Mi., 31.01.2018

Thüler fertigt aus Friederikes »Opfern« Möbel mit Erinnerungswert Neues Leben nach dem Sturm

Tischlermeister Matthias Gerdesmeier ist auf der Suche nach umgestürzten Bäumen. Er bedauert zwar, dass diese dem Sturm zum Opfer gefallen sind, glaubt aber, dass sich daraus mehr machen lässt als Kleinholz.

Tischlermeister Matthias Gerdesmeier ist auf der Suche nach umgestürzten Bäumen. Er bedauert zwar, dass diese dem Sturm zum Opfer gefallen sind, glaubt aber, dass sich daraus mehr machen lässt als Kleinholz.

Salzkotten (WB). »So etwas können Sie nicht nachbauen oder künstlich herstellen«, strahlt Matthias Gerdesmeier und streicht mit der Hand andächtig über die Platte eines riesigen Konferenztisches in seiner Werkstatt. Was er meint, sind Ausstrahlung, Maserung und Anmutung des Holzes. In diesen Tagen sucht der Tischlermeister aus Thüle nach dicken Bäumen, die dem Sturm Friederike zum Opfer gefallen sind, um ihnen ein neues Leben zu geben.

Dazu nutzt Gerdesmeier nicht nur persönliche Kontakte, sondern baut auch auf soziale Netzwerke. Sein Aufruf unmittelbar nach Abklingen des Sturms wurde innerhalb kürzester Zeit 120mal »geteilt«. Nahezu pietätvoll ruft der 49-Jährige dazu auf, ihm umgestürzte Bäume zu melden. Er schreibt »... so leid es mir auch für die schönen Bäume tut, die jetzt dem Sturm nicht mehr gewachsen waren. (...) Bevor sie ganz klein geschnitten werden, kann sicherlich noch mehr daraus gemacht werden.« Gerdesmeier berichtet von vielen Antworten, »sehr vielen«. Sein Telefon steht zeitweise kaum still. Auch Fremde melden sich. Allen Hinweisen geht er in diesen Tagen nach. Häufig ist es Detektivarbeit. Beschreibungen von Orten, an denen entsprechende Bäume gesehen wurden, sind manchmal vage. Nicht alle Hölzer erweisen sich für Tischlermeister Gerdesmeier als brauchbar.

Besonders geeignet für die Zweitverwertung als Ess-, Konferenz- und Wohnzimmertisch oder Küchenarbeitsplatte seien Eiche, Walnuss, Haselnuss, Ulmer/Rüster, Buche oder Platane – gerne die »knorrigen, urigen«. Nicht selten hängen Erinnerungen an solchen Bäumen, die Vorfahren pflanzten und die »Friederike« jetzt zu Boden zwang; an jenen Bäumen, die jahrzehntelang im heimischen Garten Schatten spendeten oder Früchte trugen.

Matthias Gerdesmeier gibt der Tischplatte mit ein wenig Öl den letzten Schliff. Tische wie dieser entstehen aus Bäumen, die Sturm Friederike zum Opfer gefallen sind.

Gerdesmeier weiß um ihre Faszination: »Meine größte Motivation besteht darin, dass die aus diesen Bäumen entstehenden Platten ein ganz besonderes Bild haben. Eine eigene Sprache, die zeigt, welches Leben dieser Baum gelebt hat. All das macht aus dem Möbel ein ganz besonderes Einzelstück.«

Damit aus dem Baum aber ein Möbel wird, sind Zeit und Geduld erforderlich. Der Tischlermeister erklärt, er lasse die Stämme im Sägewerk schneiden und lagere sie in unterschiedlichen Dicken ein. Je nach Dicke liegen sie dann zwei bis drei Jahre, bevor sie in die Kammertrocknung kommen und weiterverwertet werden können. Was dann jedoch daraus entsteht, ist ein Möbelstück mit Erinnerungswert, etwas für die Ewigkeit. Häufig wünschen sich seine Kunden auch Konferenztische, die sind nicht selten bis zu zehn Meter lang.

Gerdesmeier freut sich über weitere Meldungen von umgestürzten Bäumen (E-Mail an info@holz-gestalten.de). Auch wer keinen eigenen Bedarf an einem solch großen Tisch habe, könne sich bei ihm melden, sagt er. Dann könne er den Baum, sofern er für die Weiterverwertung geeignet sei, kostenfrei abholen und später ein Möbelstück daraus machen. So sei beiden Seiten geholfen.

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