Bestand am Freibad ist verloren – 11.000 Bäume in neuem Kataster erfasst
Kastanien haben keine Chance

Salzkotten (WB). Früherkennung und Pflege – was für den Menschen gilt, kann auch dem Baum nicht schaden. Jedenfalls beschreiben diese beiden Begriffe Sinn und Zweck des neuen Baumkatasters der Stadt Salzkotten. Die intensive Kontrolle des Baumbestandes hat allerdings auch ein erstes trauriges Ergebnis hervorgebracht. Rund 240 Bäume müssen beseitigt werden. Ein Drittel des Bestandes ist pflegebedürftig.

Freitag, 16.03.2018, 13:07 Uhr aktualisiert: 16.03.2018, 13:10 Uhr
Ralf Wiedenhaus ist seit Januar als Baumkontrolleur im Stadtgebiet unterwegs. Der 41-Jährige ist bereits seit 2004 bei der Stadt beschäftigt und nun mit neuen Aufgaben betraut worden. Auf 11.000 Bäume hat er künftig ein Auge. Dabei kontrolliert er unter anderem die Baumrinden. Etwa 50 Kastanien am Freibad müssen jetzt allerdings gefällt werden. Foto: Besim Mazhiqi
Ralf Wiedenhaus ist seit Januar als Baumkontrolleur im Stadtgebiet unterwegs. Der 41-Jährige ist bereits seit 2004 bei der Stadt beschäftigt und nun mit neuen Aufgaben betraut worden. Auf 11.000 Bäume hat er künftig ein Auge. Dabei kontrolliert er unter anderem die Baumrinden. Etwa 50 Kastanien am Freibad müssen jetzt allerdings gefällt werden. Foto: Besim Mazhiqi

Besonders betroffen ist die Kastanie. So werden von Mitte nächster Woche an etwa 50 Bäume am Parkplatz des Freibades beseitigt. Sie sind Opfer des Bakteriums Pseudomonas syringae pv. Aesculi, der Kastanienkrankheit, geworden und gefährden die Verkehrssicherheit. »Weitere Kastanien in Scharmede an der Schule und an der Schützenhalle sowie in Tudorf und an der Dreckburg werden wohl folgen«, gibt Salzkottens neuer Baumkontrolleur, Ralf Wiedenhaus, der Kastanie insgesamt kaum noch eine Überlebenschance. Der 41-Jährige geht bereits seit Januar seinem neuen Job nach und nimmt jeden einzelnen Baum an Straßen, Schulen und Spielplätzen – ausgenommen sind die Wälder – in Augenschein.

11.000 Bäume auf öffentlichen Verkehrsflächen

Insgesamt haben Mitarbeiter eines externen Büros zuvor ein Jahr lang für das Baumkataster rund 11.000 Bäume auf öffentlichen Verkehrsflächen gezählt und jedem einzelnen eine Nummer gegeben. 70.000 Euro hat das Baumkataster gekostet.

»Wir haben in den vergangenen 20 Jahren bewusst sehr viele Bäume gepflanzt mit dem Zielgedanken, ein lebenswertes, gesundes Stadtklima zu entwickeln«, sagt Heiner Mersch, im Fachbereich Stadtentwicklung für Umweltschutz und Grünplanung zuständig. Mersch bedauert den Verlust der noch relativ jungen Bäume an der Sälzer Lagune. Die weißblühenden Kastanien seien bewusst ausgewählt worden, um später als grüne Oase ein großes schattenspendendes Dach über dem Parkplatz zu bilden. »Unser Planungsziel haben wir somit nicht erreicht und müssen wieder ganz von vorne anfangen«, so Mersch.

Die Datenbank des Baumkatasters ermöglicht Ralf Wiedenhaus und seinen Kollegen künftig, genau nach Plan Bäume zu kontrollieren und zu pflegen. Das Programm liefert Informationen zur Art, Größe und zum Alter jedes Baumes sowie zur Alterungsphase, zum Pflegeintervall oder auch zu Stammschäden und Wachstumsmängeln. »Durch die Dokumentation ist nicht nur eine organisierte Kontrolle möglich. Wir haben zudem Rechtssicherheit hinsichtlich der Verkehrssicherungspflicht. Gleichzeitig kommt dem Baumbestand eine gute Pflege zugute. Denn wir haben festgestellt, dass ein Drittel unserer Bäume Pflege in irgendeiner Form braucht«, erläutert Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier.

Geschultes Auge

Für seine Arbeit braucht Gärtnermeister und Baumkontrolleur Ralf Wiedenhaus zunächst einmal ein geschultes Auge. Aus der Ferne betrachtet er den Baum als Ganzes bevor er sich Krone, Stamm und Stammfuß genauer ansieht. »Dabei achte ich unter anderem auf Rindenschäden, Pilzbefall, Astrisse und Kappungsstellen«, erklärt Wiedenhaus. Hat der 41-Jährige Zweifel an der Verkehrssicherheit oder Gesundheit des Baumes, werden Maßnahmen wie die Entfernung von Totholz ergriffen oder ein Gutachten veranlasst.

»Bäume üben in der Stadt eine sehr wichtige Funktion aus. Ein Baum liefert am Tag 10.000 Liter Sauerstoff, ist Schattenspender, Bienenhotel und Nistplatz«, betont Heiner Mersch, »und das Tolle daran ist: Der Baum schreibt uns keine Rechnung.« Daher sei es der Stadt sehr wichtig, den Bestand zu erhalten und zu ergänzen. »Überall, wo wir etwas entfernen, kommt in den meisten Fällen etwas Neues hin«, ergänzt Ludwig Bewermeier, »unser Ziel ist es, künftig mehr für die Bäume zu tun«. So sollen auch am Freibad neue Bäume gepflanzt werden. Allerdings keine Kastanien.

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