200 Gewandete schlagen Lager an der Heder auf – Organisator zählt 6000 Besucher
Entspannen im Mittelalter

Salzkotten (WB). Für sie ist es jedes Mal eine persönliche Auszeit vom Alltag. Seit mehr als 20 Jahren tauchen die »Spielleute Herzblut« regelmäßig ab ins Mittelalter und sind dann Lupus von der Haydau und Ysa vom Klostergarten.

Montag, 10.06.2019, 22:03 Uhr aktualisiert: 10.06.2019, 22:10 Uhr
Etwa 200 Gewandete, darunter auch der neue Organisator Michael Herhold (4. von links) aus Dortmund und die Spielleute Herzblut (rechts), hatten über Pfingsten ihr Lager an der Heder aufgeschlagen. Foto: Marion Neesen
Etwa 200 Gewandete, darunter auch der neue Organisator Michael Herhold (4. von links) aus Dortmund und die Spielleute Herzblut (rechts), hatten über Pfingsten ihr Lager an der Heder aufgeschlagen. Foto: Marion Neesen

»Uns fasziniert das Unmoderne, das einfache Leben, morgens mit der Sonne aufzustehen und uns nicht um all die nervigen Sachen kümmern zu müssen. Außerdem lieben wir altes Handwerk«, beschreibt das Ehepaar aus Melsungen, warum es den Sprung in die Vergangenheit liebt. Im Franz-Kleine-Park in Salzkotten konnten die beiden 60-Jährigen über Pfingsten wieder ausgiebig ihrer Leidenschaft frönen.

Bereits zum fünften Mal haben die Heerlager ihre Zelte an der Heder aufgeschlagen. Nachdem es im vergangenen Jahr keinen Mittelaltermarkt gab und im Jahr zuvor auf die Schützenwiese ausgewichen werden musste, konnte der Tross diesmal wieder Quartier an alter Stätte beziehen.

Viele wollen einfach zurück zu den Wurzeln

Eine Premiere war es für den neuen Organisator Michael Herhold aus Dortmund, der bis Montagnachmittag schon 6000 Besucher gezählt hatte. »Der Ort hier ist einfach schön, zwar etwas kleiner als die Schützenwiese, dafür aber familiärer. Auch in Zukunft wollen wir hier bleiben«, sagt Herhold.

Viele der Menschen, die ihre Zeit im Mittelalter verbringen, möchten zurück zu den Wurzeln und eine entspannte Zeit verbringen, erklärt sich Herhold den anhaltenden Boom. Er selbst übernimmt die Funktion des »Jarls«, einer Art König. Mittelalter bedeutet für Lupus von der Haydau, der im wirklichen Leben bei der Bahn arbeitet, aber auch Aufbruchstimmung. »Viele Entdeckungen standen kurz bevor«, sagt der Spielmann. Während er die Laute spielt, sorgt seine Frau mit der Trommel für den richtigen Rhythmus, und manchmal kommt auch die Handpuppe, der 103 Jahre alte Drache Drops, zu Wort.

Der Herold eröffnet den Mittelaltermarkt im Franz-Kleine-Park.

Der Herold eröffnet den Mittelaltermarkt im Franz-Kleine-Park. Foto: Neesen

30 Händler boten ihre Waren feil

Insgesamt 30 Händler und Heerlager mit etwa 200 Teilnehmern fanden im neu gestalteten Franz-Kleine-Park Platz. Zur Eröffnung hatte Herold Richard Peterson im typisch derben Ton des Mittelalters ausdrücklich zum »Fressen, Saufen und Geldausgeben« aufgefordert.

Sandra Mohr aus Selm hielt sich aber lieber ans Arbeiten. Die Steuerfachangestellte hat sich dem Brettchenweben verschrieben; eine althergebrachte Webtechnik, mit der Bänder, Borten oder Gürtel hergestellt werden. Etwa 60 Zentimeter schafft sie in der Stunde und lässt sich dabei gern über die Schulter schauen. In Salzkotten war Sandra Mohr zum ersten Mal, aber auch sie macht sich regelmäßig auf ins Mittelalter. »Es ist ein bisschen Realitätsflucht, dann kann ich mal alles hinter mir lassen«, sagt sie.

Michael Rüther hat sein Handy abgeschaltet. Sein kleines Zelt an der Heder ist Schlafgemach, Küche und Werkstatt zugleich. Der Tischlermeister aus Hannover stellt im Heerlager drei Tage lang »Micha den Pfeyfenschnitzer«, einen Russwikinger aus dem 8. Jahrhundert, dar. Ganz individuell sind seine Pfeifen. Gestopft werden sie mal mit Tabak und mal mit einer wohlriechenden Kräutermischung. Statt Nikotin und Schwefel verdampfen im Heerlager Salbei und Gänseblümchen. Der 56-Jährige fühlt sich wohl auf seinen wenigen Freiluftquadratmetern. »Hier habe ich alles, was ich brauche«.

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