Stadt möchte Straßenzug erhalten – Frist für Haus Altrogge läuft ab
Schmuckstück Vielser Straße

Salzkotten (WB). »Sie ist der schönste Straßenzug in der Salzkottener Kernstadt«, sagt Salzkottens Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Ludwig Bewermeier, über die Vielser Straße. Nicht weniger als elf denkmalgeschützte Fachwerkhäuser stehen hier. Eines davon benötigt aber seit nunmehr einem Jahr Hilfe.

Freitag, 06.04.2018, 11:54 Uhr aktualisiert: 06.04.2018, 11:58 Uhr
In der Vielser Straße stehen insgesamt elf denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Die Stadt möchte den Straßenzug in seinem Erscheinungsbild erhalten. Für Sanierungsmaßnahmen gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Foto: Jörn Hannemann
In der Vielser Straße stehen insgesamt elf denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Die Stadt möchte den Straßenzug in seinem Erscheinungsbild erhalten. Für Sanierungsmaßnahmen gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Foto: Jörn Hannemann

Seit Ende März des vergangenen Jahres bewahren drei meterlange Holzstützen den Giebel des so genannten Altroggen Hauses davor, sich weiter Richtung Straße zu neigen. Aufgrund eines statischen Gutachtens hatte der Kreis Paderborn diese Maßnahme genehmigt, und die Stadt Salzkotten als Untere Denkmalbehörde hatte eine Sondererlaubnis erteilt – mit der Aufforderung an den Eigentümer, ein Instandsetzungs- und Sanierungskonzept vorzulegen: bis zum 12. April 2018. Die Frist läuft also in wenigen Tagen ab. Nach Auskunft des Fachbereichsleiters liegt bisher kein Konzept vor.

Die Stützen sollen kein Dauerzustand sein

Die Stützen seien allerdings nicht als Dauerzustand gedacht. Sollte der Eigentümer auch weiterhin nicht reagieren, »wird uns nichts anderes übrig bleiben, als juristische Schritte einzuleiten«, sagt Bewermeier. Er betont gleichzeitig, dass dies aber nicht im Interesse der Stadt liege. »Bisher haben wir einen solchen Weg noch nicht beschritten und hoffen, noch eine Lösung zu finden. Wir können als Untere Denkmalbehörde aber auch nicht zusehen, wie das Haus weiter verfällt«, so Bewermeier.

Seit einem Jahr wird das Altroggen Haus gestützt.

Seit einem Jahr wird das Altroggen Haus gestützt. Foto: Hannemann

Die Stadt möchte die städtebauliche Qualität der Vielser Straße nicht zuletzt aufgrund ihrer historischen Bedeutung erhalten. »Im Mittelalter war die Vielser Straße die Haupteinfahrtstraße zum Marktplatz«, weiß Bewermeier. Die Ackerbürgerhäuser wurden giebelständig zur Straße hin gebaut und rahmten diese ein. Der Vielser Graben, der zunächst zugebaut, in den 80er Jahren aber stellenweise wieder offengelegt wurde, diente unter anderem zum Wäschewaschen oder um die Milch kalt zu stellen. Der Erhalt der Vielser Straße liege im öffentlichen Interesse. Zu ihr gehöre auch das Haus Altrogge, das vermutlich 1865 erbaut wurde. Würde es abgerissen, zögen möglicherweise andere Eigentümer nach und die Straße wäre verloren.

Fördermittel können beantragt werden

Der Eigentümer indes hält die Substanz des Hauses für zu marode für eine Sanierung. Eine Nutzung sei wirtschaftlich auch aufgrund der Bestimmungen des Denkmalschutzes nicht darstellbar. Er habe bereits vor zehn Jahren vorgeschlagen, das Haus ab- und an anderer Stelle als Museumsobjekt wieder aufzubauen – etwa auf einer Fläche neben der ehemaligen Stadtbibliothek. Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier weist darauf hin, dass die Stadt Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude nicht allein lasse. »Über das integrierte Handlungskonzept stehen Fördergelder zur Verfügung. Für Umbauten gibt es in Abhängigkeit von der späteren Wirtschaftlichkeit 25 bis zu 50 Prozent der Investitionskosten zurück«, erläutert Ludwig Bewermeier. Im neuen Servicebüro an der Lange Straße können sich Eigentümer ausführliche Informationen bei Mitarbeitern des Büros Junker und Kruse holen. Auch Markus Sprenger, Mitarbeiter der Stadt, kennt sich aus und ist Ansprechpartner. Denkmalpflegerische Maßnahmen könnten zudem steuerlich in Ansatz gebracht werden.

»Das Salinator-Penning-Haus ist der beste Beweis dafür, was gute Handwerker aus einem so alten Gebäude machen können«, sagt Bewermeier. Gibt es keine Lösung für das Haus Altrogge, werde wohl das Verwaltungsgericht entscheiden müssen. Dann könne es passieren, dass die Stadt das Haus übernehmen muss.

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