochenenden weniger getestet wird. Am Dienstag wurden überall neue nachgewiesene Fälle angegeben. (dpa)

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Rechnerisch war der 50er Wert wie berichtet bereits am Wochenende überschritten. 95 waren vom Kreis am Samstag gemeldet worden, mehr als die Hälfte davon in einem Bad Lippspringer Altenheim. Dass der Inzidenzwert offiziell da noch nicht über der 50er-Marke lag, sondern vom Landeszentrum Gesundheit (LZG) NRW am Sonntag mit 34,4 angegeben wurde, lag offenbar an einer Datenpanne. Ohnehin gibt es eine Meldeverzögerung, weil das LZG die laborbestätigten Corona-Fälle in NRW mit Stand 0 Uhr erfasst, so dass die Fälle, die im Laufe des Tages hinzukommen, noch nicht in der Statistik enthalten sind. Für weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ist laut Corona-Schutzverordnung NRW jedoch der vom LZG ausgewiesene Wert maßgeblich. Deswegen wird erst heute eine Allgemeinverfügung erlassen.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Paderborn und dem Ordnungsamt der Stadt Paderborn muss der SCP07 das Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg ohne Zuschauer im Stadion durchführen. Das teilte der Fußballzweitligist am Dienstagmittag mit.

Weitere Einschränkungen

Ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gilt laut Corona-Schutzverordnung in NRW die Gefährdungsstufe II mit folgenden Regeln:

- Bei Veranstaltungen sind innen und außen maximal 100 Personen zulässig.

- Die Maskenpflicht gilt auch am Sitz- oder Stehplatz bei Konzerten, Aufführungen, sonstigen Veranstaltungen und Versammlungen in geschlossenen Räumen sowie für Zuschauer bei Sportveranstaltungen.

- Ebenfalls gilt sie in regelmäßig stark frequentierten Außenbereichen wie Fußgängerzonen, in denen der Mindestabstand kaum einzuhalten ist. In Paderborn trifft das mindestens auf Westernstraße und Kamp zu. Dreier sagte, dass dort in der kommenden Woche entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden sollen. An diesem Montag tagt in Paderborn der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE), um in Abstimmung mit dem Kreis das weitere Vorgehen zu besprechen.

- Darüber hinaus ist bei der Gefährdungsstufe II vorgeschrieben, dass der Betrieb gastronomischer Einrichtungen und der Verkauf alkoholischer Getränke von 23 bis 6 Uhr unzulässig ist.

- An Festen außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen. In der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.

- Die Kommunen können weitere Maßnahmen anordnen. Die Gefährdungsstufen können erst aufgehoben werden, nachdem die Grenzwerte der Sieben-Tages-Inzidenz (35 bzw. 50) an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wurden. Nimmt das Infektionsgeschehen weiter zu, müssen weitergehende Maßnahmen geprüft werden.

Die jetzt zu erwartenden Veränderungen drücken auf die Stimmung der Paderborner Einzelhändler und der Gastronomen. Dennoch sind die Geschäftsleute bemüht, keine schlechte Laune aufkommen zu lassen. „Handel und Gastronomie tun weiterhin alles, damit die Kunden geschützt sind“, betonte der Vorsitzende der Paderborner Werbegemeinschaft, Uwe Seibel, am Montag auf An­frage dieser Zeitung.

Hotspot Bad Lippspringer Altenheim

Keine neuen Covid-19-Fälle gegenüber dem Wochenende: Das hatte der Kreis Paderborn – wie berichtet – am Montag mitgeteilt. Die Zahl der aufsummierten Infektionen seit Ausbruch der Pandemie beträgt demnach unverändert 1176, Stand Montag, 11 Uhr. Laut Kreis sind aktuell 239 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Betroffen ist Paderborn mit 88 aktiven Fällen, gefolgt von Bad Lippspringe (58), Delbrück (32), Bad Wünnenberg (18), Hövelhof (10), Lichtenau (10), Borchen (9), Salzkotten (5), Büren (5), Altenbeken (4). Allein am Samstag registrierte das Kreisgesundheitsamt 95 neue Fälle, 52 davon in Bad Lippspringe, die einem Ausbruch in dem Altenheim Jordanquelle in Bad Lippspringe zuzuordnen sind.

Das Personal im Kreisgesundheitsamt wird aufgestockt, um die Kontaktnachverfolgung sicherzustellen. Derzeit sind dort 58 Mitarbeiter tätig. Das Gesundheitsamt ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter Telefon 05251/308-3333 erreichbar, www.kreis-paderborn.de/corona.

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