Ausschuss bringt Sozialarbeit an Grundschulen auf den Weg
14 Stunden für 1000 Schüler

Salzkotten (WB). 14 Wochenstunden soll die Stadt Salzkotten mit Beginn des neuen Schuljahres für die Schulsozialarbeit in den städtischen Grundschulen zur Verfügung stellen. Das hat der Schul-, Familien- und Sozialausschuss am Dienstag mehrheitlich beschlossen. Den Fraktionen der Bündnisgrünen und der Linken sind das allerdings viel zu wenig. Auch die SPD ist skeptisch.

Donnerstag, 28.06.2018, 11:51 Uhr aktualisiert: 28.06.2018, 11:54 Uhr
Symbolbild Foto: dpa
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Geleistet werden sollen die Stunden von der Sozialarbeiterin Lea Zumdick, die im Jugendbegegnungszentrum Simonschule beschäftigt ist. Stadtjugendpfleger Rudi Ruhose und die Leiterin der Liboriusgrundschule, Thekla Tuschen, hatten zu Beginn der Sitzung ein Netzwerk-Konzept vorgestellt. Demnach sollen zehn Wochenstunden der Schulsozialarbeit an der Salzkottener Grundschule eingeplant werden, vier Stunden sollen flexibel von den weiteren fünf Grundschulen im Stadtgebiet abgerufen werden können. Ziele der Schulsozialarbeit seien unter anderem eine Verbesserung der Lebens- und Lernbedingungen der Kinder, die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, der Sozialkompetenz und der Konfliktfähigkeit sowie die Förderung interkultureller Kompetenzen. Vorgesehen sind sowohl Schulhofpräsenz als auch Sprechstunden sowie eine Beratung der Lehrer und Eltern.

Konfliktthema im Gremium

Die Einführung von Schulsozialarbeit als freiwillige Leistung der Stadt Salzkotten ist seit Monaten ein Konfliktthema im Gremium. Während Sozialdemokraten, Linke und Grüne ein begleitendes präventives Konzept fordern, halten die Christdemokraten eine Unterstützung in Konfliktsituationen bei Bedarf für ausreichend. Im November hatte die CDU ein Konzept abgelehnt und im März die Erarbeitung eines Netzwerkes auf den Weg gebracht.

»Wir haben etwas anderes erwartet«, kommentierte Petra Hundt (Grüne) am Dienstag das vorgestellte Konzept, »dieses Verständnis für Schulsozialarbeit ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine stetige Begleitung der Schüler in ihrem Lebensraum Schule und dürfen nicht nur Feuerwehr in Krisensituationen sein. Ich fasse es nicht, dass wir für 1000 Schüler nur 14 Stunden zur Verfügung stellen wollen.« Gleichzeitig verwies sie auf das Ungleichgewicht zwischen der Liboriusschule und den örtlichen Grundschulen. So würden zehn Stunden für die 400 Kinder an der Liboriusschule und vier Stunden für 600 Schüler in den weiteren Grundschulen vorgesehen.

Deutliche Diskrepanz erkennbar

»Erst wollte die CDU gar kein Konzept, dann ein Netzwerk und jetzt das«, kritisierte auch Gabor Stein von der SPD. Er fand es schwierig, in einer halben Stunde ein Konzept für 1000 Schüler abzuwinken, das noch nicht einmal schriftlich vorliege, und beantragte eine Beratung in den Fraktionen, was abgelehnt wurde. Paul Weitkamp (Linke) erkannte eine deutliche Diskrepanz zwischen dem anspruchsvollen pädagogischen Konzept und den Möglichkeit, dieses mit den kappen personellen Ressourcen umsetzen zu können. Ulrike Weißenborn (SPD) sah das nun vorgestellte Konzept als Einstieg in die Schulsozialarbeit. »Ich freue mich, dass die CDU eingesehen hat, dass wir etwas Inhaltliches brauchen«, sagte Weißenborn.

Bedürfnisorientiertes Konzept

Die CDU verteidigte die Pläne. »Wir haben jetzt ein Konzept, das sich an den Bedürfnissen orientiert. Wenn sich die Bedarfe ändern, kann sich auch das Konzept ändern«, sagte Theo Flottmeier. In der CDU habe es durchaus keinen Sinneswandel gegeben, so Flottmeier. Vielmehr habe zuvor ein Konzept beschlossen werden sollen, das von den Begebenheiten losgelöst sei. »Für manche ist es offenbar schwierig zu begreifen, dass es Grundschulen gibt, die funktionieren«, sagte Flottmeier. Der Christdemokrat machte bei Petra Hundt gar eine »Problemsucht« ausfindig. »Uns wurde ein Netzwerk überzeugend präsentiert und gezeigt, wie es funktionieren kann«, befand Annette Stracke (CDU). Es habe eine Bedarfsabfrage gegeben und sie habe Vertrauen in das Team, das vor Ort über den Bedarf entscheide. Gegen die Stimmen der Grünen wurden schließlich 14 Wochenstunden Schulsozialarbeit beschlossen. Jährlich soll im Ausschuss berichtet werden.

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