Sälzer warten weiter auf die richtige Uhrzeit
Wenn die Stunde nicht schlägt

Salzkotten (WB). Die Uhrzeit bestimmt den Rhythmus des Tages. Bleibt die Uhr stehen, geht so manches durchein­ander. Auf ihren Chronometer am Kirchturm müssen die Salzkottener nun allerdings schon seit Monaten verzichten.

Freitag, 06.04.2018, 22:10 Uhr
Das Uhrwerk aus dem Jahr 1947 steht im Glockenturm unterhalb der Laterne und der neuen Glocken. »Es ist voll funktionstüchtig und wird weiter genutzt«, sagt Pastor Martin Beisler. Künftig wird die Uhrzeit per Funksignal aus Braunschweig eingestellt. Foto: Neesen
Das Uhrwerk aus dem Jahr 1947 steht im Glockenturm unterhalb der Laterne und der neuen Glocken. »Es ist voll funktionstüchtig und wird weiter genutzt«, sagt Pastor Martin Beisler. Künftig wird die Uhrzeit per Funksignal aus Braunschweig eingestellt. Foto: Neesen

Als am 11. August die alten Glocken in St. Johannes zum letzten Mal läuteten, blieb auch die Kirchturmuhr stehen. Bei den Arbeiten am Glockenstuhl waren Gewichte, Gestänge und Drähte des mechanischen Uhrwerkes aus dem Jahre 1947 im Weg und mussten abgebaut werden. Sie stellten die Verbindung zwischen dem Uhrwerk, den Uhrglocken in der Laterne und dem Ziffernblatt am äußeren Kirchturm her. Zwar läuten in St. Johannes längst die neuen Glocken und auch die neue Uhrglocke in der Laterne hat ihren Platz gefunden, doch die Zeiger stehen auch weiterhin still auf 12.21 Uhr. »Uhrwerk und Uhr sind völlig in Ordnung und funktionstüchtig«, sagt Pastor Martin Beisler, »doch Teile des Uhrwerks befinden sich zurzeit zur Reinigung in der Werkstatt der Fachfirma Dürr in Rothenburg ob der Tauber.«

Viele Bürger vermissen den Glockenschlag

Eigentlich zu Weihnachten, dann zu Ostern sollte die Uhr wieder laufen, Pastor Beisler hofft täglich auf ein O.K. aus Rothenburg. Doch das lässt auf sich warten. Die Sälzer müssen sich in Geduld üben. Der Seelsorger weiß, dass viele Gemeindemitglieder und Anwohner das Läuten zu jeder Viertelstunde und zur vollen Stunde vermissen. Zudem hat bisher noch niemand hören dürfen, wie die neue Uhrglocke überhaupt klingt.

Das mechanische Uhrwerk der Firma Weule aus Bockenem im Harz hat indes eine neue Behausung im Kirchturm bekommen. In der Laterne warten die historische Uhrglocke aus dem Jahr 1560 sowie die neue aus Bronze darauf, dass sie die Stunde schlagen können. Auch die alte gusseiserne Uhrglocke befindet sich noch in der Laterne. »Sie wird auch dort bleiben, weil sie nicht durch die Öffnung der Laterne passt. Dabei geht es nur um ganz wenige Zentimeter«, so Beisler, der einen sehr interessierten Abnehmer für die alte Glocke hatte. Doch die Laterne müsste auseinandergenommen und die Kupferverkleidung erst entfernt und dann wasserdicht wieder geschlossen werden. Außerdem müsste die verrostete Glocke aufwändig per Kran zu Boden befördert werden. »Die Kosten dafür stünden in keinem Verhältnis«, sagt der Leiter des Pastoralverbundes. Oben in der Laterne steht die Glocke hingegen niemandem im Weg.

Wer hat an der Uhr gedreht? In Salzkotten herrscht am Kirchturm St. Johannes jedenfalls seit geraumer Zeit Stillstand.

Wer hat an der Uhr gedreht? In Salzkotten herrscht am Kirchturm St. Johannes jedenfalls seit geraumer Zeit Stillstand. Foto: Hannemann

Die Kirchturmuhr von St. Johannes ist bekannt dafür, dass sie schnell – je nach Jahreszeit und Witterung – ein paar Minuten zu spät geht. Jahrelang sorgte dann Ulrich von Sobbe dafür, dass Uhr und Sälzer wieder auf Höhe der Zeit waren. Künftig wird das Nachjustieren per Hand nicht mehr nötig sein. Denn die Uhr wird nicht nur gesäubert, sondern auch modernisiert. »Das Pendel wird mit einem Sensor versehen, der ein Funksignal von der Atomuhr in Braunschweig bekommt. Somit wird die Kirchturmuhr künftig sekundengenau gehen, Sommer- und Winterzeit stellen sich automatisch ein«, berichtet Pastor Martin Beisler, »es ist schön, dass wir das historische Uhrwerk mit moderner Technik verknüpfen und weiterhin nutzen können.«

Es wird also Zeit, dass die Sälzer endlich wieder genau wissen, was die Stunde geschlagen hat.

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