Rötzmeier Sicherheitsbehälter erwirbt Rechte am Markennamen
Das Original ist wieder zuhause

Salzkotten (WB). Schon mal die Worte »Original Salzkotten« in eine Internetsuchmaschine eingegeben? Das Ergebnis verblüfft. An erster Stelle der Liste steht nicht etwa ein Lebensmittel wie Brot von Reineke oder Hölter oder vielleicht das vom Sälzerkollegium gesiedete Salz. Ganz oben ploppen Sicherheitsgefäße auf.

Samstag, 16.06.2018, 08:22 Uhr aktualisiert: 16.06.2018, 08:30 Uhr
Kannen, Kanister, Fässer: Bei Rötzmeier werden Sicherheitsbehälter in unterschiedlichen Größen hergestellt. Gerhard Fraune hält ein bisher in Belgien gefertigtes Produkt (gelber Ring) in Händen. Die Produktion der Behälter mit roten Ringen hat Johannes Rötzmeier (rechts) 1986 in Holsen gestartet. Jetzt ist Original Salzkotten zurück in der Sälzerstadt. Foto: Neesen
Kannen, Kanister, Fässer: Bei Rötzmeier werden Sicherheitsbehälter in unterschiedlichen Größen hergestellt. Gerhard Fraune hält ein bisher in Belgien gefertigtes Produkt (gelber Ring) in Händen. Die Produktion der Behälter mit roten Ringen hat Johannes Rötzmeier (rechts) 1986 in Holsen gestartet. Jetzt ist Original Salzkotten zurück in der Sälzerstadt. Foto: Neesen

Die haben sich in der Branche einen Namen gemacht, und die Salzkottener wissen: Dieses Produkt wurde in Salzkotten erfunden, in einer Zeit, als man zum Tanken noch zur Apotheke fuhr. Die Firma Rötzmeier hat Original Salzkotten nun zurück an seine Geburtsstätte geholt.

Sicherheitsbehälter und FEG – diese beiden Begriffe sind untrennbar mit Salzkotten verbunden. Ferdinand Henze und Jacob Cohn gründeten 1899 die Fabrik explosionssicherer Gefäße (FeG), die zu ihren besten Zeiten 1120 Mitarbeiter beschäftigte und größter Arbeitgeber im damaligen Kreis Büren war.

Firmengründung geht auf Idee eines Apothekers zurück

Der Firmengründung ging eine Idee des Salzkottener Apothekers Ferdinand Henze voraus. Er verkaufte 1898 Benzin für die damals noch wenigen Autos auf den Straßen. Die Explosion eines Lagerbehälters ließ ihn darüber grübeln, wie solche Unfälle verhindert werden können. Im Bergbau nutzte man Drahtgewebe, um eine Entzündung von Grubengas durch offene Flammen in den Grubenlampen zu vermeiden. Die Flammen waren mit einem feinmaschigen Drahtgewebe umgeben. Das in die Lampe einströmende Gas verbrannte an dem Gewebe, die Flamme hingegen konnte nicht nach außen durchschlagen (Davy’sches Sieb). Henze kehrte dieses Prinzip um und setzte solche Drahtgewebe in seine Lagerbehälter ein. Die Geburtsstunde der Salzkottener Originale hatte geschlagen. Doch seit 1986 wurden die Originale nicht mehr in Salzkotten hergestellt. Die FEG war Teil der Rheinnadel-Gruppe in Aachen geworden, die ihre Sicherheitsgefäße zuletzt in Belgien fertigen ließ.

Wie viele andere Salzkottener arbeitete auch Johannes Rötzmeier damals bei der FEG. Nach der Aufgabe der Produktion in Salzkotten, dachte er sich: Das kann ich auch. Er gründete auf dem elterlichen Bauernhof in Holsen sein eigenes Unternehmen und begann mit der Produktion von Edelstahl-Sicherheitsbehältern.

Zur Jahrtausendwende hatte Rötzmeier Rheinnadel überholt und mehr explosionssichere Behälter verkauft als die Aachener Gruppe. 2016 siedelte der Betrieb ins Gewerbegebiet Berglar um. Das Original blieb jedoch in Belgien, bis jetzt.

Zehn Mitarbeiter sind bei Rötzmeier beschäftigt

Als Rheinnadel Anfang des Jahres Rötzmeier das Angebot unterbreitete, den Markennamen »Original Salzkotten« zu übernehmen, zögerten die beiden Firmeninhaber Johannes Rötzmeier (69) und Gerhard Fraune (44) keine Sekunde. »Der Name ist etwas wert in der Branche. Original Salzkotten steht für explosionssichere Behälter wie Tempo für das Papiertaschentuch. Es war sofort klar, dass wir das wollen«, sagt Gerhard Fraune. Und schließlich konnte das Original dorthin zurückgeholt werden, wo es hingehört. Rötzmeier übernahm neben Lagerbeständen auch Werkzeuge und Kunden.

Rötzmeier Sicherheitsbehälter ist weltweit Marktführer in diesem speziellen, recht kleinen Segment. Kunden sind vor allem Labore und Universitäten sowie Unternehmen wie Bayer und BASF. Das Prinzip der Sicherheitsbehälter hat sich seit seiner Erfindung nicht geändert. »Das Gewebe ist so feinmaschig, dass keine Flamme hindurch zur Flüssigkeit gelangt«, erklärt Gerhard Fraune. Gefahrstoffe wie Ethanol, Aceton, Isopropanol und Lösemittel können sicher transportiert, gelagert und genutzt werden. Neben dem eigentlichen Behälter aus Edelstahl sind das Drahtgewebe und die Verschlüsse Garanten für die Sicherheit. Hinzukommt ein Überdruckventil, das Luft entweichen lässt, wenn sich die Behälter erwärmen. Kleine Behälter für ein oder zwei Liter zur einfachen Dosierung stehen auf Labortischen, Gefäße mit einem Fassungsvermögen von bis zu 200 Litern dienen zur Lagerung und zum Abfüllen. Das 50-Liter-Gefäß mit Zapfhahn erinnert nicht ohne Grund an ein Bierfass.

In Handarbeit werden die Behälter bei Rötzmeier verschweißt und auf ihre Sicherheit geprüft. Zehn Mitarbeiter sind bei Rötzmeier beschäftigt. Die größeren Behälter kosten bis zu 800 Euro. »Berücksichtigt man die Nutzungsdauer unserer Behälter, ist das nicht zu viel«, erläutert Gerhard Fraune die lange Beständigkeit der hochwertigen Materialien, »einmal investiert, hat man jahrzehntelang Ruhe.«

Inzwischen drängen Hersteller von Sicherheitsbehältern aus China auf den Markt. Gerhard Fraune blickt dennoch optimistisch in die Unternehmenszukunft. Denn das Original gibt es eben nur in Salzkotten.

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