Mit Ausnahmegenehmigung: Paketdienste im Ausnahmezustand
Morgens um 11 Uhr in der Paderborner City

Paderborn -

Fleißig wie die Bienen schwärmen die Paketfahrer allmorgendlich in der Paderborner Innenstadt aus. Am Samstag um 11 Uhr waren zeitgleich vier gelbe Paketwagen sowie ein Bulli der Deutschen Post in der Fußgängerzone zu sehen. Parallel dazu bahnte sich ein Geldtransporter seinen Weg. Wie kann das sein, wenn doch der Lieferverkehr nur bis 10.30 Uhr erlaubt ist? Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hat bei DHL und dem Citymanagement nachgefragt.

Dienstag, 24.11.2020, 07:54 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 12:08 Uhr
Samstag, 11 Uhr: Mindestens vier gelbe Paket-Bullis von DHL sind in der Westernstraße, am Kamp, in der Rosenstraße und auf dem Marienplatz unterwegs. Fotos: Ingo Schmitz
Samstag, 11 Uhr: Mindestens vier gelbe Paket-Bullis von DHL sind in der Westernstraße, am Kamp, in der Rosenstraße und auf dem Marienplatz unterwegs. Fotos: Ingo Schmitz

„Durch Corona sind wir in der besonderen Situation, dass die Zahl der Sendungen um 15 bis 20 Prozent zugenommen hat“, erläutert Rainer Ernzer, Pressesprecher Deutsche Post DHL Group. Das Problem sei, dass in der Paderborner City zahlreiche Geschäfte erst um 10 Uhr öffneten. Das Zeitfenster reiche nicht aus, um die Pakete in der vorgegebenen Zeit auszuliefern. Vor diesem Hintergrund habe man zu Lockdown-Zeiten bei der Stadt eine Ausnahmegenehmigung bis 12 Uhr erwirkt, die in der Regel eingehalten werde. Dies könne nur durch eine Erhöhung der Zahl der Paketwagenfahrer erreicht werden. „Sonst wäre das alles nicht zu schaffen“, betont Ernzer.

Es gebe nämlich noch eine weitere Entwicklung: Immer mehr Händler in der Paderborner City hätten einen Online-Shop und würden nicht nur Pakete erhalten, sondern dem Paketboten auch welche mitgeben. „Die Transporter fahren häufig so voll aus der Stadt raus, wie sie reingekommen sind“, berichtet der DHL-Sprecher. Seine Prognose: Bis Weihnachten wird das noch mehr.

Die Verärgerung vieler Fußgänger über die Paketboten ist so alt, wie es den Online-Handel gibt. Doch so voll war die Stadt schon lange nicht mehr, bestätigt Citymanager Heiko Appelbaum. Zu den Anbietern von Lieferdiensten hat sich nämlich ein weiterer hinzugesellt: Amazon betreibt seit wenigen Wochen in Mönkeloh ein eigenes Verteilzen­trum, von dem an sechs Tagen pro Woche insgesamt bis zu 450 Transporter ausschwärmen.

Alle bisherigen Versuche, die Paketbullis aus der Stadt fernzuhalten, seien bislang gescheitert. Davon lasse er sich aber nicht entmutigen, sagt Appelbaum. Aktuell gibt es Gespräche mit einem Dienstleister, der bereit sei, die Pakete per Lastenfahrrad auf die letzte Meile zu schicken. Am Standort Franziskanermauer könnte ein mobiler Container platziert werden, an dem große Lastwagen andocken sollen. Dieser neue Umschlagplatz sei für die Pakete gedacht, die auf spezielle E-Bikes umgeladen werden, um sie dann emissionsfrei im Umfeld der Westernstraße auszuliefern. Gesucht werde noch ein geschützter Standort mit Ladesäulen, wo die Räder nachts mit Strom versorgt werden könnten, berichtet der Citymanager. Die Gespräche seien sehr komplex. Nach Angaben von Appelbaum sei an dieser Lösung bislang nur ein Dienstleister interessiert – dabei handele es sich jedenfalls nicht um DHL. Und auch Amazon lasse sich derzeit nicht in die Karten schauen.

Aus Sicht von Rainer Ernzer sei die Idee für DHL nicht umsetzbar. „Man darf dabei nicht vergessen, welche Mengen wir bewegen“, betont er.

Weihnachtsmeile

Die Überlegungen zur Durchführung einer Weihnachtsmeile in der Paderborner City gehen weiter. Analog zur Herbstmeile, bei der Schausteller in der Westernstraße unter anderem mit Mandelduft für Atmosphäre sorgten, soll es auch in den kommenden Wochen einen „Weihnachtsmarkt-Light“ mit Abstand geben. Dazu Citymanager Heiko Appelbaum: „Die Weihnachtsbeleuchtung ist klasse. Wir wünschen uns aber ein paar Stände und ein Karussell. Wir warten auf ein positives Zeichen aus Berlin.“ Die Schausteller stünden Gewehr bei Fuß.

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