827 Wildunfälle in den ersten neun Monaten des Jahres im Kreis Paderborn
Wenn plötzlich ein Reh auf der Straße steht

Paderborn (WB). Achtung, Wild! Jetzt ist die Gefahr wieder hoch, als Kraftfahrzeugführer in Wildunfälle verwickelt zu werden. Darauf weist die Polizei Paderborn hin und betont, dass diese Gefahr besonders in den ländlich geprägten Bereichen hoch sei.

Donnerstag, 29.10.2020, 04:00 Uhr
Nach der Zeitumstellung kann es jetzt wieder vermehrt zu Wildunfällen kommen. Foto: dpa
Nach der Zeitumstellung kann es jetzt wieder vermehrt zu Wildunfällen kommen. Foto: dpa

Durch die Zeitumstellung falle der morgendliche Berufsverkehr in die Dämmerung. Gerade dann seien Wildtiere auf Nahrungssuche und wandern dabei auch über Straßen. Weiterhin finden auf den Feldern nach wie vor Erntearbeiten statt. In dieser Zeit geschieht es des Öfteren, dass insbesondere Rehwild durch die Erntemaschinen aufgescheucht wird und auch zur hellen Tageszeit plötzlich fluchtartig die Straßen überquert.

Im Kreis Paderborn waren nach Angaben der Polizei in den ersten neun Monaten dieses Jahres 827 Wildunfälle zu verzeichnen, vornehmlich mit Rehwild. Dabei wurden zwei Personen schwer verletzt, vier weitere leicht.

Auch wenn bei der ganz überwiegenden Anzahl der Wildunfälle nur Sachschäden zu beklagen sind, besteht dennoch immer eine hohe Verletzungsgefahr, die allerdings kaum durch den direkten Kontakt mit dem Tier entsteht, sondern vielmehr dadurch, dass Fahrzeugführer dem Tier ausweichen und dann von der Fahrbahn abkommen oder in den Gegenverkehr fahren, berichtet die Paderborner Polizei.

Wildschweine sind bis zu 100 Kilo schwer

„Ein ausgewachsenes Reh wiegt zwischen 15 und 25 Kilogramm. Damhirsche, die wir in der Senne antreffen können, haben ein Gewicht von 30 bis höchstens 50 Kilogramm“, schreibt die Paderborner Polizei in einer Pressemitteilung. Wildschweine, die im Teutoburger Wald und der Senne leben, könnten demnach 50 bis 100 Kilogramm wiegen. Durch milde Winter und gute Nahrungsquellen haben sich Wildschweine in den vergangenen Jahren stark vermehrt.

Anders als Damwild führten Wildschweine oft jedoch Totalschäden an Fahrzeugen herbei. Letztendlich sei jeder Zusammenstoß ein potenzielles Risiko für Verkehrsteilnehmer, heißt es von Seiten der Polizei. Die ganz überwiegende Anzahl der gemeldeten Unfälle gehe auf eine Kollision mit einem Reh zurück und sei für den Autofahrer relativ ungefährlich. Es entstehe allenfalls Sachschaden. Ein Wildschwein sei zwar schon ein ernsterer, aber letztlich doch unterlegener Kollisionsgegner.

Damwild sei ebenfalls von der Masse her keine große Gefahr. In Einzelfällen könnten diese großen Tiere aber die Windschutzscheibe durchschlagen und in das Auto eindringen, was für die Insassen sehr gefährlich ist.

Die Polizei rät, außerhalb geschlossener Ortschaften stets mit Wild zu rechnen. Rehe und Hirsche seien dämmerungsaktiv, könnten aber auch gerade jetzt plötzlich tagsüber auftauchen. Wildschweine sind darüber hinaus auch nachts unterwegs. Insbesondere am Übergang von Wald und Wiese sowie entlang von Maisfeldern gilt besondere Vorsicht.

Keine unkontrollierten Lenkbewegungen

Sind Erntemaschinen unterwegs, besteht nach Erfahrung der Polizei ebenfalls erhöhte Gefahr. „Fahren Sie vorsichtig, seien Sie bremsbereit. Wählen Sie Ihre Geschwindigkeit so, dass Sie auch in Kurven jederzeit eine Vollbremsung machen können, ohne die Beherrschung über das Fahrzeug zu verlieren“, rät die Polizei dann. Wer beispielsweise mit Tempo 60 statt 80 fährt, verkürzt den Bremsweg um mehr als 30 Meter. Für den Fall, dass Wild auftaucht, sollte sofort kontrolliert abgebremst werden.

Zu achten ist dabei auf den nachfolgenden Verkehr. „Halten Sie nötigenfalls an. Das heimische Wild ist in seinem Verhalten unberechenbar. Es kann weiter laufen, plötzlich stehen bleiben und auch umdrehen und wieder zurückkommen. Wo ein Tier auftaucht, gibt es noch weitere!“, so die Polizei. In Gefahrensituationen sollten keine unkontrollierten Lenkbewegungen gemacht werden. „Halten Sie bei Gefahr im Zweifel das Steuer fest und bremsen Sie mit aller Kraft. Riskieren Sie lieber eine Kollision mit dem Wild als mit einem Baum oder dem Gegenverkehr.“

„Wenn Sie einen Wildunfall erlitten haben, kontaktieren Sie in jedem Fall sofort den zuständigen Jagdpächter oder die Polizei. Die Entsorgung getöteter Tiere und die Nachsuche nach verletzten Tieren muss unmittelbar erfolgen“, mahnt die Polizei. Getötete Tiere zum eigenen Verbrauch selbst mitzunehmen ist übrigens verboten und wird als Jagdwilderei bestraft.

Fahrsicherheitstraining empfohlen

Die größte Gefahr bei Wildkontakt geht eindeutig von nicht angepasster Geschwindigkeit und unkontrollierten Lenkbewegungen aus. Deshalb sollten kontrollierte Abwehrreaktionen geübt werden. Eine gute Möglichkeit dafür bietet ein Fahrsicherheitstraining. Hierbei werden professionelle Brems- und Ausweichmanöver eingeübt, die speziell auf das eigene Fahrzeug abgestimmt sind (ABS, ESP, ESP+).

Die Polizei rät, diese Trainings, die von der Verkehrswacht und den bekannten Automobilclubs angeboten werden, zu wiederholen. „Dann haben Sie eine reelle Chance, bei Gefahr das Richtige zu tun, eine drohende Kollision auch in schwierigen Situationen ganz zu vermeiden und das Risiko eines Unfalls auf ein Minimum zu reduzieren“, richtet sich die Polizei an alle Fahrzeugführer.

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