Ulrich Köpcke aus Paderborn-Sande sieht in der verspäteten Zustellung der Maskengutscheine keine „Panne“ – Zusteller wehren sich gegen Vorwurf
Kritik an der „Schneckenpost“

Paderborn -

Ulrich Köpcke aus Sande ist einer von tausenden AOK-Versicherten im Postleitzahlenbereich 32 und 33, die in der vergangenen Woche ihren Gutschein für die subventionierten FFP2-Masken von ihrer Krankenkasse erst in letzter Minute erhalten hatten. Erst am Donnerstag, 25. Februar, war der Brief mit dem Coupon, der nur bis zum 27. Februar gültig war, in seinem Briefkasten gelandet.

Samstag, 06.03.2021, 02:48 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 02:50 Uhr
Mit der Zustellung durch alternative Postdienstleister hat Ulrich Köpcke keine guten Erfahrungen gemacht. Hier zeigt er den AOK-Umschlag, der am 8. Februar abgestempelt wurde.
Mit der Zustellung durch alternative Postdienstleister hat Ulrich Köpcke keine guten Erfahrungen gemacht. Hier zeigt er den AOK-Umschlag, der am 8. Februar abgestempelt wurde. Foto: Oliver Schwabe

Ulrich Köpcke ärgert sich nun darüber, dass in der Berichterstattung von einer „Panne“ die Rede ist. „Eine Panne ist etwas, das unvorhersehbar auftritt. Aber das, was mit der Zustellung der Briefe passiert ist, war vorhersehbar“, findet er und führt weiter aus: „Der Brief der AOK war nachweislich mehr als zwei Wochen lang unterwegs. Der Umschlag trägt einen Stempel von Postcon mit Datum vom 8. Februar und dann noch einen Stempel der Citipost vom 24. Februar“, so Köpcke, der sich schön öfter mal darüber geärgert hat, dass alternativ verschickte Briefe mitunter 14 Tage unterwegs waren, bis sie in seinem Postkasten gelandet sind.

Der Postdienstleister Postcon, der die AOK-Briefe in seinem Zentrum in Essen am 8. Februar entgegen genommen und abgestempelt hatte, sieht auf seiner Seite keinerlei Versäumnisse: „Wir haben die Briefe direkt am folgenden Tag an andere Postdienstleister weitergegeben, da wir in den entsprechenden Postleitzahlengebieten nicht selbst zustellen“, erklärt Postcon-Sprecher Rico Nelte-Freudenberger. In der Regel sei Post, die mit den inzwischen etwa 100 am Markt existierenden, alternativen Postdienstleistern verschickt werde, einen Tag länger unterwegs als Briefe, die mit der Deutschen Post verschickt würden. Läge ein Wochenende dazwischen, könne auch noch ein weiterer Tag hinzukommen, räumt er ein. „Dafür ist das Porto aber auch günstiger“, so Rico Nelte-Freuden­berger.

Doch das, so der Postcon-Sprecher, sei natürlich keine Erklärung dafür, warum die Citipost als das wiederum von Postcon mit der finalen Zustellung beauftragte Unternehmen im Endeffekt 16 Tage lang gebraucht hat, um die Briefe bis zu den Empfängern zu bringen. „Da muss schon irgendwo ein größerer Fehler passiert sein“, mutmaßt er.

Das allerdings sieht die ­Citipost OWL mit Sitz in Bielefeld ganz anders. Michael Bublitz, Assistent der Geschäftsführung, teilt in einem Statement mit: „Nein, wir sehen keine Versäumnisse in unserem Unternehmen. Vielmehr haben wir alles dafür gegeben, den Schaden für die Berechtigten so gering wie möglich zu halten.“ Zunächst, so Bublitz, hätten „einige Tage“ zwischen dem Versand von Postcon an die Citipost gelegen. Im Anschluss habe es „erheblichen Klärungsbedarf“ für eine reibungslose Zustellung ergeben, der erneut zwei weitere Tage in Anspruch genommen habe. Und zuletzt sei mit dem Schneechaos und anschließendem Eisregen eine weitere Woche ins Land gegangen, in der die Mitarbeiter keinerlei Post haben zustellen können. „Wir hatten zu jedem Zeitpunkt die Übersicht über den Stand der Dinge, haben versucht, die Zustellverzögerungen so gering wie möglich zu halten. Wir haben uns auch mit der AOK selbst in Verbindung gesetzt, um eine Verlängerung der Akzeptanz der Gutscheine zu erreichen“, erklärt Michael Bublitz.

Das Problem sieht er noch an einer anderen Stelle: „Ein alternativer Postdienstleister wird immer mit einem ganz anderen Maßstab gemessen als die Deutsche Post AG, auch bei gleicher Zustellqualität.“ Die Citipost OWL, so Bublitz, unterliege der Überwachung durch die Bundesnetzagentur und werde mehrmals jährlich überprüft. Michael Bublitz: „Es gibt halt einen Unterschied zwischen emotionaler Empfindung und nackten statistischen Daten.“

Würde die AOK in einer vergleichbaren Situation terminrelevante Aussendungen noch einmal an den ausgewählten Postdienstleister übergeben? „Wir ziehen natürlich Rückschlüsse aus dieser Aktion und müssten die Lage neu bewerten“, sagt Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest. Für ihn sei es nach diesem Wettlauf gegen die Zeit am Ende das Wichtigste gewesen, dass die Versicherten ihre Gutscheine noch rechtzeitig, wenn auch in letzter Minute, erhalten hätten.

Für Ulrich Köpcke aus Sande ist die Lage glasklar: „Wenn man Briefe mit der Schneckenpost aufgibt, kann man nicht von einer Panne reden, wenn sie dann im Schneckentempo zu den Empfängern gelangen. Man sollte besser gleich den Postwagen mit dem Horn beauftragen.“

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