Studie: Jeder zehnter Ausbildungsbetrieb will 2021 weniger Azubis einstellen
Lehrstellen-Krise befürchtet

Bielefeld/Nürnberg (dpa/WB/ef) -

Jeder zehnte Ausbildungsbetrieb plant einer Studie zufolge, sein Angebot an Lehrstellen im Ausbildungsjahr 2021/2022 einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten.

Dienstag, 23.02.2021, 03:03 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 14:10 Uhr
Ein Auszubildender steht im sogenannten Dornenlager für Kühlschläuche im Automobilbereich in einer Fertigungshalle von Continental. 2020 war für viele Jugendliche ein schwieriges Jahr, um eine passende Lehrstelle zu finden.
Ein Auszubildender steht im sogenannten Dornenlager für Kühlschläuche im Automobilbereich in einer Fertigungshalle von Continental. 2020 war für viele Jugendliche ein schwieriges Jahr, um eine passende Lehrstelle zu finden. Foto: Christian Charisius/dpa

Bei Betrieben, die stark von der Pandemie betroffen sind, ist der Anteil mit einem Viertel noch höher, wie aus der am Montag veröffentlichten Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervorgeht. Im Gastgewerbe sind es 28 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe.

Unterschiede zeigen sich in der Studie nach Betriebsgröße. So geben 14 Prozent der ausbildungsberechtigten Kleinstbetriebe an, im kommenden Ausbildungsjahr weniger Auszubildende einzustellen. Bei Großbetrieben sind es dagegen sechs Prozent der Betriebe, die weniger Lehrstellen besetzen wollen.

Als Grund dafür nennt mit 93 Prozent ein Großteil der Betriebe, die ihr Ausbildungsplatzangebot zurückfahren oder ganz einstellen wollen, die unsicheren Geschäftserwartungen durch die Covid-19-Pandemie. Finanzielle Gründe geben 71 Prozent der Betriebe an. 34 Prozent nennen außerdem mangelnde räumliche und personelle Kapazitäten als Ursache für das eingeschränkte Ausbildungsangebot. Weitere 33 Prozent geben an, dass die Rekrutierung von Auszubildenden derzeit schwierig sei, unter anderem weil krisenbedingt keine Ausbildungsmessen oder Praktika stattfinden könnten.

Der IAB-Direktor und Studien-Co-Autor Bernd Fitzenberger befürchtet, dass es für Betriebe zum „Bumerang“ werden kann, weniger Auszubildende einzustellen. „Mittel- bis langfristig können die Rückgänge am Ausbildungsmarkt dazu führen, dass den Betrieben die Fachkräfte fehlen“, sagte er.

Fitzenberger verwies auf das Programm „Ausbildungsplätze sichern“, das von der Krise betroffene Betriebe mit Ausbildungsprämien unterstütze.

BIHK-Hauptgeschaeftsfuehrerin Petra Pigerl-Radtke

BIHK-Hauptgeschaeftsfuehrerin Petra Pigerl-Radtke Foto: Bernhard Pierel

Gleichwohl ist auch in Ostwestfalen die Zahl der 2020 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurückgegangen – sowohl in der Industrie als auch im OWL-Handwerk. Die IHK Ostwestfalen meldet einen Rückgang durch Corona bedingt auf 6740 von 7717 im Jahr 2019. „In unserem Kammerbezirk gibt es damit eine Abnahme von 12,7 Prozent im Vorjahresvergleich“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. In NRW betrug das Minus sogar 13,6 Prozent (Durchschnitt aller 16 Kammern). „Viele Ausbildungsbetriebe befanden sich im Vorjahr und befinden sich wegen der Corona-Pandemie immer noch in einer überaus schwierigen Lage. Dennoch wird dort alles getan, um die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte sicherzustellen.“ Bei den Personalplanungen in den Unternehmen seien pandemiebedingt Vertragsabschlüsse zunächst auf Eis gelegt worden. „Auch Einstellungsgespräche, die nicht stattfinden konnten, haben mit dazu geführt, dass Einstellungen verschoben wurden.“

Geringer war der Rückgang im OWL-Handwerk mit seinen derzeit 10.704 Auszubildenden. Die Zahl der Neuabschlüsse lag 2020 bei 3623 – ein Minus von 6,3 Prozent im Vergleich zu 2019. Aktuell sind in der Lehrstellenbörse auf der Internetseite der Handwerkskammer noch 240 freie Azubi-Plätze gelistet.

„Wir sehen, dass die Ar­beitgeber uns deutlich weniger Ausbildungsplätze melden. Zugleich gibt es viel weniger Bewerber“, erläuterte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, die Lage.

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