Schüleraustausch: Niederntudorferin Charlotte Winkler arbeitet in USA als Journalistin
»Es war einfach toll!«

Niederntudorf (WB). Amerika ist riesig. Und fernab der großen Weltpolitik in Washington und dem Hollywood-Glitter ist das Leben in einer 750-Seelen-Gemeinde in Minnesota noch so ursprünglich amerikanisch, wie man es sich hier kaum vorstellen kann. Charlotte Winkler aus Niederntudorf war ein Jahr dort.

Samstag, 21.07.2018, 11:37 Uhr aktualisiert: 21.07.2018, 11:40 Uhr
Für eine kleine Lokalzeitung mit dem Namen »Bonanza Valley Voice« hat Charlotte Winkler als Fotografin gearbeitet. Hier zeigt sie ihrem Bundestags-Paten Karl-Heinz Wange von ihr verfasste Artikel, die in der Zeitung gedruckt worden sind. Foto:
Für eine kleine Lokalzeitung mit dem Namen »Bonanza Valley Voice« hat Charlotte Winkler als Fotografin gearbeitet. Hier zeigt sie ihrem Bundestags-Paten Karl-Heinz Wange von ihr verfasste Artikel, die in der Zeitung gedruckt worden sind.

Die 17-Jährige hat teilgenommen am Austauschprogramm des Deutschen Bundestages (»Youth of understanding«) und hat sich nach ihrer Rückkehr bei ihrem »Bundestagspaten«, Karl-Heinz Wange (CDU), bedankt und ihm ihre Eindrücke geschildert.

Aus dem behüteten Elternhaus ging es hinein ins große Abenteuer: Die Schülerin des Bürener Mauritius-Gymnasiums zögerte keinen Moment, als sie unter fünf Kandidaten ausgewählt wurde und ihre Sprach- und Eignungskompetenz als letzte Hürde unter Beweis gestellt hatte. Wohin sie kam, wurde ihr vorgegeben. »Mit meinen Gasteltern habe ich richtig Glück gehabt, es hat alles gepasst«, war sie vom ersten Tag an ein Teil der Gastfamilie. Zur Begrüßung ging es zum Essen in ein Fast-Food-Restaurant – typisch amerikanisch eben. »Es kommt immer darauf an, dass man den Gastgebern zeigt, dass man sich integrieren will und kann. Mitmachen, lernen, auf die Menschen zugehen. Das öffnet die meisten Türen.«

Politik sei zwar häufig Thema in der Familie gewesen, die sich zu den bekennenden Trump-Fans zählt, aber auch sie durfte ohne Probleme ihre »deutsche« Sichtweise äußern. Dass Charlotte die Integration gelungen ist, wird an einem Detail deutlich: Sie spricht deutsch mit einem dezenten, aber nicht zu überhörenden amerikanischen Zungenschlag. Manchmal rutschen ihr auch englische Vokabeln raus, wenn sie von ihrem Alltag erzählt. Ein Alltag, wie ihn Millionen Amerikaner in den ländlich geprägten Bundesstaaten leben.

Die High-School hat auch Charlottes Tagesablauf bestimmt. Sie war die einzige Austauschschülerin dort. »Jeder hat und nutzt den PC intensiv, den man für 40 Dollar im Jahr mieten kann.«

Viele Hausarbeiten und Prüfungen laufen nach dem Multiple-Choice-Prinzip (es stehen mehrere vorformulierte Antworten auf jede Frage zur Verfügung). »Unterm Strich ist das leichter, als selbst Antworten zu finden«, meint Charlotte, die mit Bravour ihren High-School-Abschluss geschafft hat. Auf dem »Mau-Mau« steigt sie wieder in der 12. Klasse (Q1) ein. Ob es ein verlorenes Jahr in den USA war? »Auf gar keinen Fall«, zieht Charlotte Bilanz. »Ich habe dort Dinge gesehen und gelernt, die hier nicht zum Lehrplan gehören. Es war einfach toll!«

Sport und Teamgeist haben im amerikanischen System einen hohen Stellenwert, besonders wenn man »seine« Schule im Wettkampf mit anderen unterstützen kann. So hatte sie sich schon vor ihrem Abflug nach Minnesota fest vorgenommen, möglichst viele Angebote anzunehmen und bekam am Ende neben dem High-School-Diplom auch noch Zertifikate über Sozialstunden.

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