Figuren aus der St.-Matthäus-Pfarrkirche Niederntudorf weilen auf Hof Wedeking
Zufluchtsort für gestrandete Heilige

Salzkotten (WB). Es ist ein sonniger Morgen auf dem Hof Wedeking am östlichen Ortseingang Niederntudorfs. Mit Gottes Hilfe und fleißigen Händen haben die Eheleute Maria und Otto Wedeking 1973 die alte Hofstelle wieder flott gemacht. Dort weilen derzeit die Heiligenfiguren von St. Matthäus im wahrsten Wortsinn zur Sommerfrische.

Mittwoch, 01.08.2018, 15:18 Uhr aktualisiert: 01.08.2018, 15:20 Uhr
Küchenidyll: Die Apfelstunde der Wedekings ist ein tägliches Ritual, manchmal schauen ihnen dabei die über viele Jahre geretteten Schutzheiligenfiguren über die Schulter, die von dem gelernten Malermeister liebevoll restauriert werden. Foto: Günther Uhrmeister
Küchenidyll: Die Apfelstunde der Wedekings ist ein tägliches Ritual, manchmal schauen ihnen dabei die über viele Jahre geretteten Schutzheiligenfiguren über die Schulter, die von dem gelernten Malermeister liebevoll restauriert werden. Foto: Günther Uhrmeister

Im Morgenlicht der Küche treffen sich bescheidene Schlichtheit und lebensfrohe Herzenswärme. Otto (82) und Maria (81) Wedeking sitzen sich zur täglichen »Apfelstunde« gegenüber. Sie teilen sich jeden Tag zur gleichen Zeit einen Apfel. »Geteilte Freud ist doppelte Freud«, lacht Maria. »Es war Liebe auf den ersten Anblick«, erinnert sich Otto mit einem Augenzwinkern an die erste Begegnung mit seiner Frau. Sie hatte ihm einen Henkelmann gemacht für die Arbeit, die Erbsensuppe war wie üblich am Tag danach schon etwas säuerlich. Aber die »Süße« des ersten Augenblicks überwog, und sie verbindet Maria und Otto bis heute.

Gerüste dominieren die Baustelle St. Matthäus. Auf frische Farben, neue Beleuchtung und moderne Technik freuen sich die drei Kirchenvorstände (von links) Ludger Stennes, Manuela Schnückel, Ferdi Falke und die Bauleiterin Ursula Rücker.

Gerüste dominieren die Baustelle St. Matthäus. Auf frische Farben, neue Beleuchtung und moderne Technik freuen sich die drei Kirchenvorstände (von links) Ludger Stennes, Manuela Schnückel, Ferdi Falke und die Bauleiterin Ursula Rücker. Foto: Günther Uhrmeister

Zeitlebens hat das gottesfürchtige Ehepaar nicht nur einen gesegneten kinderreichen Haushalt umsorgt. Beide sind bis heute unermüdliche menschliche Schutzpatrone für gestrandete Heiligenfiguren und religiöse Bildnisse.

»Es fing an mit der Mutter Anna, das ist die Mutter der Maria, der Mutter von Jesus, die in der Figur als kleines Kind zu sehen ist«, erzählt der gelernte Malermeister und frühere Küster der Kirchengemeinde lebhaft und mit leuchtenden Augen.

Im Wohnzimmer hängt ein großes Gemälde vom Tischgebet, »das sagt uns was«, sagen die Eheleute. Kruzifixe in allen Größen, Heiligenfiguren aus Gips oder aus Holz und auch Heiligenbilder, »alles hat im Tempel Wedeking, wie schon manche Leute zum Hof sagen, über die Jahre einen Zufluchtsort gefunden«, lässt Maria durchblicken. »Und wäre sonst schon nicht mehr da«, ergänzt Otto, denn die meisten Exponate sollten eigentlich auf dem Müll landen.

Die Mutter Gottes aus Lourdes, der Hirtenknabe, der zerschlagen in einem Heiligenhäuschen in Oberntudorf lag, und die vielen anderen Figuren mit ihren einzigartigen Geschichten, alle sind wieder heil geworden in der Schutzpatronatsstelle Wedeking.

Schatzkammer der Schutzheiligen

In der »Schatzkammer der Schutzheiligen« hinter einem profanen Türschild mit der Aufschrift »Werkstatt« strahlt die ausgezogene Schar der 17 Schutzheiligen von St. Matthäus in frischen Farben. »Der heilige Aloisius war voller Wurm«, denkt Otto sorgenvoll zurück. Mutter Anna, Herz Jesu, Matthäus, der Schutzpatron der Pfarrkirche, die Heilige Elisabeth aus Thüringen, die ihren Reichtum an die Armen verschenkte, Liborius und all’ die anderen. Namen und Sinnbilder der testamentarischen Geschichte. Drei Figuren warten noch auf die Frischekur des Malermeisters: die heilige Klara, Namensgeberin der Klarissenklöster, der Heilige St. Florian mit hölzernen Nachbildungen von Pfarrkirche und Pfarrhaus zu seinen Füßen sowie auch der heilige Johannes der Täufer.

Die Zeit der Innenrenovierung von St. Matthäus ist die Zeit der baulichen, aber auch der geistigen Erfrischung und hat ihren ganz eigenen Charme: die gemeinsamen Messen der Tudorfer in der benachbarten Kirche St. Georg in Oberntudorf, die besinnlichen Stunden der Frühmesse in der provisorischen Kapelle im Pfarrheim und die Pozessionsmesse zum Antoniusfeiertag, die Wessels Scheune als puristisches Gotteshaus glänzen ließ; und nicht zuletzt die seeligen Sommertage der Eheleute Wedeking. Allerheiligen sollen die Heiligen und die noch still ruhende Orgel wieder das strahlend sanierte Gotteshaus zum Leben erweckt.

Kirchensanierung kostet halbe Million Euro

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun: Beinahe babylonisch türmen sich Gerüste auf und heben Handwerker wie inspizierende Kirchenvorstände dem Himmel ein Stück näher. Zumindest reichen die Nasenspitzen der Bauinspekteure bis unter die bereits frisch erstrahlende Gewölbedecke. Auch wenn die mühsamen Kunstmalerarbeiten viel Zeit beanspruchen, gibt es noch ausreichend Puffer im Terminplan. Da ist Bauleiterin Ursula Rücker zusammen mit den Kirchenvorständen Ludger Stennes, Manuela Schnückel und Ferdi Falke zuversichtlich.

Die neuzeitliche Manchettenmalerei mit dem Schlussstein über dem Chorraum und dem Kapitell sind gesäubert und bekommen im alten Stil nur noch ein paar frische Farbtupfer sowie eine ursprüngliche Vergoldung. Alles ist dezent betont und wirkt nicht überladen. »Weniger ist mehr«, sind sich auch die Kirchenvorstände einig. Die vorhandenen Farbgebungen werden aufgenommen und nur an ausgewählten Stellen anders betont.

Die Bauinspekteure sind mit der Zwischenbilanz zufrieden, denn auch die Kosten laufen nicht davon. Die gute halbe Million gilt es, mit einem Zuschuss in Höhe von 320.000 Euro und einem restlichen Anteil von 190.000 Euro der Kirchengemeinde selbst zu stemmen. Deshalb sind Eigenleistung und Spenden weiterhin gefragt, wenn die Heiligenfiguren und alle »Bewohner« pünktlich wieder in das Gotteshaus einziehen sollen.

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