Prozess am Landgericht: Ehepaar aus Essen soll Kopf einer Betrügerbande sein
Krumme Touren mit fremden Wohnmobilen

Paderborn -

Das ist dreist: Betrüger mieten von Privatleuten Wohnmobile, fälschen die Papiere und verkaufen die Fahrzeuge an nichts ahnende Dritte. So soll eine mutmaßliche Bande agiert haben, die seit Dezember in Paderborn vor Gericht steht. Wie dreist die Betrüger vorgingen, berichteten jetzt Kaufinteressenten im Zeugenstand.

Donnerstag, 07.01.2021, 07:14 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 07:26 Uhr
Das Gericht in Paderborn.
Das Gericht in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die 8. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn verhandelt wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges und Urkundenfälschung gegen vier Angeklagte: Das Essener Ehepaar (27 und 31 Jahre alt), ein 36-Jähriger aus Montenegro und ein ebenfalls 36-Jähriger aus Gelsenkirchen sollen im vergangenen Frühjahr Wohnmobile von Privatbesitzern angemietet und dann auf eigene Rechnung weiterverkauft haben. Darunter war auch ein Fahrzeug aus Lichtenau, das für 35.000 Euro an ein Ehepaar verkauft wurde. Der Camper wurde kurz darauf in Passau von der Polizei sichergestellt.

Am dritten Tag des Prozesses traten zum ersten Mal Kaufinteressenten in den Zeugenstand. Ende April war ein 61-Jähriger aus der Nähe von Bayreuth nach Gelsenkirchen gefahren, um sich ein Wohnmobil der Marke FCA anzuschauen, das er über eine Internetplattform gefunden hatte. Er wurde mit dem angeblichen Verkäufer aus Bielefeld handelseinig, auch wenn dieser kurzfristig gar nicht vor Ort war, sondern dessen „Sohn“, der ihm das Fahrzeug präsentierte – und für 41.000 Euro in bar übergab, samt allen Papieren. „Der machte einen kompetenten, seriösen Eindruck“, sagte der Käufer.

Beim Versuch Anfang Mai, das Wohnmobil umzumelden, kam das dicke Ende für den 61-Jährigen: Die Zulassungsstelle in Bayreuth teilte mit, „es liegt da etwas vor.“ Bei der Behörde war aufgefallen, dass die Fahrzeugpapiere auf echten Vordrucken gefälscht waren.

Mit derselben Masche lockte die Bande einen 63-Jährigen aus Weyhe bei Bremen ins Ruhrgebiet. Er fand aber die Rahmenbedingungen für den Kauf des Wohnmobils „etwas komisch“: Das Treffen in einem Wohngebiet in Herne, die kurzfristige Absage des „Verkäufers“ aus Rüsselsheim und dann tauchte ein angeblicher Schwager mit allen Vollmachten auf. Dem Mann fiel zudem eine Ungereimtheit im Fahrzeugbrief auf.

Insgesamt geht es in dem Prozess um vier Wohnmobile mit einem Schaden von 118.000 Euro. Bisher hat nur einer der vier Angeklagten sein Schweigen gebrochen. Der Montenegriner belastet das Essener Ehepaar: Der Mann und die Frau seien die Drahtzieher, hätten die Anmietungen arrangiert, ebenso die Verkäufe. Er selbst habe sich zur Finanzierung seiner Drogen auf die Geschäfte eingelassen, sei aber nur der Laufbursche gewesen.

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