Amtsgericht Paderborn zeichnet Schiedsleute für zehnjährige und 25-jährige Tätigkeit aus
Die Streitschlichter – wenn das Gericht nicht nötig ist

Paderborn -

Eine hohe Hecke oder oder ein ausufernder Baum kann schnell einen Streit unter Nachbarn auslösen. Doch das ist nicht immer ein Fall für ein Gericht. Oft können Schiedsleute außergerichtlich schlichten – so wie Franz-Josef Heinemann aus Bad Lippspringe. Seit beachtlichen 25 Jahren ist er als ehrenamtlicher Streitschlichter im Einsatz. Dafür überreichte ihm Amtsdirektor Günther Köhne jetzt eine Dankesurkunde.

Samstag, 21.11.2020, 03:53 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 04:00 Uhr
Ehrung verdienter Schiedsleute (von links): Antje Sippel (stellvertretende Amtsgerichtsdirektorin), Katrin Darmstädter-Plotz (Rechtsamt der Stadt Paderborn), Marietheres Schäfers (10 Jahre), Amtsgerichtsdirektor Günter Köhne, Jörg Cremer (10 Jahre), Franz-Josef Heinemann (25 Jahre) und Brigitte Drüke (10 Jahre).
Ehrung verdienter Schiedsleute (von links): Antje Sippel (stellvertretende Amtsgerichtsdirektorin), Katrin Darmstädter-Plotz (Rechtsamt der Stadt Paderborn), Marietheres Schäfers (10 Jahre), Amtsgerichtsdirektor Günter Köhne, Jörg Cremer (10 Jahre), Franz-Josef Heinemann (25 Jahre) und Brigitte Drüke (10 Jahre). Foto: Jörn Hannemann

Für jeweils zehnjährige ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet wurden außerdem Brigitte Drake (Bezirk Paderborn II), Jörg Cremer (Bezirk Paderborn I) und Marie-Theres Schäfers (Bezirk Altenbeken). Neben ihrem Amt im Schiedswesen engagieren sich die Geehrten zum Teil auch auf Bundesebene des Verbandes oder auch als Schöffen.

Schiedsleute setzen sich gemeinsam mit Streitparteien an einen Tisch, um einvernehmlich zu einer außergerichtlichen Schlichtung zu kommen. Sie arbeiten ehrenamtlich und werden von den Gemeinde- und Stadträten für fünf Jahre ernannt. Für den zuständigen Bezirk des Amtsgerichtes Paderborn arbeiten derzeit elf Schiedspersonen. Dazu kommen ihre jeweiligen Stellvertreter.

Als ein „Urgestein im Paderborner Schiedswesen“ bezeichnete Amtsdirektor Köhne Franz-Josef den Dienstältesten, Franz-Josef Heinemann, der seit 25 Jahren das Amt ausübt. Er übernahm am 25.11.1994 die Tätigkeit für Bad Lippspringe. „Mein Vorgänger sang mit mir in der Freizeit zusammen. Daher wusste ich ganz gut, was mich erwartet.“ Hinzu kam, dass er viele Jahre als Bürovorsteher in einer Anwaltskanzlei tätig war, was eine gute, wenn auch nicht zwingend notwendige Voraussetzung für die Tätigkeit ist. Mit dem Erreichen des 70. Lebensjahres will Heinemann jedoch die Tätigkeit in die jüngeren Hände legen. Für die vakante Stelle des Stellvertreters wird Ersatz gesucht. „Schlichtungen sind gefragt. Schiedsleute haben gut zu tun. Freiwillige zu finden, die das Amt übernehmen wollen, wird jedoch schwieriger“, hat Katrin Darmstädter-Plotz vom Rechtsamt der Stadt Paderborn feststellen müssen.

Was Kandidaten mitbringen müssen? „Ganz wichtig sind Geduld, Ruhe, Empathie und Verständnis für die unterschiedlichen Personen“, sagt Schiedsmann Jörg Cremer, der seit zehn Jahren Schiedsmann ist. Ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis gehört natürlich auch dazu. Oft wohnen die Streitschlichter, die in Sachsen Friedensrichter genannt werden, auch in ihren Amtsbezirken. Sie kennen sich also gut mit den örtlichen Gegebenheiten und Gepflogenheiten aus und sind im Dorf als respektable Person anerkannt.

Im Kreis Paderborn geht das Schiedswesen bereits auf 1890 zurück, erzählt Amtsdirektor Günther Köhner. Das belegt ein historisches Dokument, noch in Sütterlinschrift verfasst, das er für die Feierstunde aus dem Archiv extra herausgesucht hat. Dort wird über Fälle in Kleinenberg zehn Jahre vor der Jahrhundertwende berichtet.

„Interessanterweise ging es damals zumeist um die gleichen Probleme, die uns auch heute noch 100 Jahre später beschäftigen, also überwiegend um Beleidigungen, die Gegenstand von Streitigkeiten von Bürgern waren.“ Schon damals waren die Schiedsleute meistens erfolgreich und es gelang – wie heute noch – die Sache relativ schnell aus der Welt zu schaffen. „Teilweise ist man natürlich gescheitert. Das liegt daran, dass die Beziehungen vollkommen zerrüttet sind und waren, was gelegentlich auch mal bei Eheleuten vorkommt.“ Trotzdem ist man auch damals schon sehr dankbar gewesen, dass es das Schiedsamtswesen gibt, da es hilft, den Justizapparat zu entlasten.

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