Fr., 17.05.2019

Verner Straße: Bürger erstattet Anzeige gegen Straßen NRW und Kreis »Nicht unter den Tisch kehren«

Am Karfreitag verlor eine 37-jährige Mutter nach einem Unfall auf der Verner Straße ihr Leben. Ein Autofahrer war in die Fahrradgruppe ­gefahren. Ein Ersthelfer hat nun vor dem Hintergrund der fehlenden Markierungen Anzeige erstattet.

Am Karfreitag verlor eine 37-jährige Mutter nach einem Unfall auf der Verner Straße ihr Leben. Ein Autofahrer war in die Fahrradgruppe ­gefahren. Ein Ersthelfer hat nun vor dem Hintergrund der fehlenden Markierungen Anzeige erstattet. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Marion Neesen

Verne (WB). Ein Bürger aus Verne hat Anzeige gegen den Landesbetrieb Straßen NRW und den Kreis Paderborn erstattet. Der 72-Jährige leistete am Karfreitag als erster Nichtbeteiligter Hilfe beim Unfall auf der Verner Straße , nachdem ein 28-jähriger Autofahrer in eine Fahrradgruppe gefahren war. Bei dem Unfall starb eine 37-jährige Mutter, ihre beiden Töchter wurden verletzt.

Man könne viel spekulieren, ob das Fehlen der Markierungen auf der Fahrbahn begünstigend oder ursächlich für den Unfall gewesen sei, sagt der 72-jährige Verner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Für ihn haben die fehlenden Markierungen aber zumindest einen »erleichternden Charakter«, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung formuliert.

Daher habe er sich eine Woche nach dem Unfall dazu entschlossen, Anzeige zu erstatten. Ob nun dem Autofahrer möglicherweise die Orientierung gefehlt habe und er so zu weit rechts gefahren sei, will der 72-Jährige nicht beurteilen. Er ist aber überzeugt davon, dass es durch die fehlende Fahrbahnmarkierung leichter zum Unfall kommen konnte.

Landstraße wurde 2018 saniert

»Ich sehe die Gefahr, dass dieser Aspekt unter den Tisch gekehrt wird«, befürchtet der Verner. Mit der Anzeige hegt er die Hoffnung, dass das Thema bei den Ermittlungen weiter verfolgt wird. Aus seiner Sicht sei im Vorfeld von den verantwortlichen Behörden grob fahrlässig gehandelt worden. »Wenn ich als Bürger meiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachkomme, werde ich sofort zur Rechenschaft gezogen«, vergleicht der 72-Jährige.

Zum Hintergrund: Die Landstraße zwischen Verne und Salzkotten ist 2018 saniert und mit einer neuen Fahrbahndecke versehen worden. In der Regel veranlasst Straßen NRW als Baulastträger im Anschluss die Fahrbahnmarkierung. Im Fall der Verner Straße gab es jedoch unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein Radweg auf der Fahrbahn eingerichtet werden kann. Nach dem bis dato gültigen Regelwerk sei das nicht möglich gewesen, hatte der Kreis Paderborn mitgeteilt. Neue Richtlinien hätten zunächst abgewartet werden müssen.

Zwei Tage vor dem Unfall war in einem Gespräch zwischen Vertretern der Bezirksregierung, des Kreises, der Polizei, der Stadt Salzkotten und von Straßen NRW ein Mehrzweckstreifen an beiden Seiten der Fahrbahn befürwortet worden. Nach Kenntnis der Stadtverwaltung Salzkotten sollen diese kurzfristig aufgetragen werden.

»Das Thema ist deutlich vor dem Unfall eingehend diskutiert worden, ohne dass etwas gemacht worden ist«

 

»Das Thema ist deutlich vor dem Unfall eingehend diskutiert worden, ohne dass etwas gemacht worden ist«, sagt der Verner. Gelbe Markierungen seien nur im Bereich Klein Verne aufgebracht worden. »Sicher gibt es Regeln, die noch in Vorbereitung sind. Aber sicherlich hätte man eine temporäre Lösung finden können.« Der Verner möchte verhindern, dass einfach so zur Tagesordnung übergegangen werde. »Sicherlich macht eine Anzeige niemanden mehr lebendig, aber es muss mehr passieren, als nur Bedauern auszudrücken.«

Sein Ziel sei, dass künftig in ähnlich gelagerten Fällen anders reagiert werde, um ein erneutes Unglück zu vermeiden. Gleichzeitig spricht er sich für einen Radweg an der Landstraße aus. »Über das Thema B1-Umgehung wird seit 30 Jahren gesprochen, ob und wann sie kommt ist völlig spekulativ.« Gerade im Sommer, wenn viele Kinder mit dem Rad nach Salzkotten ins Freibad führen, denke er an besorgte Eltern.

Der Salzkottener Bau- und Planungsausschuss hat sich vergangene Woche für eine Änderung der Trassenführung des geplanten Radweges ausgesprochen. Straßen NRW will diesen an der neuen Landstraße im Bogen Richtung Salzkotten führen. Der Ausschuss hielt jedoch einen Radweg entlang der dann alten Landstraße für sinnvoller.

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6617733?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851069%2F