Berufe-Speed-Dating: Handwerker dringend gesucht
Auf die Schnelle eine Stelle

Salzkotten(WV). Morgens ein Blick in den Kühlschrank und bei fast allen Produkten hatte die Bürener Firma Argus Additive Plastics ihre Finger im Spiel. Das wussten Florian und Marlon bis gestern noch nicht. Und vielleicht wäre eine Ausbildung bei Argus eine interessante Sache für sie.

Dienstag, 13.11.2018, 17:06 Uhr aktualisiert: 13.11.2018, 17:08 Uhr
Sonja Wenzel und Wilfried Helle von der Firma Argus Additive Plastics halten nicht nur erstaunliche Infos aus der Bürener Firma bereit, sondern haben auch mehrere Stellen anzubieten. In Marlon Dinse (15/hinten) und Florian Popp (16) haben sie aufmerksame Zuhörer.
Foto: Marion Neesen

Die beiden Schüler der Salzkottener Gesamtschule nutzten das zweite Berufe-Speed-Dating in der Mensa ihrer Schule, um sich über Ausbildungsplätze zu informieren. Beim Berufe-Speed-Dating können Schüler mit Arbeitgebern direkt und unkompliziert Kontakt aufnehmen und auf die Schnelle eine Stelle bekommen. Robin Röhrig vom Dachdeckerbetrieb Deppe/Ilse wäre das sehr recht. »Wir stellen sofort ein. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, nicht erst zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres«, beschreibt Röhrig, dass sein Handwerk ebenso wie viele Betriebe anderer Gewerke händeringend Auszubildende sucht. Im vergangenen Jahr hat es beim Speeddating nicht geklappt, diesmal hält Röhrig zumindest schon einmal eine Bewerbung in Händen.

Viele Schüler wissen noch nicht, welche Ausbildung sie wollen

Auch Sonja Wenzel, Assistentin der Geschäftsleitung bei Argus, blickt beinahe etwas hoffnungslos drein. Vier Verfahrenstechniker werden dringend im Team gebraucht. Das Bürener Unternehmen liefert Material für Produkte, die jeder schon einmal in Händen hatte, in alle Welt. Ob Joghurtbecher, Kunstrasen oder Zahnbürsten – mit so genannten Masterbatches (Granulate) sorgt Argus dafür, dass diese Alltagsgegenstände aus Kunststoff praxistauglich sind. So haftet am Joghurtbecher kein Staub, der Kunstrasen bleibt grün und stabil und die Zahnbürste bietet Bakterien kein Zuhause.

»Viele Schüler wissen noch gar nicht, was sie wollen«, hat Sonja Wenzel festgestellt. Manche meinten aber auch, sie müssten sich nicht kümmern, führt sie eine solche Einstellung auf die »Generation Handy« zurück. So glaubten junge Leute oft, wenn es soweit wäre, helfe das Smartphone schon weiter. Florian Popp (16) weiß hingegen auf jeden Fall schon mal, dass er ins Handwerk will. Und da können ihn Sonja Wenzel und ihr Kollege Wilfried Helle auf den Geschmack bringen.

Auch Jungen sind hinter der Brottheke gut aufgehoben

Birgit Laufs von der Bäckerei Lange empfiehlt den jungen Leuten, auch einmal ein bisschen umzudenken. So haben bei Lange inzwischen auch Jungen Gefallen am Beruf des Bäckereifachverkäufers gefunden, der bislang überwiegend von weiblichen Mitarbeitern besetzt ist. »Mehr als 1200 Ausbildungsstellen sind im Kreis Paderborn noch unbesetzt«, hat Katrin Pagel von der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit aktuelle Zahlen zur Hand, »die Auszubildenden können sich die Betriebe geradezu aussuchen.« Besonders groß ist der Bedarf auch im Bankenwesen (62 offene Ausbildungsplätze), im Einzelhandel (56) und bei den Industriemechanikern (55) sowie bei den Pflegeberufen (45).

Florian Meier, Lehrer an der Gesamtschule und für die Studien- und Berufsorientierung zuständig, blickt auf das vergangene Jahr zurück. »Nach dem Speeddating konnten mehrere Ausbildungsverträge abgeschlossen werden«, ist er zufrieden. Die familiäre Atmos­phäre in der Schulmensa helfe, Berührungsängste zwischen Arbeitgebern und Schülern abzubauen. Derzeit wachse nach seiner Einschätzung der erste Jahrgang heran, der nicht mehr ganz so stark in die Berufskollegs drängt. Das Handwerk wird’s freuen.

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