Upsprunger Königsorden aus dem Jahr 1865 ist wieder aufgetaucht
Um die Welt und zurück an die Heder

Salzkotten (WB). Die St.Hubertus-Schützenbruderschaft Upsprunge kann zum Schützenfest einen mehr als 150 Jahre alten Königsorden und damit das älteste Zeugnis aus Gründungstagen präsentieren. Der Orden fand jüngst den Weg vom Rhein an die Heder.

Mittwoch, 27.06.2018, 12:40 Uhr aktualisiert: 27.06.2018, 13:04 Uhr
Goldschmied Thomas Gerken hat dem Orden die verloren gegangene Fassung zurückgegeben und das gute Stück aufpoliert. An der Zahl 5 ist offensichtlich schon einmal gearbeitet worden. Der Orden wird nun zum Schützenfest präsentiert. Foto: Jörn Hannemann
Goldschmied Thomas Gerken hat dem Orden die verloren gegangene Fassung zurückgegeben und das gute Stück aufpoliert. An der Zahl 5 ist offensichtlich schon einmal gearbeitet worden. Der Orden wird nun zum Schützenfest präsentiert. Foto: Jörn Hannemann

Als Gabriele Müller die Wohnung ihres 2017 gestorbenen Stiefvaters Heinrich Schilling in St. Katharinen (Rheinland-Pfalz) aufräumte, entdeckte sie einen Orden, auf dem die Jahreszahl 1865 und auch der Ortsname Upsprunge eingraviert waren. Sie fragte sich: Wo liegt der Ort mit diesem seltsamen Namen ? Sie fand es heraus und schickte ein kleines Päckchen an den Geschäftsführer der Schützenbruderschaft Upsprunge, Holger Schrader, mit dem Hinweis, dass der Orden mit ihrem Stiefvater zusammenhängen könnte.

Der Forschergeist des Upsprunger Ortsheimatpflegers Norbert Schulte war geweckt. Er wollte genauer wissen, wie der Orden von der Heder an den Rhein kam, machte sich auf die Suche und ermittelte alle Generationen der Familie Schilling ab 1750.

Schillings Höfe

»Es gibt in Upsprunge zwei Höfe mit dem Namen Schilling, und Ehefrauen der Söhne beider Höfe kamen häufig von Fründts«, klärt Schulte auf. Der Name Schilling kam 1750 durch Johannes Georg aus »Niederntürpke« (Niederntudorf) nach Upsprunge. Im Archiv der Bruderschaft sind die Dokumente aus der Zeit von 1863 bis 1910 verschollen. Erst das zugesandte Familienbuch führte zu einer ersten Spur nach Kellinghausen bei Rüthen.

Dort lebt noch eine Familie Schilling, deren dortiger Gründer Wilhelm aus Upsprunge stammt. Mit diesen Informationen und den Ergebnissen aus den alten Familienbüchern im Erzbischöflichen Archiv Paderborn (bis 1874) sowie dem Standesamtsarchiv Salzkotten (ab 1875) konnte sich Norbert Schulte eine Übersicht verschaffen:

Wilhelm Schilling, 1839 geboren, musste sich als »Nachgeborener« entscheiden: auf dem Hof als Knecht bleiben oder die Tochter oder Witwe eines Hofes finden, in den er einheiraten konnte. Er ging nach Kellinghausen, lernte die »Jungfrau« Lisette Volland kennen, heiratete sie 1878 und damit in eine Gast- und Landwirtschaft ein. Sie bekamen insgesamt neun Kinder, von denen drei in den folgenden Tagen starben. Das vierte Kind war Heinrich Schilling, geboren 1928. Dieser verließ Kellinghausen, arbeitete in verschiedenen Ländern, auch in einer Goldmine in Südafrika und in Kanda. Erst mit 47 Jahren heiratete er Friederike, geb. Lang. In der Familie hat er nie über seine Jugend und Upsprunge gesprochen. Aber offensichtlich hat er den Orden und das Stammbuch seiner Eltern immer gut aufbewahrt.

Schützenkönig von 1865 in Upsrunge?

Aber wer seiner Vorfahren war denn 1865 König in Upsprunge ? Sein Großvater väterlicherseits in Upsprunge war Franz Schilling (1802 bis 1880) vom Hof Schilling-Happe. Franz heiratete 1826 Anna Maria Fründt (1796 bis 1861) und damit beim Hof Fründt an der Mühle ein. Schon Fründts hatten den Beinamen Andreasmeier. Damit begründete er den zweiten Hof Schilling, der 1855 aussiedelte (Frieth). Den Hof erbte der Sohn Josef (1827-1908). Der war 1865 noch lediger Jungbauer, erzielte den besten Schuss und errang damit die Königswürde der gerade erst sieben Jahre bestehenden Schützengesellschaft Upsprunge, deren Gründungsmitglied er war.

Nach den wenigen noch vorhandenen Dokumenten wurde das erste Schützenfest 1859 gefeiert, das zweite erst 1862, das dritte 1863 und das vierte wegen des Deutsch-Dänischen Krieges erst 1865.

Ein Foto, vermutlich um 1880 aufgenommen, zeigt das Ehepaar Josef und Theresia Schilling. Josef Schilling war vermutlich 1865 der vierte Upsprunger Schützenkönig. Sein Orden ist jetzt wieder zurück in seinem Heimatdorf.

Ein Foto, vermutlich um 1880 aufgenommen, zeigt das Ehepaar Josef und Theresia Schilling. Josef Schilling war vermutlich 1865 der vierte Upsprunger Schützenkönig. Sein Orden ist jetzt wieder zurück in seinem Heimatdorf.

Die erst 1858 genehmigte Satzung sah zwar ein Vogelschießen vor, aber genehmigt wurde nur ein Scheibenschießen. Streng ging es damals zu. »Keinem Schützen war es gestattet, ohne wichtigen Grund dem zweitägigen Schützenfest fernzubleiben, auf dem Schützenplatz zu singen und Lärm zu machen, es durfte nur Bier, kein Schnaps getrunken werden«, fand Norbert Schulte heraus. Tanzen durften nur die Schützen, die auch am Vogelschießen teilgenommen hatten. »Anständige Fremde« durften teilnehmen, wenn sie ein angemessenes Eintrittsgeld zahlten.

Orden für zwei Reichstaler angefertigt

Der Schütze, der beim sonntäglichen Schießen auf dem Scheibenstand bei Rincheval den besten Schuss abgab, wurde als König gekrönt und erhielt im Namen der Kompanie ein Ehrenzeichen – so ist 1865 Josef Schilling I, genannt Andreasmeier, als vierter König geehrt worden. Oberst Caspar Werner in weiß-blauer Schärpe zeichnete ihn beim Festwirt Louis Rincheval mit dem silbernen »Königs Schild« aus, den der Verein für zwei Reichstaler anfertigen ließ. Von einer Königin war noch nicht die Rede. Das Tanzen fand im ausgeliehenen Tanzzelt unter der Kontrolle eines Offiziers statt. Den Jahresbeitrag von einem Reichstaler und 50 Silbergroschen hatte Josef Schilling vorher gezahlt. Nach dem Gravurversuch an der Zahl 5 könnte er auch 1866 der beste Schütze gewesen sein.

Joseph Schilling heiratete in Upsprunge erst im Alter von 46 Jahren Theresia Kohle aus Gesseln. Über den Sohn Wilhelm ist der Orden irgendwie nach Kellinghausen und anschließend über dessen Sohn Heinrich durch die halbe Welt und schließlich an den Rhein gelangt.

Nun wird er, nachdem in den vergangenen Tagen Goldschmied Thomas Gerken aus Salzkotten den fehlenden Rahmen und die Rückseite neu hergestellt sowie das Schild etwas poliert hat, zur Freude von Oberst Ralf Wiedemann und aller Schützen als ältestes Zeugnis aus der Gründungszeit beim Schützenfest gezeigt und anschließend gut und sicher aufbewahrt werden. Ein Foto, vermutlich um 1880 aufgenommen, zeigt das Ehepaar Josef und Theresia Schilling. Josef Schilling war vermutlich 1865 der vierte Upsprunger Schützenkönig. Sein Orden ist jetzt wieder zurück in seinem Heimatdorf.

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