Juwelier Esser feiert Jubiläum – 70 Jahre Familientradition in Salzkotten
Von wegen mal eben

Salzkotten (WB). »Wir können weder schnell noch billig« – eigentlich keine gute Werbung, was Claudia Esser über das Juweliergeschäft an der Lange Straße sagt. Und doch: Die Spezialisten für Uhren und Schmuck gibt es mittlerweile seit 70 Jahren in Salzkotten. Bei Juwelier Esser wissen es die Kunden offenbar seit sieben Jahrzehnten zu schätzen, dass hier nichts »mal eben« gemacht wird.

Montag, 29.10.2018, 23:34 Uhr aktualisiert: 30.10.2018, 09:16 Uhr
Frank und Claudia Esser feiern Jubiläum. Ihr Fachgeschäft gibt es seit 70 Jahren in Salzkotten. Foto: Claudia Böckelmann Foto:
Frank und Claudia Esser feiern Jubiläum. Ihr Fachgeschäft gibt es seit 70 Jahren in Salzkotten. Foto: Claudia Böckelmann Foto:

Claudia und Frank Esser führen den Familienbetrieb in zweiter Generation. Frank Essers Vater Helmut, der das Geschäft gegründet hat, war ein fleißiger Tagebuchschreiber. Daher weiß das Ehepaar genau, wie alles begann. »Mein Vater hatte seine erste kleine Werkstatt auf dem Dachboden des Hauses Daniels, ganz in der Nähe der Kirche. Der Lohn für seinen ersten Auftrag nach dem Krieg, die Reparatur einer Standuhr auf einem Bauernhof, waren drei Eier und ein Esslöffel Butter«, erzählt Frank Esser (57).

Eingespieltes Team in Werkstatt und Laden

Helmut Esser war Uhrmachermeister, auch sein Sohn erlernte dieses Handwerk. So war es selbstverständlich, dass er den Betrieb übernahm. Claudia Esser ist eigentlich gelernte Hotelfachfrau, doch sie hat auch eine kreative Ader. Das Ehepaar ist ein eingespieltes Team in Werkstatt und Laden.

Wichtig ist den Essers, Qualität abseits der Internetmassenware zu liefern. »Wir haben uns auf Produkte ›Made in Germany‹ spezialisiert«, sagt Claudia Esser. Hinzukommt die Fertigung ganz persönlicher Schmuckstücke direkt vor Ort. Dabei stehen 70 Jahre Familienbetrieb keineswegs für verstaubtes Allerlei. »Ich glaube, unsere Kunden schätzen, dass wir voll hinter unserer Sache stehen und dafür brennen«, so Claudia Esser.

Längst haben auch der Computer und moderne Gravurtechnik Einzug in die Werkstatt gehalten. Ob Liebesschwüre in sämtlichen Sprachen, Symbole oder einfach nette Wort für geschätzte Menschen – alles lässt sich in Schmuckstücke und insbesondere Ringe eingravieren. Sehr beliebt sind auch die persönlichen Fingerabdrücke und sogar die Hundepfote des geliebten Vierbeiners auf einem Anhänger an der Halskette oder einem Armband.

Schmuckstücke sind manchmal kurios

»Unsere Kundschaft ist ganz bunt gemischt, jung und alt«, so Claudia Esser. Ob Bauchnabelpiercing aus Naturperlen oder der klassische Trauring – das Fachgeschäft hat eine umfangreiche Angebotspalette.

Bei der Auswahl von Trauringen nimmt Claudia Esser sich besonders viel Zeit für ihre Kunden, hat aber auch schon die kuriosesten Geschichten erlebt. Noch ganz präsent in der Erinnerung ist der 44-Jährigen ein Paar, das sich nach fast zweistündiger Beratung für ganz besondere Ringe entschieden hatte. Als der Kauf perfekt war, stellte die junge Braut noch eine eher nebensächliche Frage, die ihren Zukünftigen aber offenbar noch einmal ganz grundsätzlich ins Grübeln brachte, so dass er einfach das Geschäft ver- und seine Braut zurückließ. Ob die beiden jemals geheiratet haben, weiß Claudia Esser nicht. Bei zwei anderen Heiratswilligen dagegen verliebte sich die Braut in ein recht teures Ringepaar. Weil’s ihm zu teuer war, verzichtete er und es gab nur einen Ring für sie. Das war wohl echte Liebe.

Auch die Schmuckstücke selbst, sind manchmal kurios. So fertigt Claudia Esser gerade aus einem silbernen Tortenheber aus Omas Besteckkasten einen Handtuchhalter für die Wand. »Wir machen alles«, lacht sie, »aber eben nicht ›mal eben‹.«

Für die feinmechanischen Dinge ist Frank Esser zuständig. In den Regalen in der Werkstatt warten ungezählte Uhren darauf, in seinen Händen wieder richtig zu ticken. Bei den Essers zuhause hingegen geht so manche Uhr falsch. »Die Kundenuhren gehen halt vor«, sagt Frank Esser. So muss auch manches der alten Schätzchen, die seine Frau in einer Vitrine im Geschäft sammelt, noch auf des Uhrmachers Geschicklichkeit warten.

Erste Schritte im Internet

Wenn die Essers nicht arbeiten, sind sie sportlich unterwegs, meistens unter Wasser. Denn Claudia und Frank Esser sind begeisterte Taucher, schließlich haben sie sich auch bei diesem Sport kennengelernt. Ihre beiden Kinder werden das Geschäft wohl nicht übernehmen, beide lernen andere Berufe. Aber das finden Claudia und Frank Esser nicht schlimm. »So stehen wir nicht unter dem Zwang, einen wirtschaftlich gut aufgestellten Betrieb übergeben zu müssen und können noch richtig Gas geben und Neues probieren«, meint Claudia Esser, die viele Ideen hat.

Zurzeit wagen die Essers ihre ersten Schritte im Internet. Doch die Kunden vor ihrer Ladentheke im Geschäft an der Lange Straße stehen weiterhin an erster Stelle. Dabei werden sie nicht mal eben schnell, sondern echt gut bedient, versichert Claudia Esser.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6154725?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851069%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker