Im Rechtsstreit gegen Ex-Manager Martin Przondziono werden weitere Vorwürfe des SC Paderborn 07 öffentlich
Profis ohne Potenzial verpflichtet

Paderborn -

Im Rechtsstreit zwischen Ex-Manager Martin Przondziono und dem SC Paderborn 07 kommen ein Jahr nach der Trennung immer neue Details ans Licht.

Donnerstag, 22.04.2021, 08:02 Uhr aktualisiert: 22.04.2021, 08:26 Uhr
Paderborns ehemaliger Geschäftsführer Martin Przondziono (rechts) mit Rechtsanwalt Dr. André Soldner.
Paderborns ehemaliger Geschäftsführer Martin Przondziono (rechts) mit Rechtsanwalt Dr. André Soldner. Foto: Matthias Reichstein

Galt bislang die Äußerung des Geschäftsführers Sport bei seiner Verabschiedung vor der Mannschaft („Jetzt wisst ihr ja, warum ihr auf Geld verzichten sollt, nämlich zur Bezahlung des neuen Sportgeschäftsführers“) als zentraler Grund für die fristlose Kündigung, rücken nun noch andere Dinge in den Vordergrund.

So habe es Przondziono nach Ansicht des Fußball-Zweitligisten versäumt, Verträge mit wichtigen Lizenzspielern zu verlängern. Namen werden nicht genannt, aber es dürfte sich hier in erster Linie um Sebastian Vasiliadis, Christopher Antwi-Adjei und Sebastian Schonlau handeln, die in wenigen Wochen ablösefrei gehen können. Außerdem habe er „überteuerte Spieler ohne ausreichendes Potenzial“ geholt. Auch hier werden keine Namen öffentlich gemacht, es soll sich aber auch um Samuel Fridjonsson (400.000 Euro Ablöse), Abdelhamid Sabiri und Antony Evans (hohe Gehälter) handeln.

Bitter stieß dem SCP-Wirtschaftsrat auch ein Interview von Przondziono mit dem TV-Sender Sport 1 auf. Im April 2020 sagte der 51-Jährige dem Sportkanal: „Es ist nicht so, dass wir nächsten Monat insolvent wären. Wir können das noch ein, zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus.“ Damit erweckte der Sportchef nach Meinung der SCP-Bosse den Eindruck, dem Klub könne in absehbarer Zeit die Zahlungsunfähigkeit drohen.

Diese Gründe spielten bei der Klageabweisung keine Rolle. Richterin Birgit Hammerschmidt vom Landgericht Paderborn stützte sich in der 15-seitigen Urteilsbegründung im Wesentlichen auf Przondzionos Verabschiedung. Die eingangs zitierte Äußerung des geschassten Geschäftsführers wurde als „geschäftsschädigend“ gewertet. Wörtlich heißt es: „Die Kammer ist zu der Überzeugung gelangt, dass der Kläger (...) im Rahmen seiner Verabschiedung vor der Mannschaft (...) eine unwahre Tatsache verbreitet hat, nämlich dass ein Zusammenhang bestehe zwischen dem (...) geforderten Gehaltsverzicht und den Gehaltszahlungen für den neuen Geschäftsführer Sport.“

In dem bereits seit Ende Juli 2020 laufenden Verfahren geht es um viel Geld. Przondzionos Grundgehalt (30.000 Euro pro Monat in der 1. Liga, 18.000 Euro pro Monat in de 2. Liga) ist bekannt. Hätte der SCP im Juni den Erstliga-Klassenerhalt geschafft, wären weitere 50.000 Euro Nichtabstiegsprämie fällig gewesen. Insgesamt setzte die Kammer den Streitwert auf 431.600 Euro fest.

Wann es weitergeht, steht noch nicht fest. Przondzionos Rechtsanwalt Dr. André Soldner hat aber bereits Berufung vor dem Oberlandesgericht in Hamm eingelegt.

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