Friederike und Borkenkäfer setzen Salzkottener Stadtwald zu
Holz ist faul und miserabel

Salzkotten (WB). Forstdirektor Andreas Becker spricht von Massenerkrankungen, die es seit 70 bis 80 Jahren nicht mehr gegeben habe. In der unglücklichen Gemengelage von Sturm und Trockenheit hat der Borkenkäfer in den heimischen Wäldern zugeschlagen und große Fichtenbestände vernichtet.

Montag, 22.10.2018, 14:48 Uhr aktualisiert: 22.10.2018, 14:50 Uhr
Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. In den heimischen Wäldern richten die Käfer derzeit großen Schaden an. Die Förster sprechen von Massenerkrankungen wie seit 80 Jahren nicht mehr. Foto: dpa
Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. In den heimischen Wäldern richten die Käfer derzeit großen Schaden an. Die Förster sprechen von Massenerkrankungen wie seit 80 Jahren nicht mehr. Foto: dpa

In der jüngsten Salzkottener Ratssitzung lagen die Forstwirtschaftspläne für das kommende Jahr zur Beratung an. Stadtförster Waldemar Makowka und Andreas Becker, Leiter des Gemeindeforstamtes Willebadessen, hatten dabei nichts Gutes zu berichten. Von faulem und miserablen Holz und Preisen im Keller, sprach Makowka. »Es hat den Wald schlimmer getroffen als 2007 beim Orkan Kyrill«, ergänzt Becker. Doch wäre es »nur« der Sturm Friederike gewesen, der dem Salzkottener Wald zugesetzt habe, »wären wir zur Jahreswende mit der Aufarbeitung fertig gewesen«, so Becker.

Förster sind machtlos

Dann kamen jedoch Trockenheit und Borkenkäfer. Europaweit sei der Schädling unterwegs. Die Sägewerke kämen mit der Verarbeitung des geschlagenen Holzes gar nicht mehr nach. »Das ist für die Forstwirtschaft in ganz Mitteleuropa ein einschneidendes Jahr«, sagte der Forstdirektor vor dem Salzkottener Stadtrat. Gegen den Borkenkäfer seien die Förster machtlos. Die Schädlinge fänden bei den vorgeschädigten Bäumen ideale Bedingungen für eine Massenvermehrung. Auch Borkenkäferfallen seien sinnlos. Vielleicht fange man damit 90 Prozent, die verbleibenden zehn Prozent reichten für eine weitere schädigung der Bäume und zur Vermehrung aber aus.

8000 Festmeter Fichten betroffen

Der Anteil des Fichtenbestandes im Sälzer Stadtwald sei von knapp 17 Prozent im Jahr 2012 auf zehn bis zwölf Prozent gesunken. Der Schaden belaufe sich derzeit auf 8000 Festmeter. Nicht ganz so schlimm sei es beim Laubholz, hier seien etwa 1000 Festmeter betroffen. Aber Friederike habe sogar 100 Festmeter standhafte Eichen gekippt, gut überstanden habe den Sturm lediglich der Bergahorn. Geschlagen werde derzeit nur Holz, das krank ist, so Waldemar Makowka. Langfristig, was in der Forstwirtschaft etwa 120 Jahre bedeute, wollen man den Bestand wieder auf das gleiche Niveau wie bisher bringen. Genaue Zahlen zum Bestand in den Stadtwäldern soll die Forsteinrichtung im Frühjahr 2019 bringen.

24.000 Neupflanzungen

Rund 77.000 Euro wollen die Förster 2019 in den Kulturplan investieren. Diese sollen unter anderem für 24.000 Neupflanzungen verwendet werden. Weiterhin wird Geld unter anderem für die Pflege des Bestandes, den Gatterbau für den Schutz vor Wildschäden sowie für die Beseitigung von Abfällen im Wald eingesetzt.

Die Erlöse aus dem Holzverkauf sollen sich auf 240.000 Euro belaufen. Dafür sieht der Hauungsplan 950 Festmeter Laub- und 3200 Festmeter Nadelholz vor, so dass insgesamt 4150 Festmeter geschlagen werden. Die Aufwendungen im Forstwirtschaftsplan belaufen sich, ausgenommen Personalkosten, auf insgesamt 102.700 Euro. Neben dem Kulturplan fallen Holzernte- und Rückekosten in Höhe von 25.600 Euro an.

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