Carsten Linnemann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vizepräsident des SC Paderborn, gehört zur Taskforce „Zukunft Profifußball“
„Wir dürfen Fußball nicht überfrachten“

Paderborn -

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Unionsfraktions-Vize Carsten Linnemann aus Paderborn ist eines von 37 Mitgliedern der Taskforce „Zukunft Profifußball“. Der 43-jährige Politiker ist auch Vizepräsident des Zweitligisten SC Paderborn. Beim Interview am Mittwoch hat er sich immer noch über das Pokal-Aus in Dortmund und vor allem über den mutmaßlichen Abseitstreffer zum 3:2 geärgert.

Donnerstag, 04.02.2021, 08:05 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 14:02 Uhr
Carsten Linnemann sagt: „Eine Lehre aus Corona muss sein, dass die Vereine nachhaltiger wirtschaften.“
Carsten Linnemann sagt: „Eine Lehre aus Corona muss sein, dass die Vereine nachhaltiger wirtschaften.“ Foto: Besim Mazhiqi/Archiv

Andreas Schnadwinkel hat mit Carsten Linnemann gesprochen.

Herr Linnemann, Sie sind Mitglied der Taskforce „Zukunft Profifußball“ und auch Vizepräsident des SC Paderborn. Herrscht beim SCP demnächst Pflicht zu geschlechtergerechter Sprache, und dürfen die Spieler nur noch E-Autos fahren?

Carsten Linnemann: Nein, natürlich nicht. Ich habe mich in der Taskforce vor allem dafür eingesetzt, dass man die integrative Kraft des Fußballs an sich in den Fokus rückt und ihn nicht mit teuren gesellschaftspolitischen Kampagnen überfrachtet. Mit dem Geld sollte man Bolzplätze bauen, bedürftigen Kindern Fußballschuhe geben und für die Pausen Softbälle an Schulen verteilen. Das dient der Integration und schafft soziale Kompetenz. Dieser Aspekt ist mir sehr wichtig, und dafür habe ich mich in der Taskforce eingesetzt.

Lionel Messis Gehalt bringt den FC Barcelona in der Corona-Krise, auch wegen ausbleibender Zuschauereinnahmen, finanziell in Schieflage. Könnte solch ein Beispiel die Debatte über Gehaltsobergrenzen für Fußballprofis ernsthaft anstoßen?

Linnemann: Eine Lehre aus Corona muss sein, dass die Vereine nachhaltiger wirtschaften. Man sieht ja, wie schnell ein Verein wie Eintracht Frankfurt eine Bürgschaft braucht oder ein Verein wie Werder Bremen Schulden machen muss. Finanziell sollten Profiklubs stabiler und nachhaltiger aufgestellt werden und über eine ausreichende Eigenkapitaldecke verfügen. Das Problem bei Gehaltsobergrenzen ist, dass diese national gar nicht umzusetzen sind. Das funktioniert nur auf Uefa-Ebene, besser noch auf Fifa-Ebene. Es ist nicht realistisch, solch eine Gehaltsgrenze kurzfristig umsetzen zu wollen. Außerdem: Selbst dort, wo man sie eingeführt hat, ist das System mit Werbeeinnahmen unterlaufen worden. Das sieht man etwa beim Basketball in den USA. Im Profisport darf man nicht blauäugig sein.

Die Fans wollen die Zeit vor Corona zurück: vor dem Spiel ein Bier, im Stadion eine Wurst und nach dem Spiel ein Bier – und im Idealfall einen Sieg ihrer Mannschaft. Hat das bei der Taskforce eine Rolle gespielt?

Linnemann: Für die Fans ist der Stadionbesuch so wichtig, weil sie sich mit ihrem Verein identifizieren. Und dazu gehört auch die 50-plus-1-Regel, die ein großes Thema in der Taskforce war. Diese Regel sollte aus Sicht der Taskforce bestehen bleiben. Es soll also kein Investor kommen und die Mehrheit übernehmen dürfen, sondern der Verein soll die Mehrheit halten. Gleichwohl müssen wir darüber reden, wie wir mehr Kapital in die Vereine holen können. Außerdem bin ich dafür, marktwirtschaftlich verantwortungsvolles Handeln zu belohnen. Wer als Verein gut mit Geld umgeht, könnte bei der Verteilung der TV-Gelder belohnt werden. Zum Beispiel über eine Quote aus dem Verhältnis zwischen den erzielten Punkten und dem eingesetzten Kapital.

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