Rainer Brinkschröder variiert in seinen Arbeiten nur Linie und Farbe
Deklination der Form

Salzkotten (WB). Rainer Brinkschröder ist Minimalist. Ihm reichen ein paar Linien und ein monochromer Farbauftrag für seinen künstlerischen Kosmos. Seit bald 25 Jahren beschäftigt er sich mit seinen »freien Arbeiten«, die er immer neu variiert.

Donnerstag, 19.04.2018, 14:25 Uhr aktualisiert: 19.04.2018, 14:30 Uhr
Was gehört hier zusammen? Künstler und Innenarchitekt Rainer Brinkschröder hat in dieser Arbeit zwölf Figurenpaare kombiniert. Wer genau hinschaut, entdeckt, welche Formen demselben Muster entsprechen. Foto: Stienecke
Was gehört hier zusammen? Künstler und Innenarchitekt Rainer Brinkschröder hat in dieser Arbeit zwölf Figurenpaare kombiniert. Wer genau hinschaut, entdeckt, welche Formen demselben Muster entsprechen. Foto: Stienecke

Wer den Ausstellungsraum »Station Kunst« des Salzkottener Künstlers und Galeristen Werner Schlegel betritt, blickt an der gegenüber liegenden Stirnwand auf eine 24-teilige Arbeit mit einfachen geometrischen Figuren, die mit schwarzem Stift auf weißen Untergrund gezeichnet sind. Was auf den ersten Blick wie ein beliebig gefügtes Tableau an Skizzen anmutet, bekommt bei genauerem Hinsehen Struktur.

Erst dann nämlich erschließt sich dem Betrachter, dass hier jeweils ein Formenpaar angeordnet wurde. Einmal werden geometrische Figuren aufs Papier gebracht, daneben dann der jeweilige Zwischenraum als »Negativ-Form« konturiert und hervorgehoben. Das Ganze findet sich noch gedreht oder gespiegelt und erhält so Lebendigkeit.

Experimente mit Farbkärtchen

Seitdem sich der 62-jährige Innenarchitekt, der in den Jahren 2001 bis 2007 maßgeblich an der Renovierung des Paderborner Rathauses beteiligt war, mit solchen Formvarianten beschäftigt, ließ ihn das Thema nicht mehr los. Ausgangspunkt war die Überlegung, wie sich wohl die Farben Orange und Rosa als in unregelmäßiger Form in ein Fast-Quadrat gesetztes Farbpaar zueinander verhalten. Mit zwölf kleinen Farbkärtchen experimentierte Brinkschröder diverse Form- und Farbvarianten durch. »Auf dieser Untersuchung fußt mein ganzes weiteres Werk«, sagt er.

Bei jeder neuen Arbeit geht der Paderborner Künstler in ähnlicher Weise vor. Zunächst wird eine schlichte Form im Skizzenbuch entworfen. »Ich beginne immer mit der Linie, die ich in ein Rechteck zeichne«, erläutert Brinkschröder. Bei der Umsetzung am Reißbrett oder am Computer erweist sich dann, ob die Form seinen ästhetischen Ansprüchen genügt. »Oft geht das Gestische einer Skizze dabei verloren, darunter leidet dann der Wert des Motivs«, befindet der Künstler – und verwirft gegebenenfalls die Arbeit.

Dritte Dimension

Längst ist Brinkschröder aber bei seinem minimalistischen Experimentieren mit Linie und Farbe, Form und Körper in die dritte Dimension vorgestoßen und fertigt nach demselben Prinzip der schiefwinkligen Formen auch Modelle aus Pappe und Holz sowie komplette Rauminszenierungen. Insgesamt acht freie Raumarbeiten hat er bislang für andere Ausstellungen gestaltet. Sie werden bei Werner Schlegel in einer Diaschau dokumentiert.

Kunstfreunde aus der Region können die Arbeiten von Rainer Brinkschröder an diesem Wochenende bei der mittlerweile fünften »Station Kunst« am alten Tudorfer Bahnhof kennen lernen. Seine erste große Einzelausstellung ist am Samstag, 21. April, von 15 bis 21 Uhr und am Sonntag, 22. April, von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Nach vorheriger telefonischer Absprache (Ruf 0160/4452180) besteht schon am Freitag Gelegenheit zu einer Vorbesichtigung. Die Galerie liegt an der Antoniusstraße 4a in Niederntudorf.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5671993?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851069%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker