Paderborner Gericht sieht keine Voraussetzung für Sicherungsverwahrung
Missbrauch: Haftstrafe für 43-Jährigen

Paderborn -

Für die Beteiligten ist es wohl wie ein Déjà-vu gewesen: Auf der Anklagebank sitzt ein jetzt 43 Jahre alter Mann, der den Saal 106 des Landgerichts schon kennt. Verhandelt wird ein Fall, den die 5. Große Jugendkammer eigentlich auch schon kennt – nur dass es sich diesmal um eine fast exakte Wiederholung handelt. Es geht um sexuellen Missbrauch von Kindern mit dem Smartphone.

Mittwoch, 25.11.2020, 05:13 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 05:25 Uhr
Paderborner Gericht sieht keine Voraussetzung für Sicherungsverwahrung: Missbrauch: Haftstrafe für 43-Jährigen

Das Verhalten des Angeklagten scheint unverbesserlich zu sein. Ob eine Erkrankung bei ihm vorliegt, eine Triebstörung oder vielleicht Pädophilie – herauszufinden ist das letztlich nicht. Denn der 43-Jährige lässt sich nicht von einem Psychiater begutachten – nicht jetzt und auch nicht zuvor. Er hatte im Mai über eine Kennenlern-App für Kinder und Jugendliche zu einer 13-Jährigen aus Ostdeutschland Kontakt aufgenommen, sie schnell in Chats mit sexuellem Inhalt verwickelt, sich äußerst intime Fotos und Videos von ihr schicken lassen und ihr solche auch von sich geschickt. Das ging mehrere Tage so, hörte dann aber abrupt auf.

Der 43-Jährige wurde von seiner Vergangenheit eingeholt. Vier Wochen nach seiner Haftentlassung bekam er Besuch von der Polizei in seinem Zimmer in einer Wohneinrichtung in Paderborn, weil er unter Führungsaufsicht und in der höchsten Kategorie eines Programms für rückfallgefährdete Sexualstraftäter stand – und als eine Polizistin sein Handy kontrollierte, entdeckte sie die kinderpornografischen Dateien. Der Mann kam in Untersuchungshaft.

Genauso hatte es sich 2018 abgespielt. Im März 2019 ging er für 20 Monate in Haft, die er bis zum letzten Tag absitzen musste, wegen einer negativen Sozialprognose. Vier Wochen nachdem er freigekommen war, tauchte er wieder als Tim, 16 Jahre, im Whats­App-Messenger auf. Das Mädchen machte zunächst mit, weil es glaubte, Tim aus der Schweiz sei in sie verliebt. Dann traute sie sich nicht seine Forderungen abzuweisen, weil er drohte, ihren Eltern etwas anzutun. Als das Mädchen im Juli bei der Polizei vernommen wurde, erklärte sie, den gesamten Chat gelöscht zu haben, weil Tim sich plötzlich nicht mehr ge­meldet habe.

Auch der Prozess am Dienstag vor der Jugendkammer stand unter dem Eindruck des Musters der Taten, das sich ständig wiederholt. Der 43-Jährige, der wegen der Masche 2017 in Ostdeutschland verurteilt worden war, machte in Paderborn 2018 genau so weiter – und 2020 ebenso, bis hin zu den Ausreden, das Handy sei nur geborgt und die SIM-Karte gehöre jemand anderem. Aber die Ermittler hatten das überprüft und im Zimmer des Angeklagten in der Wohneinrichtung die Smartphoneverpackung gefunden. Auch ein verfäng­liches Video aus dem Badezimmer des Angeklagten war diesem eindeutig zuzu­ordnen.

Der 43-Jährige gab die Taten schließlich zu. 32 zum Teil einschlägige Vorstrafen und auch eine mangelnde Therapiebereitschaft kamen seitens der Führungsaufsichtsstelle zur Sprache. Die Jugendkammer verhängte gegen ihn eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren, sah jedoch keine Voraussetzung für eine Unterbringung in einer forensischen Klinik oder für eine Sicherungsverwahrung.

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