Neue Einrichtung für demenziell veränderte Menschen
Möglichst lange selbstbestimmt

Salzkotten (WB). Was bei der jungen Generation funktioniert, könnte auch im Alter eine Wohnform der Zukunft sein: die Wohngemeinschaft (WG). Der Salzkottener Bauunternehmer und Ratsherr Jörg Schlune investiert in der Kernstadt zwei Millionen Euro in eine Einrichtung für demenziell veränderte Menschen.

Mittwoch, 04.07.2018, 07:38 Uhr aktualisiert: 04.07.2018, 07:40 Uhr
Hartmut Votsmeier (Volksbank), Engelbert Triesch, Seniorchef Heinz-Jürgen Schlune, Walter Scholand, Pia Engemann und Bürgermeister Ulrich Berger (hinten von links) sowie Investor Jörg Schlune und Namensgeberin Joelle Schlune beim ersten Spatenstich. Foto: Neesen
Hartmut Votsmeier (Volksbank), Engelbert Triesch, Seniorchef Heinz-Jürgen Schlune, Walter Scholand, Pia Engemann und Bürgermeister Ulrich Berger (hinten von links) sowie Investor Jörg Schlune und Namensgeberin Joelle Schlune beim ersten Spatenstich. Foto: Neesen

Bauzeit beträgt zwölf Monate

In der Bäckerstraße zwischen Wallgraben und Rothebach wird in den nächsten zwölf Monaten ein Gebäude errichtet, in dem jeweils zehn Personen in zwei Wohngemeinschaften leben können. Zudem werden Wohnungen für Paare vorgehalten, von denen nur ein Partner betroffen ist. Während Schlune als Investor agiert, wird die Villa Lebenswert GmbH aus Winterberg Betreiberin sein. Die Projektleitung hat die Unternehmensberatung Triesch übernommen. Jörg Schlune hatte bereits vor fünf Jahren das Haus Bäckerstraße 16 gekauft und wollte dieses eigentlich grundsanieren. Dann bat jedoch die Stadt darum, dort zunächst Flüchtlinge unterbringen zu dürfen.

haus heißt Villa Sonnenschein

Nun wird das Gebäude abgerissen und auf dem gesamten Areal ein Neubau mit rund 900 Qua­dratmetern Wohnfläche entstehen. »Unser Leitwort heißt ›Mit uns in die Zukunft‹. Wir wollen nicht nur unseren Mitarbeitern eine gute Plattform bieten, sondern machen uns auch Gedanken über die ältere Generation«, sagte Schlune beim ersten Spatenstich. Gemeinsam mit Pia Engemann von der Villa Lebenswert und Engelbert Triesch sowie Architekt Walter Scholand arbeitete der Salzkottener ein Konzept aus, das genau auf die spezielle Zielgruppe angepasst ist. Dabei sind eine weitgehend selbstbestimmte Lebensform kombiniert mit einer Betreuung rund um die Uhr die Eckpfeiler des neuen Hauses, das die achtjährige Joelle Schlune schon jetzt auf den Namen Villa Sonnenschein getauft hat.

Miete zwischen 450 und 500 Euro

»Die künftigen Bewohner des Hauses sollen die Chance bekommen, so lange selbstbestimmt leben zu können wie möglich«, sagte Pia Engemann. Respekt und Würde sowie Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zählten zum Credo des Unternehmens. »Meistens sind es Menschen mit leichter Pflegebedürftigkeit, die bei uns einziehen. Der Bedarf steigert sich dann bis zur Schwerstpflegebedürftigkeit«, erläuterte Pia Engemann. Die Betroffenen könnten bis zuletzt in der WG bleiben. Zwei Betreuungspersonen pro WG sind vorgesehen, wobei derzeit noch nach einem Pflegedienst als Partner gesucht wird. Die Miete wird zwischen 450 und 500 Euro betragen, Kosten für individuelle Pflegeleistungen kommen hinzu. Jeder Mieter hat sein eigenes etwa 16 bis 20 Quadratmeter großes Zimmer; Bäder, Wohnzimmer und Küche werden geteilt. Jörg Schlune betonte ausdrücklich, dass es sich bei der Einrichtung nicht um ein Alters- oder Seniorenheim handeln werde. Gleichzeitig will er eine größtmögliche Anzahl heimischer Handwerker bei den Bauarbeiten mit ins Boot nehmen.

Bürgermeister: »Ideale Lage!«

Bürgermeister Ulrich Berger lobte das Vorhaben als Leuchtturmprojekt. Er bezeichnete den Standort mitten in Salzkotten in Nachbarschaft zum Hedercenter und zum Franz-Kleine-Park als ideale Lage, um Menschen mit einem Handicap am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen zu können.

Kommentare

Meier  schrieb: 05.07.2018 07:41
Möglichst lange selbstbestimmt
Es ist ja schön, dass in Salzkotten viel für die ältere Generation getan wird, aber was ist mit den jungen Familien? Wie sieht es denn mit dem sozialen Wohnungsbau für Familien in dieser Stadt aus? Mein Sohn z.B. sucht bereits seit mehr als 3 Jahren für seine 4köpfige Familie händeringend nach bezahlbarem Wohnraum. Ihnen droht bereits die Obdachlosigkeit, da bereits zum 2. Mal wegen Eigenbedarf gekündigt wurde.
1 Kommentare
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