Giebel eines Ackerbürgerhauses in der Vielser Straße wird seit zwei Jahren gestützt
Noch keine Lösung fürs Stelzenhaus

Salzkotten (WB). Die gute Nachricht zuerst: Wer in Salzkotten durch die Vielser Straße geht, muss nicht befürchten, dass ihm das Haus mit der Nummer 15 vor die Füße fällt. Das hat eine Bestandsaufnahme im vergangenen Sommer ergeben. Dennoch fragen sich viele Salzkottener, wie es mit dem Fachwerkgebäude, dessen sich neigender Giebel seit 2017 von drei Holzbalken gestützt wird, weitergeht. Eine eindeutige Antwort gibt es darauf derzeit nicht. Doch es wird an einer Lösung gearbeitet.

Mittwoch, 13.03.2019, 04:06 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 08:06 Uhr
Seit März 2017 wird der Giebel des Ackerbürgerhauses in der Vielser Straße gestützt. Die Balken blockieren seitdem auf öffentlicher Fläche zwei Parkplätze. Das 250 Jahre alte Gebäude steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Foto: Marion Neesen
Seit März 2017 wird der Giebel des Ackerbürgerhauses in der Vielser Straße gestützt. Die Balken blockieren seitdem auf öffentlicher Fläche zwei Parkplätze. Das 250 Jahre alte Gebäude steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

Viele nennen es in zwischen nur noch das Stelzenhaus, nachdem der Kreis Paderborn im März 2017 aufgrund eines statischen Gutachtens die Stützmaßnahme veranlasst hatte. Bis April 2018 sollte der Eigentümer ein Instandsetzungs- und Sanierungskonzept vorlegen. Inzwischen geht die Stütze ins dritte Jahr, was viele Bürger ärgert, nicht nur weil die Balken auf öffentlicher Fläche stehen und Parkplätze blockieren. Auf Anfrage des Westfälischen-Volksblattes erklärte Fachbereichsleiter Stadtentwicklung Ludwig Bewermeier, dass mit dem Ehemann der Eigentümerin viele Gespräche geführt worden seien. Inzwischen lasse sich die Hausbesitzerin von einem Anwalt vertreten. Die Stadt als Untere Denkmalbehörde hat ihrerseits die Denkmalwürdigkeit noch einmal überprüft.

Die Schwelle des Giebels ist ausgespült. Der Schaden am Balken sei aber zu reparieren, meint Architektin Cornelia Lange.

Die Schwelle des Giebels ist ausgespült. Der Schaden am Balken sei aber zu reparieren, meint Architektin Cornelia Lange. Foto: Marion Neesen

Das so genannte Haus Altroggen steht seit 1995 unter Denkmalschutz. »An der Denkmalwürdigkeit hat sich nichts geändert«, sagt die Architektin Cornelia Lange, die Gelegenheit hatte, gemeinsam mit dem Eigentümer das Fachwerkhaus von innen zu begutachten. Das 250 Jahre alte Ackerbürgerhaus sei etwas Besonderes und ein Unikat, das den historischen Stadtkern Salzkottens stärke. »Es gibt Schäden, das ist unstrittig und klar, wenn lange nichts am Haus gemacht worden ist und das Wasser von oben ins Gebäude läuft«, so die Architektin, die insbesondere auf ein offenes Teilstück im First und einige fehlende Pfannen verweist.

Keine Einsturzgefahr

Einsturzgefährdet sei das Gebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber nicht. Auch die bedrohlich wirkende Neigung des Giebels könne gerichtet werden. Die Gefache und der größte Teil des verbauten Holzes seien in Ordnung. Die Balken seien rußgeschwärzt, was auf die einst offene Feuerstelle im Ackerbürgerhaus hindeute und das Holz konserviert habe. Die vorhandenen Schäden seien auf mangelnde Unterhaltung zurückzuführen, meint Cornelia Lange. Die Expertin, die auch an der Sanierung des Salinator-Penning-Hauses mitgewirkt hat, schätzt die Kosten einer reinen Instandhaltung auf rund 40.000 Euro. Als Eigentümer habe man zwar die Last des Denkmals aber auch die Chance auf Zuschüsse. Diese stünden unter anderem aus dem Städtebauförderprogramm zu Verfügung, so Ludwig Bewermeier. Zudem seien Investitionen zu 90 Prozent über zehn Jahre steuerlich absetzbar.

Denkmalschutz

Das Haus Altroggen ist laut Denkmalbehörde ein zweigeschossiges giebelständiges Fachwerkhaus und gilt als gut überliefertes Beispiel eines Ackerbürgerhauses aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der Begründung des Denkmalschutzes heißt es: Für die Erhaltung und Nutzung sprechen städtebauliche Gründe, weil das Gebäude wichtiger Bestandteil der noch von einer hohen Dichte historischer Bausubstanz geprägten Bebauung der Vielser Straße ist.

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Eile sei mit Blick auf eine Sanierung insofern geboten, als dass die Stützen auf einer öffentlichen Verkehrsfläche stünden und das Gebäude mehr und mehr in ein negatives Licht gerückt werde, so Cornelia Lange. Sie verweist außerdem auf die Pflicht eines Eigentümers, Schäden unverzüglich zu reparieren. »Dabei muss es nicht darum gehen, das Haus schön, sondern sicher zu machen und einen Verfall zu verhindern«, so Lange. Dem Bürger sei die jetzige Situation nicht länger zumutbar und sie schade dem Gesamteindruck der Straße.

Bürgermeister Ulrich Berger betont auf WV-Anfrage, dass die Stadt seit Monaten und Jahren bemüht sei, eine Lösung im Einvernehmen mit dem Eigentümer zu finden. »Man muss nun sehen, wie weit wir den partnerschaftlichen Weg gehen können«, verweist Berger auf ein laufendes Verwaltungsverfahren, »Angebote bestehen in jede Richtung.«

»Um das Denkmalschutzgesetz kommt man nicht herum«, erläutert Marcus Brokmann vom LWL-Denkmalschutz in Münster, »der Eigentümer hat eine Bringschuld, wenn ihn das Gesetz an die Grenzen bringt und eine Zumutbarkeit nicht mehr gegeben ist.« Demzufolge müsse der Eigentümer nachweisen, dass eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich sei. Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes könnten einen Übernahmeantrag stellen und die Stadt als Untere Denkmalbehörde müsse das Haus dann übernehmen.

Die Stadt könne aber auch im Sinne des Gesetzes tätig werden, wenn nach Ablauf einer Frist noch immer nichts geschieht. Sie kann selbst Handwerker beauftragen, die Schäden zu beheben, um den Verfall des Gebäudes zu stoppen.

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