Schützenhof oder Ahornsportpark: Anlaufpunkt in Paderborn für mehr als 300.000 Einwohner benötigt
Die Suche nach dem Impfzentrum

Paderborn -

Die Erwartungshaltung der Bürger im Bezug auf den Corona-Impfstoff ist hoch. „Das muss gebremst werden“, meint Dr. Ulrich Polenz als hiesiger Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung. Es fehlten die Rahmenbedingungen für den möglichen Standort eines Impfzentrums und eine genaue Definition, wer Risikopatient sei und wie die Betroffenen kategorisiert werden.

Donnerstag, 26.11.2020, 07:38 Uhr
Der Paderborner Schützenhof mit seinen Messehallen aus der Luft: Wäre er geeignet als Corona-Impfzentrum?
Der Paderborner Schützenhof mit seinen Messehallen aus der Luft: Wäre er geeignet als Corona-Impfzentrum? Foto: Oliver Schwabe

Der Kreis Lippe hat am Mittwoch den Standort für das erste Impfzentrum in OWL bekannt gegeben. Es wird in der Phoenix-Contact-Arena (ehemals Lipperlandhalle) in Lemgo eingerichtet. Der Kreis Paderborn äußert sich bislang nicht. „Die Gespräche laufen“, sagte Dr. Polenz. Geeignete Immobilien gibt es allerdings nicht viele. Die Alanbrooke-Kaserne scheidet mutmaßlich wegen der dort laufenden Bauarbeiten aus. Das dort im vergangenen Frühjahr als Testzentrum genutzte Gebäude ist abgerissen. Andere Kasernen sind noch nicht im Zugriff der Stadt Paderborn und werden von der BIMA verwaltet. Und ob die Kapazitäten im Ahornsportpark ausreichen, um zum Beispiel 1000 Menschen pro Tag zu impfen, ist fraglich.

In diversen Großstädten sind die Messezentren als mögliche Standorte im Gespräch. In Paderborn käme da nur der Schützenhof in Frage. Fahrtechnisch gut zu erreichen, reichlich Parkplätze im Umfeld und mehrere unterschiedlich große Hallen: Das alles wäre sicher ideal für eine solche Nutzung. Zudem ist die Stadthallenbetriebsgesellschaft als Pächterin eine Tochter der Stadt, was die Abwicklung vereinfachen würde.

Geschäftsführerin Dr. Maria Rodehuth erklärte auf WV-Anfrage, dass sie bislang nicht in entsprechende Überlegungen involviert sei. „Wenn hier ein Impfzentrum entstehen soll, dann muss das politisch gewollt sein“, meinte sie. Denn: Schon jetzt seien für die kommenden Monate etliche Anfragen im Kalender notiert. Dabei handele es sich um Buchungen von Firmen für Pflichtveranstaltungen, die nur in Hallen dieser Größe durchgeführt werden könnten. Auch Prüfungen hätten dort zuletzt stattgefunden. Werde der Schützenhof Impfzentrum, müssten allen Anfragen abgesagt werden. „Daher hoffe ich, dass es nicht dazu kommt und dass es für das Impfzentrum eine andere Lösung gibt“, sagte Dr. Rodehuth.

Thomas Spieker, Oberst des Paderborner Bürger-Schützenvereins, betonte gegenüber dem WB, dass der PBSV eine mögliche Nutzung des Schützenhofs als Impfzentrum auf jeden Fall unterstützen werde. „Dass es einen Impfstoff gibt, ist eine große Erleichterung. Wir wollen ja, dass das öffentliche Leben wieder losgeht“, betonte er. Der PBSV, der den Schützenhof an die Stadthallenbetriebsgesellschaft verpachtet hat, werde aber in jedem Fall im kommenden Jahr wieder ein Schützenfest feiern – wenn auch im kleineren Rahmen, stellte Spieker in Aussicht. Das sei auch dann realisierbar, wenn die Messehallen als Impfzentrum benötigt würden, meinte er.

Die Standortfrage sei das eine, meint Dr. Ulrich Polenz. Das andere seien logistische Probleme. Insbesondere dann, wenn der Impfstoff vom Hersteller Biontech zum Einsatz kommen werde, sei im Abstand von drei Wochen eine zweite Impfe notwendig. Das werde eine logistische Großaufgabe werden – zumal zu dem Termin auch genügend Impfdosen zur Verfügung stehen müssten.

Dr. Polenz geht davon aus, dass zunächst das Klinikpersonal und dortige Risikopatienten vor Ort geimpft würden. Bei Altenheimen seien Hausbesuche sinnvoll. Da sei es aber notwendig, dass dann auch die jeweiligen Betreuer der Bewohner vor Ort seien, die der Impfung zustimmen müssten. Sei dies nicht der Fall, könnte die Impfdosis für den Patienten verfallen.

Außerdem hält es Polenz für erforderlich, dass die medizinische Aufklärung über die Impfung schon im Vorfeld erfolgt und nicht erst kurz vorher. Dazu seien Infomaterialien und Aufklärungs-Spots der Bundesregierung geeignet. Ansonsten entstünden in den Impfzentren Warteschlangen, die in der Pandemie unbedingt vermieden werden müssten.

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