Do., 21.03.2019

Grüne kritisieren »Kahlschlag« – Stadt verweist auf Verkehrssicherungspflicht »Mangelhaftes Umweltbewusstsein«

Den Lärmschutzwall im Bereich Eichfeld haben Mitarbeiter der Stadt aus Verkehrsicherungsgründen und aufgrund von Anwohnerbeschwerden auf den Stock gesetzt.

Den Lärmschutzwall im Bereich Eichfeld haben Mitarbeiter der Stadt aus Verkehrsicherungsgründen und aufgrund von Anwohnerbeschwerden auf den Stock gesetzt.

Salzkotten (WB/sen). Die Salzkottener Grünen kritisieren ein »radikales Vorgehen« der Verwaltung beim Rückschnitt des städtischen Grüns. Bäume und Hecken seien in großem Umfang der Kettensäge zum Opfer gefallen und in Teilbereichen komplett entfernt worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

»Was sich in den letzten Wochen im Stadtgebiet abgezeichnet hat, kann man im Grunde nicht mehr als Grünpflege bezeichnen – Kahlschlag trifft es da eher. Es ist natürlich notwendig, dass Hecken gelegentlich auf den Stock gesetzt oder ausgelichtet werden. Auch morsche Bäume können aus Gründen der Verkehrssicherheit häufig nicht erhalten werden und sind dann zu fällen. Wenn aber der Lärmschutzwall am Eichfeld auf 330 Meter Länge komplett abgeräumt wird, geht ein Rückzugsraum für unzählige Kleintiere, Vögel und Insekten verloren. Dort steht jetzt kein Baum und kein Strauch mehr«, erklärt Ratsfrau Petra Hundt dazu.

Radikales Umdenken gefordert

Die Grünen kritisieren ein offensichtlich »mangelhaftes Umweltbewusstsein« bei der Pflege des öffentlichen Grüns. Auch ein Grünstreifen am Verner Schützenplatz sei rigoros ausgeräumt worden. Derartige Hau-Ruck-Aktionen seien nicht mehr zeitgemäß und schadeten der biologischen Vielfalt in der Stadt. Dies sei auch deshalb befremdlich, da Landrat Müller noch vor wenigen Wochen alle Bürgermeister im Kreis Paderborn unterrichtet habe, dass dem Artenschutz eine hohe Priorität einzuräumen sei, so die Grünen weiter.

»Wie können Rat und Verwaltung erwarten, dass die Bürger ihre Gärten naturnah gestalten und auf Steinschüttungen verzichten, um einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten, wenn die Stadt selbst mit einem derart schlechten Beispiel vorangeht?«, fragt der Sprecher des Ortsverbandes, René Scherf. Die Grünen fordern ein radikales Umdenken bei der Grünpflege. Obwohl die Stadt im vergangenen Jahr dem Verein »Kommunen für biologische Vielfalt« beigetreten sei, fehle es offensichtlich noch immer am geringsten Fingerspitzengefühl für eine umweltschonende und naturnahe Grünpflege.

»Hinzu kommt, dass neue Bäume nur sehr zögerlich nachgepflanzt werden. Wir haben in den letzten Jahren mehr Bäume verloren als ersetzt wurden. Das ist sehr schade, denn das Budget für die Grünunterhaltung ist in den letzten Jahren nie ausgeschöpft worden«, so der Fraktionsvorsitzende Marc Svensson. Ludwig Bewermeier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, begründet auf WV-Anfrage die Pflegearbeiten vor dem Hintergrund der Verkehrssicherungspflicht und der Anliegerwünsche. Der Lärmschutzwall am Eichfeld sei vor fast 40 Jahren angelegt und seitdem nie zurückgeschnitten worden. Anwohner hätten sich massiv über Wildwuchs und Schattenwurf beschwert. Auch sei die Verkehrssicherheit der hoch gewachsenen Bepflanzung zum Teil nicht mehr gegeben gewesen. »Wir sind dort unserer Pflicht nachgekommen«, sagte Bewermeier. Im vergangenen Jahr sei ein erster Abschnitt des Walls auf den Stock gesetzt worden, in diesem Jahr der zweite Streifen. Bewermeier versicherte, dass Büsche und Sträucher wieder ausschlagen werden, das sei im ersten Abschnitt bereits geschehen.

Schützenverein will neue Hecke pflanzen

Auch am Verner Schützenplatz habe es Beschwerden gegeben, so Bewermeier. Hier seien die Pflegearbeiten in Absprache mit dem Schützenverein erfolgt. Dabei seien großkronige Bäume stehen geblieben und der sich mangelhaft entwickelnde Bewuchs entfernt worden. Auch hier habe die Verkehrssicherheit eine Rolle gespielt. Die Verner Schützen stellen dort jährlich ihr Festzelt auf und hätten in den Bäumen eine Gefahr gesehen. »Der Schützenverein wird an der östlichen Grenze des Grundstückes eine Hainbuchenhecke neu anpflanzen«, informierte Bewermeier.

»Wo wir Bäume entfernen, wird auch wieder nachgepflanzt, es sei denn die Sicht im Straßenverkehr würde behindert«, sagte Ludwig Bewermeier zum Vorwurf der Grünen, das Budget zur Grünunterhaltung werde nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig verwies der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung darauf, dass inzwischen 14.000 Bäume in das Baumkataster aufgenommen worden seien und in regelmäßigen Abständen überprüft würden, was ebenfalls aus dem Grünunterhaltungsbudget finanziert werde.

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