Paderborner Bank und ihre Partner im Netzwerk SfC setzen mit ihrer Finanzmacht Unternehmen unter Druck
„Kein Geld für Rüstungskonzerne“

Paderborn -

Dass der Rüstungskonzern Rheinmetall Waffen an Saudi-Arabien liefert, die die Scheichs im Jemen-Krieg einsetzen, findet die Paderborner Bank für Kirche und Caritas verwerflich. Deshalb setzte sie Rheinmetall unter Druck.

Freitag, 04.12.2020, 04:10 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 06:35 Uhr
Waffenexporte, die dazu dienen, im Jemen unschuldige Menschen zu töten, sind unethisch, betont das Netzwerk SfC und geht gegen Firmen wie den Panzerbauer Rheinmetall vor.
Waffenexporte, die dazu dienen, im Jemen unschuldige Menschen zu töten, sind unethisch, betont das Netzwerk SfC und geht gegen Firmen wie den Panzerbauer Rheinmetall vor. Foto: dpa

Als Instrumente nutzte die Bank Nichtregierungsorganisationen und die milliardenschwere Vereinigung Shareholders for Change (SfC), der sie selbst angehört. Die Gruppe von elf europäischen Banken und Stiftungen übe als Investoren und potenzielle Geldgeber Einfluss auf Unternehmen, Staaten und Fonds aus, um den Klimaschutz, die Menschenrechte, faire Beschäftigungsverhältnisse und die Steuergerechtigkeit und -transparenz zu fördern, sagte Tommy Piemonte am Donnerstag in Paderborn. Er leitet die Abteilung Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas mit einer Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro.

Neben dieser Bank für katholische Einrichtungen und Stiftungen gehören der SfC zum Beispiel die Alternative Bank Schweiz (ABS), die Ethos-Stiftung in Genf, die Fair-Finance Vorsorgekasse in Österreich und die Friends Provident Stiftung im Vereinigten Königreich an. Die SfC-Mitglieder verwalten ein Vermögen von 28 Milliarden Euro. Die Repräsentanten Tommy Piemonte, Mauro Meggiolaro (Fondazione Finanza Etica) und Matthias Narr (Ethos-Stiftung) erläuterten am Donnerstag das Vorgehen der Gruppe. So werden Aktien von Unternehmen erworben, die im Bereich Nachhaltigkeit schon relativ weit sind – verbunden mit der Aufforderung, noch mehr zu tun oder der Drohung, das Geld wieder abzuziehen. Zudem werden Aktien von in Ungnade gefallenen Firmen erworben, wie es auch die Gruppe der „Kritischen Aktionäre“ tut, um dann das Rederecht bei Aktionärsversammlungen zu erhalten und entsprechend Kritik äußern zu können. Neben Resolutionen, der entsprechenden Ausübung von Stimmrechten und Telefonkonferenzen ist hartnäckiger Brief- und E-Mail-Verkehr ein weiteres Werkzeug.

Im Fall Rheinmetall wandte sich die SfC an den norwegischen Pensionsfonds als wichtigen Rheinmetallaktionär und forderte ihn auf, das Investment bei der Rüstungsschmiede zu überdenken und die eigenen Richtlinien für nachhaltige Geschäfte zu überarbeiten. Das Ganze zog Kreise bis in die norwegische Regierung; eine Ethikkommission lehnte die finanzielle Beteiligung an Waffenexporten für den Jemen-Krieg ab. „Rheinmetall war nicht sehr begeistert davon“, sagte Tommy Piemonte. Im Jahr 2020 hat das SfC-Netzwerk bei 100 Unternehmen und einem Land auf Änderungen gedrängt. Namibia wurde aufgefordert, der UN-Biowaffenkonvention beizutreten, bei der Hauptversammlung von H&M eine Resolution von Aktionären für existenzsichernde Löhne eingebracht. Die SfC braucht einen langen Atem: 70 Prozent der Initiativen in diesem Jahr seien von den Unternehmen noch nicht zur vollen Zufriedenheit umgesetzt worden, hieß es in Paderborn. Die Corona-Pandemie sei keine Ausrede für Nichtstun, sagte Mauro Meggiolaro. Und schon gar nicht dürfe staatliches Hilfsgeld für Bonuszahlungen an Manager genutzt werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7707361?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Brinkhaus: „Die Union hat in OWL auch eine konservative Handschrift“
Ralph Brinkhaus (CDU) aus OWL ist Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag.
Nachrichten-Ticker