Neues Buch beschreibt Paderborns Wahrzeichen auch als Begegnungs- und Sozialraum
Im Dom wird nicht nur gebetet

Paderborn (WB). Der 24. November 2016 war in der Geschichte des Paderborner Domes ein besonderer Tag: Sieben Poetryslammer trafen sich dort zum Dichterwettstreit, und 660 Menschen hörten zu. Ein knappes Jahr später kamen „Menschen am Rande“ zu einem Festmahl in das Gotteshaus und wurden von Priestern und Priesteramtskandidaten bedient. Die Premieren zeigten: Im Paderborner Dom wird nicht nur gebetet, er ist ein Begegnungs- und Sozialraum. Genau diesen Aspekt vertieft ein neues Buch über das Wahrzeichen Paderborns.

Mittwoch, 28.10.2020, 04:05 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 04:10 Uhr
Herausgeber Stefan Kopp präsentiert im Dom das Buch, das im Bonifatius-Verlag erschienen ist, 29,90 Euro kostet und die ISBN-Nummer 978-3-89710-858-5 hat. Foto: Oliver Schwabe
Herausgeber Stefan Kopp präsentiert im Dom das Buch, das im Bonifatius-Verlag erschienen ist, 29,90 Euro kostet und die ISBN-Nummer 978-3-89710-858-5 hat. Foto: Oliver Schwabe

Zum und über das Gotteshaus ist schon viel geschrieben worden. Das neue Buch ist dennoch keine Papierverschwendung, denn es erweitert den Blick über die Baugeschichte hinaus. „Die Paderborner Kathedrale als Kirchen-, Kunst- und Lebensraum im europäischen Kontext“ heißt das im Bonifatius-Verlag erschienene Werk, das Informationsquelle und Bildband in einem ist. Herausgegeben haben die kompakte Darstellung mit 240 Seiten der Leiter der Theologischen Fakultät Paderborn und Professor für Liturgiewissenschaft, Stefan Kopp, der Kunsthistoriker Norbert Börste und Jonas Miserre, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät.

„Dom hat sich schon immer den Menschen geöffnet”

Seit 2017 ist dort das „Domprojekt“ angesiedelt, bei dem liturgiehistorische Quellen erforscht werden. Das Buch ist das Ergebnis einer Tagung, die nicht stattfinden konnte. Am 19. und 20. März wollten sich bis zu 70 Wissenschaftler in Paderborn treffen, das Coronavirus ließ es jedoch nicht zu. Aber Austausch gelingt auch digital, und so fiel zwar das Kolloquium aus, das angestrebte Buch entstand aber trotzdem.

Dass im Paderborner Dom nicht nur Kirchenmusik, sondern auch Poetry Slam aufgeführt wird, hält Stefan Kopp für nicht so außergewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, und außerdem für eine Chance, junge Menschen ins Gotteshaus zu locken. „Der Dom mit seinem auf den Marktplatz hin ausgerichteten Paradiesportal hat sich schon immer den Menschen geöffnet“, sagt er. Der mittelalterliche Altarraum sei „Liturgie in Bewegung“ gewesen, und die Menschen hätten sich dort nicht nur mit Gott beschäftigt. Die Vorstellung, dass in einer Kirche nur Gottesdienste gefeiert werden dürften und das Profane draußen zu bleibe habe, entspreche jedenfalls nicht den christlichen Ursprüngen.

Natürlich beschreibt das Buch auch die Baugeschichte des Domes, die wechselseitigen Einflüsse französischer und deutscher Gotik, und es geht auf das aktuelle Projekt der Neugestaltung der Krypta ein. 2017 wurden 1000 Jahre Bartholomäuskapelle, 2018 der 950. Jahrestag der Weihe des Imad-Doms gefeiert. All das findet sich genauso wieder wie die Symbolik des Gebäudes als Verheißung des Himmlischen Jerusalem oder die liturgischen Feiern, die im Frühjahr unter extremen Bedingungen abliefen. An Ostern zog sich Erzbischof Becker wegen der Corona-Pandemie mit einigen wenigen in die Krypta zurück, die Gläubigen sahen im Internet zu.

Gemeinsamkeiten von Poetry-Slam und Gottesdienst

Der Dom muss mit der Zeit gehen, und er tut es auch freiwillig. So wie beim Poetry Slam am 24. November 2016. Karsten Strack vom Lektora-Verlag, der durch den Wettstreit führte, schreibt in dem Buch rückblickend: „Gottesdienst und Poetry Slam weisen auch greifbare Ähnlichkeiten auf – in beiden Fällen geht es darum, etwas zu feiern: Während in der Messe Gott und der Glauben gefeiert und geehrt werden, wird beim Poetry Slam die Poesie gefeiert und geehrt.“ Der gemeinsame Nenner sei die „Bewusstwerdung und Preisung von Gemeinschaft“.

Unter dem Titel „Rendezvous im Dom“ erneuerte Studentenpfarrer und Dompastor Nils Petrat die Tradition der Fastenpredigten und machte sie zu einer inspirierenden Mischung aus Worten, Musik und besonderer Beleuchtung. Seit 2016 können Menschen so die Kathedrale neu erkunden.

Dass der Dom für Bettler genauso da ist wie für Reiche, macht ihn zum Sozialraum. Das Festmahl für Bedürftige und die Aktion an der Krippe, bei der Schlafsäcke oder Kaffee abgegeben werden können, liegt Dompropst Joachim Göbel am Herzen: „Es bleibt die Spannung zu halten, auszuhalten und fruchtbar zu machen: die Spannung Kirche und Markt, zwischen sakral und profan, die Spannung zwischen der lateinischen Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus und dem Poetry Slam, die Spannung zwischen einem anspruchsvollen geistlichen Konzert und einem Kaffee mit Bedürftigen.“

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