Paderborner Gruppe der Frauenselbsthilfe Krebs hilft in schweren Zeiten weiter
„Hoffnung ist erlaubt“

Paderborn -

Wenn Eva Kellerhoff an den Tag vor drei Jahren denkt, an dem der Krebs zurückkam, wird es ihr noch heute eng ums Herz: „Es fühlte sich furchtbar an, richtig aussichtslos. Meine Welt schien zusammenzubrechen und ich wusste nicht, was ich tun soll.“ 2010 war bei der damals 52-Jährigen zum ersten Mal Brustkrebs diagnostiziert worden.

Samstag, 21.11.2020, 02:48 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 02:50 Uhr
Das Leitungsteam mit (von links) Heike Hentschel, Christine Lamczick und Eva Kellerhoff ermutigt Frauen, die mit der Diagnose Krebs leben, den Schritt in die Selbsthilfegruppe zu wagen. Rechts: Prof. Dr. Michael Patrick Lux, Chef der Frauenklinik St. Luise in Paderborn.
Das Leitungsteam mit (von links) Heike Hentschel, Christine Lamczick und Eva Kellerhoff ermutigt Frauen, die mit der Diagnose Krebs leben, den Schritt in die Selbsthilfegruppe zu wagen. Rechts: Prof. Dr. Michael Patrick Lux, Chef der Frauenklinik St. Luise in Paderborn.

„Beim ersten Mal hab ich gedacht: Das kriege ich hin. Operation, Bestrahlung, fertig.“ Dann, 2017, wendete sich das Blatt: „Ich hatte noch zwei Wochen Resturlaub und wollte die Zeit nutzen, um mich durchchecken zu lassen“, lässt Eva Kellerhoff das Geschehene Revue passieren. „Als meine Ärztin dann sagte, sie wolle eine Biopsie veranlassen, wusste ich: Das geht schief.“

Ihr Gefühl hatte sie nicht getäuscht. „Die Krankheit hat sich schon auf den Weg gemacht“, eröffneten ihr die Ärzte, dass eine Operation nicht mehr möglich war und sich bereits Metastasen in der Lunge gebildet hatten. Die Chemotherapie war unumgänglich. „Mein Kopf war leer und ich dachte: Das war‘s jetzt“, erinnert sich Eva Kellerhoff.

In den folgenden Monaten litt insbesondere ihre seelische Verfassung. Abgesehen von Schlaflosigkeit war sie ständig auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, surfte nachts durchs Internet, fühlte sich orientierungslos und allein mit ihrer Krankheit. In dieser Phase machte sie sich vor eineinhalb Jahren auf die Suche nach Hilfeangeboten und stieß auf eine kurz zuvor gegründete Paderborner Gruppe des bundesweit tätigen Vereins Frauenselbsthilfe Krebs.

„Das Wichtigeste war für mich, dass ich mich nicht erklären musste. Jede der Frauen dort wusste genau, wie es in mir aussah“, schätzt Eva Kellerhoff, die inzwischen zum Leitungsteam der Gruppe gehört, den geschützten Raum, in dem Teilnehmerinnen alle Fragen stellen und jedes Problem schildern können. „Wir reden aber nicht nur über Krebs, sondern auch über viele andere Themen.“

Durch die seelische Nähe zu den anderen Frauen sind in der Selbsthilfegruppe viele Freundschaften entstanden. Die schätzt Eva Kellerhoff nicht nur in Zeiten von Corona besonders: „Leider haben viele von uns die Erfahrung gemacht, dass langjährige Freude sich plötzlich abwenden, weil sie mit der Krankheit nicht umgehen können.“ Das sei sehr enttäuschend. Zugleich aber gebe es andere, die unverhofft ins Leben treten und zu guten Freunden werden.

„Auffangen, informieren, begleiten – das ist unser Ziel. Wir möchten Frauen in ihrer schwierigen Zeit vermitteln, dass Zuversicht und Hoffnung erlaubt sind. Sie müssen ihren Weg nicht allein gehen“, ermutigt Eva Kellerhoff Betroffene, den Kontakt zur Frauenselbsthilfe aufzunehmen. Die Gruppe trifft sich eigentlich am dritten Mittwoch des Monats in der Frauenklinik St. Louise. Da dies im Augenblick coronabedingt nicht möglich ist, finden die Treffen nun online statt. „Wir sind happy, dass wir uns auf diese Weise sehen und austauschen können“, freut sich Eva Kellerhoff.

Da sie als Vorerkrankte zur Risikogruppe gehört, haben sich Eva Kellerhoff und ihr Mann in den vergangenen Monaten stark in die eigenen vier Wände zurückgezogen. Einzig die Hunde „Tibbi“ und „Emmi“ sorgen dafür, dass Herrchen und Frauchen regelmäßig vor die Tür kommen. „Unsere Antidepressiva auf vier Pfoten halten uns in Bewegung“, schmunzelt Eva Kellermann, die trotz ihres Schicksals nie den Optimismus verloren hat. Aktuell ist ihre Krebserkrankung zum Stillstand gekommen.

Eva Kellerhoff tut die Arbeit für die Frauenselbsthilfe gut. Sie ist gerne aktiv und mag es, wenn sie etwas bewegen kann. Auf was sie sich am meisten freut? „Auf den nächsten Sommer, wenn wir uns endlich alle draußen und mit Abstand wiedersehen können!“

Wer den Kontakt zur Paderborner Gruppe sucht, meldet sich bei Christine Lamczick unter der Rufnummer 05251/730448. Informationen gibt es auch im Internet unter www.frauenselbsthilfe.de.

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