Menschen mit Beeinträchtigung lernen, anderen zu helfen
Caritas in den Erzbistümern Paderborn und Köln bildet Peer-Berater aus

Paderborn/Hagen -

Sabine Stolle erinnert sich noch gut, wie sie vor 26 Jahren begann, in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu arbeiten. „Da hatte ich viele Fragen und hätte mich gefreut, wenn ich jemanden um Rat hätte bitten können“, sagt sie. Umso mehr freue sie sich, dass sie nun selbst anderen mit ihrem Rat weiterhelfen könne.

Dienstag, 24.11.2020, 00:28 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 00:30 Uhr
In einem Pilotprojekt werden Menschen mit Beeinträchtigung zu sogenannten Peer-Beratern ausgebildet. Erste Schulungen dafür laufen bereits.
In einem Pilotprojekt werden Menschen mit Beeinträchtigung zu sogenannten Peer-Beratern ausgebildet. Erste Schulungen dafür laufen bereits. Foto: cpd

Denn dazu wird sie nun gemeinsam mit anderen in einem Bildungsprojekt ausgebildet, teilte der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn mit.

„Peer-Beratung im Tandem-Modell“ (PiT) heißt das von der Aktion Mensch Stiftung geförderte Gemeinschaftsprojekt der Caritas in den Erzbistümern Paderborn und Köln. „Dabei sollen Menschen, die mit einer Beeinträchtigung leben, be­fähigt werden andere, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, auf Augenhöhe zu beraten“, erklärt Christina Habig vom Caritasverband für das Erzbistum Paderborn. Sie leitet das Projekt gemeinsam mit Michaela Borgmann. Die UN-Behindertenrechtskonvention und das Bundesteilhabegesetz bildeten die Grundlage des Projekts. Die ersten Schulungsreihen finden nach einer Konzeptionsphase zurzeit in den St.-Laurentius Werkstätten in Hagen und in den Alexianer-Werkstätten in Köln statt. In Hagen nehmen elf Menschen, die mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung leben, an der Schulung teil. Dass sie teilnehmen darf, freue Heike Schieweck besonders: „Ich bin ein sehr sozialer Mensch und helfe gerne anderen. Ich lebe sehr selbstständig und kann anderen rund um das Thema eigene Wohnung, Haushalt und Alltag Tipps geben.“

Dabei stehe sie nicht allein, sondern erhalte in bestimmten Situationen Rat. „Das Besondere an diesem Projekt ist die Anbindung der Peer-Berater an eine erfahrene Beratungsfachkraft, dem Tandem-Partner, der im Bedarfsfall Unterstützung bietet“, erklärt Christina Habig. Die Tandem-Partner nehmen an vier der elf Schulungstage teil. Beteiligt sind den Angaben zufolge elf Einrichtungen und Dienste der Caritas-Behindertenhilfe in den Erzbistümern Paderborn und Köln, unter anderem Werkstätten, Wohnheime und Sozialpsychiatrische Zentren. Nach Abschluss der ersten beiden Schulungsreihen sollen, soweit es die Pandemie zulasse, weitere Schulungen Anfang 2021 auch im Hochstift beginnen. Bis zum Ende des Projektes 2023 sollen 120 Peer-Berater ausgebildet werden. „Sie ergänzen dann die bereits bestehenden Beratungsangebote um eine weitere innovative Beratungsform, die als Stärkung der Selbstbestimmung, des Empowerments, betrachtet wird“, erklärt Projektreferentin Michaela Borgmann.

www.pit-projekt.de

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