Mi., 17.10.2018

Thüler Bürger wehren sich gegen Mobilfunkanlage am Stangenweg Funkmast stört den Dorffrieden

Mit einer Fotomontage wollen die Funkturmgegner verdeutlichen, welche optischen Auswirkungen der Mobilfunkmast auf das Landschaftsbild hätte.

Mit einer Fotomontage wollen die Funkturmgegner verdeutlichen, welche optischen Auswirkungen der Mobilfunkmast auf das Landschaftsbild hätte.

Von Marion Neesen

Thüle (WB). Der Kirchturm in Thüle ist 30 Meter hoch. Er könnte Konkurrenz bekommen. Am Stangenweg zwischen Sportplatz, Tennisplätzen und Golfplatz ist ein Standort in den Fokus gerückt, den die Deutsche Telekom zur Errichtung eines Mobilfunkmastens für geeignet hält. Die Anwohner halten davon gar nichts.

Mit knapp 40 Metern Höhe werde der Funkmast das Landschaftsbild nachhaltig zum Negativen verändern, meint eine Gruppe Thüler Bürger, die sich zur Interessengemeinschaft »Kein Funkturm am Sportgelände« formiert hat. Abgesehen von einer optischen »Verschandelung« des Naherholungsgebietes fürchten die Anwohner gesundheitliche Beeinträchtigungen. Überhaupt nicht einverstanden sind sie zudem mit der Informationspolitik der Stadt.

Thüler fühlen sich nicht informiert

»Ich habe Ende des vergangenen Jahres rein zufällig davon erfahren«, findet Klaus Berhorst es nicht in Ordnung, dass die Thüler bei der Suche nach einem Standort nicht ins Boot geholt worden sind. Denn mittlerweile haben sie erfahren, dass zuvor auch andere Standorte wie das Rauschfeld in Frage gekommen wären, sich Anwohner aber offenbar erfolgreich dagegen gewehrt hätten.

»Wir sind nicht generell gegen einen Funkmasten, jeder hat heutzutage ein Handy«, sieht Friederike Berhorst durchaus eine Notwendigkeit des LTE-Netzausbaus, »Mobilfunk gehört heute zum täglichen Leben dazu. Uns geht es aber darum, einen Standort zu finden, der für alle Thüler Bürger in Ordnung ist.« Inzwischen haben die Thüler ausführliche Hintergrundinformationen eingeholt. Demnach sei die im Bundesgolddorf bereits vorhandene Antenne auf der Thüler Kuchenfabrik mit einer Höhe von 15 Metern nicht mehr ausreichend. »Offenbar hat sich die Telekom entschlossen, gleich einen neuen Masten zu bauen«, so Friederike Berhorst. Der nun favorisierte Standort befinde sich auf städtischem Boden, vermuten die Thüler, dass die Stadt hier den einfachsten Weg gehen will.

Angst vor Strahlung

»Für uns wäre der Bau an dieser Stelle eine Katastrophe«, sagt Ralf Niggemeier, Manager des Golfclubs Paderborner Land, »Golf wird heute auch unter dem Aspekt der Erholung gespielt. Da wäre ein Mobilfunkmast total kon­traproduktiv.« Die Funkturmgegner verweisen außerdem auf den Trainings- und Spielbetrieb auf Fußball- und Tennisplätzen sowie auf den Festplatz der Schützen in unmittelbarer Nähe. Sportler und Anwohner könnten sich der permanenten Strahlenbelastung wohl kaum entziehen. »Wir wissen nicht, ob es schädlich ist, über Jahrzehnte in unmittelbarer Nähe eines dauerhaft strahlenden Sendemastens zu leben«, fordern die Antennengegner ihre Mitbürger in einem Flyer auf, sie bei der Suche nach einem Alternativstandort zu unterstützen. Dabei betonen sie, es gehe nicht darum, das Problem innerhalb des Ortes zu verlagern. »Natürlich wollen wir nicht, dass andere Thüler Bürger belastet werden. Was Thüle aber immer stark gemacht hat, ist die Gemeinschaft. Wir Thüler machen alles zusammen. Daher wollen wir, dass die Thüler Gemeinschaft gefragt wird und zusammen einen Standort findet, mit dem alle leben können«, so Friederike Berhorst.

Ihr Vater Klaus hat nun selbst die Initiative ergriffen und sich umgehört. So kämen aus seiner Sicht trotz der Vogelschutzgebiete durchaus Standorte in der Feldflur rund um das Bundesgolddorf in Frage. Auch vorhandene Masten der Stromleitungen zu nutzen, sei nicht ausgeschlossen. Viele Thüler wüssten überhaupt noch nichts von den Plänen, glauben die Antennengegner. Daher rufen sie die Thüler auf, am Montag, 22. Oktober, um 17 Uhr an einer Informationsveranstaltung im Salzkottener Rathaus teilzunehmen.

Stadt hat Mitwirkungspflicht bei der Standortsuche

Ludwig Bewermeier, Leiter des Fachbereiches Stadtentwicklung, bestätigt auf WV-Anfrage, dass die Telekom bereits seit sechs Jahren nach einem geeigneten Standort für einen nach seinen Informationen 30 Meter hohen Mobilfunkmasten in Thüle sucht. Als Lizenzinhaber habe die Telekom eine vom Bund auferlegte Verpflichtung, eine ausreichende Versorgung mit mobilen Datenvolumen sicherzustellen. Dabei habe die Stadt eine Mitwirkungspflicht, soll also bei der Standortsuche helfen. Im Stadtgebiet Salzkotten stünden derzeit 18 Funkanlagen, zum Teil mitten in der Stadt. Thüle gelte als unterversorgt. Ein Bauantrag läge der Stadt aber weder für Thüle noch einen anderen Ort vor. Aus statischen Gründen eigne sich die Kuchenfabrik nicht für die Errichtung eines höheren Funkmastens. Zudem habe der Eigentümer den Vertrag mit der Telekom gekündigt. Bisher seien fünf Standorte untersucht worden, die aber alle auf privaten Grundstücken lägen. In einem Fall sei ein bereits unterschriebener Vertrag wieder zurückgenommen worden.

»Wir haben der Telekom inzwischen weitere fünf Standorte vorgeschlagen, die das Unternehmen aus funktechnischer Sicht auf seine Eignung überprüft hat. Das Ergebnis will die Telekom der Interessengemeinschaft am Montag vorstellen«, so Bewermeier. Auf den Vorwurf der mangelenden Information verwies Bewermeier auf Grundstücksangelegenheiten, die nichtöffentlich behandelt werden müssten. »Wir können die technische Entwicklung nicht aufhalten. Die vorhandenen Antennen reichen nicht aus. Die Frage bleibt aber immer, wohin mit den Mobilfunkmasten«, erläutert Bewermeier das Dilemma.

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