Spielwarengigant sieht Markenrechte verletzt und verschickt 200-Seiten-Anwaltsschreiben
Lego mahnt Paderborner Händler ab

Paderborn (WB) -

Mit Lego verbindet man in erster Linie lustige Figuren, tolle Landschaften und Modelle zum Nachbauen und viel Spaß für Kinder und Erwachsene. Doch zurzeit sorgt der Weltmarktführer in Paderborn für Ärger. Über eine Frankfurter Kanzlei schickt der Milliardenkonzern böse Anwaltspost an den Paderborner Händler Thorsten Klahold.

Mittwoch, 24.02.2021, 01:41 Uhr aktualisiert: 24.02.2021, 07:08 Uhr
Im Geschäft „Steingemachtes“ von Thorsten Klahold in Paderborn gibt es nicht die Original-Plastiksteinchen des Marktführers, sondern die Produkte von alternativen Herstellern.
Im Geschäft „Steingemachtes“ von Thorsten Klahold in Paderborn gibt es nicht die Original-Plastiksteinchen des Marktführers, sondern die Produkte von alternativen Herstellern. Foto: Jörn Hannemann

Erst ein Anruf von einem Anwalt, dann eine E-Mail mit der Ankündigung der Abmahnung und dann ein 200 Seiten starkes und 700 Gramm schweres Anwaltsschreiben mit einer zehntägigen Frist zum Antworten. „Das alles kurz vor Weihnachten. Das hat schon System“, sagt Thorsten Klahold, der an der Detmolder Straße in Paderborn das Fachgeschäft „Steingemachtes“ sowie den Online-Shop www.steingemachtes.de betreibt.

Thorsten Klahold zeigt zum Vergleich zwei Polizeiwachen: links von Lego, rechts von der Marke Qman.

Thorsten Klahold zeigt zum Vergleich zwei Polizeiwachen: links von Lego, rechts von der Marke Qman. Foto: Jörn Hannemann

Dort verkauft er nicht die originalen Plastiksteinchen des bekannten Marktführers, sondern die Produkte anderer Hersteller. Durch das Auslaufen von Patenten sei das völlig legal – und obendrein auch noch bis zu 50 Prozent günstiger, betont er.

Seit seiner Kindheit ist er bereits begeisterter Lego-Fan. Noch gut kann er sich an den Moment erinnern, als er als sechsjähriger Junge das erste Modell, die Shell-Eisenbahnstation Nr. 149, zusammenbaute. Irgendwann stieß er im Internet auf Versionen von Mitbewerbern, die andere Spielewelten und Modelle boten. „Die Qualität von Original-Lego ist super! Alternative Hersteller holen aber stark auf. Bei manchen ist sogar die Klemmkraft besser“, sagt Klahold. Spätestens seit einem Gerichtsurteil im Jahr 2008 durch den Europäischen Gerichtshof seien aber auch anderen Herstellern Tür und Tor geöffnet.

In seinem Shop, der der erste Laden dieser Art in Deutschland war, bietet er mehr als 20 verschiedene Alternativ-Marken an wie Qman, CaDA und Cobi, die unter anderem aus China, Polen und Tschechien kommen. Zum Teil importiert er die „Klemmbaustein-Alternativen“, wie er sie explizit nennt, direkt aus China. Persönlich habe er bereits mehr als 70 Marken getestet und zusammengebaut. Über seine Erfahrungen berichtet der zweifache Familienvater auf seinem YouTube-Kanal „Johnny’s World“. Mit beachtlichem Erfolg: Mittlerweile verfolgen 36.000 Abonnenten seinen Kanal, mehr als 500 Videos hat er passend dazu produziert. „Jede Woche kommen im Schnitt drei neue dazu.“

Angesprochen auf die Abmahnung teilte Lego dieser Zeitung mit, dass es nur dann rechtliche Schritte ergreife, wenn es notwendig sei: „Das Wichtigste für uns ist, sicherzustellen, dass die Verbraucher nicht getäuscht werden.“ Wenn man einen Artikel von einem anderen Hersteller kaufe und dieses aufgrund der beabsichtigen Produktähnlichkeit für ein echtes Lego-Produkt halte, würde man unter Umständen ein Produkt von minderer Qualität oder sogar eine sicherheitsgefährdende Imitation erhalten. „Es ist wichtig, dass die Verbraucher in der Lage sind, fundierte Entscheidungen zu treffen.“

Aus dem anwaltlichen Schreiben an Klahold wird klar, dass der Spielwarengigant aus Dänemark seine Marken- und Urheberrechte verletzt sieht. Ein Vorwurf lautet demnach: Die in den Sets enthaltenen Männchen seien den Original-Lego-Figuren zu ähnlich, so dass Kunden den Marken-Unterschied nicht bemerken könnten.

Auch das Verpackungsdesign wird kritisiert – konkret die Farbe und Position des Logos sowie die fotografische Darstellung einer Spielsituation. „Was soll man denn sonst zeigen auf den Kartons? Bei Suppendosen wird das Essen doch auch immer auf einem Teller präsentiert“, betont Klahold. Nach Rücksprache mit seinen Anwälten habe er die strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. „Wir haben innerhalb der Frist geantwortet und alle Vorwürfe widerlegt. Seitdem haben wir nichts mehr gehört von Lego, aber das heißt ja nicht, dass es sich damit erledigt hat“, so Klahold.

Ob er Lego für einen Spielverderber halte? Klahold: „Um es deutlich zu sagen: Die Lego-Produkte finde ich nach wie vor toll. Was mich aber richtig ärgert, ist die Firmenpolitik, die offenbar nur darauf ausgelegt ist, die Monopolstellung zu halten.“

Das Original Lego-Männchen ist am typischen gelben Kopf zu erkennen (links). Rechts: eine Figur der Marke Qman mit deutlich größerem Kopf und anderer Gesichtsfarbe.

Das Original Lego-Männchen ist am typischen gelben Kopf zu erkennen (links). Rechts: eine Figur der Marke Qman mit deutlich größerem Kopf und anderer Gesichtsfarbe. Foto: Jörn Hannemann

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