Do., 20.06.2019

Mann hatte bei Unfall auf der Verner Straße seine Frau und die Mutter der drei gemeinsamen Kinder verloren Nach tödlichem Unfall am Karfreitag: Ehemann sieht Versäumnisse

Am Karfreitag ist die 37-jährige Alexandra Pieper Opfer eines Unfalls auf der Verner Straße geworden. Ein Autofahrer war in die Fahrradgruppe gefahren. Die beiden Töchter waren verletzt, aber inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Am Karfreitag ist die 37-jährige Alexandra Pieper Opfer eines Unfalls auf der Verner Straße geworden. Ein Autofahrer war in die Fahrradgruppe gefahren. Die beiden Töchter waren verletzt, aber inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Marion Neesen

Salzkotten (WB). Vor acht Wochen hat Andreas Pieper (47) durch einen tragischen Unfall auf der Verner Straße seine Frau und die Mutter seiner drei Kinder verloren. »Seitdem funktioniere ich nur noch«, sagt der 47-Jährige, der sich nach der Katas­trophe gemeinsam mit seiner Familie erst in der neuen Situation zurecht finden muss.

Die rechtlichen Hintergründe lässt der Salzkottener über einen Anwalt klären, zu viele andere Aufgaben sind auf den Familienvater ohnehin schon hereingebrochen. Dennoch möchte er jetzt auch seiner Wut über die Umstände des Unfalls am Karfreitag und vor allem die Reaktionen im Anschluss Ausdruck verleihen.

Wie mehrfach berichtet fehlten auf der Verner Straße nach Sanierungsarbeiten rund ein Jahr lang die Markierungsstreifen. Ob das Fehlen der Fahrbahnstreifen zum Verkehrsunfall, bei dem ein 28-Jähriger mit seinem Auto in die kleine Fahrradgruppe mit der Ehefrau Andreas Piepers und seiner Töchter gefahren war, beigetragen hat, wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Paderborn über ein Gutachten geklärt. Auch Andreas Pieper vermag das nicht zu beurteilen.

»Es macht mich wütend, dass so lange nichts gemacht wurde«

»Es macht mich trotzdem wütend, dass so lange nichts gemacht wurde. Zumindest provisorische Markierungen hätte man aufbringen können, weil man doch wusste, wie gefährlich diese Straße ist«, so Andreas Pieper. Das sagt der 47-Jährige vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen.

Denn vor vier Jahren verunglückte sein Schwager, der Bruder seiner Ehefrau, schwer mit dem Motorrad auf der Verner Straße im Kreuzungsbereich Franz-Kleine-Straße/Stadtteiche, als ihm dort die Vorfahrt genommen wurde.

»Damals hat man dann auch erst im Nachhinein kurzfristig reagiert und Stoppschilder aufgestellt. Immer muss erst etwas passieren, bevor etwas gemacht wird«, sagt Andreas Pieper und wertet das Aufbringen der Markierungsstreifen Ende Mai als Aktionismus. Für die Verantwortlichen sei die Sache damit womöglich abgetan, für die Angehörigen aber nicht.

Zwei Tage vor Unfall fiel Entscheidung

»Wenn ich dann hören muss, dass nur zwei Tage vor dem Unfall eine Entscheidung über die Markierungen getroffen worden ist, versetzt mir das zusätzlich einen Stich. Das tut einfach weh«, könnte Pieper gut auf solche Äußerungen verzichten. Vielmehr erwartet er, »dass die Verantwortlichen dafür gerade stehen, wenn sie einen Fehler gemacht haben, und nicht nur ihr Gewissen reinwaschen«.

Eigentlich sei die Straße ja breit genug, aber er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass insbesondere nachts und bei Regen ohne die Streifen die Orientierung gefehlt habe. Aus Piepers Sicht hätte es selbstverständlich sein müssen, zumindest ein Provisorium aufzubringen. »Dieses Schönreden ärgert mich besonders.

Und eigentlich brauche meine ganze Kraft jetzt für meine Kinder«, sagt Pieper, »jetzt auf einmal geht es, aber die Markierungen hätten schon viel früher aufgebracht werden müssen.«

Noch keine Infos zur Unfallursache

In der vergangenen Woche hat der Familienvater die Unfallfahrräder seiner Frau und der Kinder abholen dürfen. »Das ist ja vermutlich ein Zeichen dafür, dass es mit den Ermittlungen voran geht«, sagt der Salzkottener, der keine neuen Informationen zur Unfallursache hat.

Wie er mit dem Ergebnis des Gutachtens umgehen wird, vermag der 47-Jährige zum jetzigen Zeitpunkt nicht einzuschätzen. Sollten die fehlenden Markierungen tatsächlich zum Unfall beigetragen haben, werde das sicherlich noch einmal zusätzlich schmerzen, sagt Andreas Pieper.

Markierungen fehlten fast ein Jahr

Im vergangenen Frühjahr ist die Verner Straße zwischen Salzkotten und Verne saniert worden. Üblicherweise gibt Straßen NRW anschließend auch die neuen Markierungsarbeiten in Auftrag, da es sich um eine Landstraße handelt und der Landesbetrieb Baulastträger ist.

In diesem Fall gab es aber unterschiedliche Auffassungen zur Einrichtung eines Fahrradweges. Vor der Sanierung nutzten Radfahrer den Standstreifen. Für einen eigens ausgewiesenen Radstreifen auf der Fahrbahn, hielt Straßen NRW die Landstraße für zu schmal. Richtlinien zur Verfahrensweise bei erneuerten Straßen fehlten.

Im Regionalplan ist an der Verner Straße ein Radweg vorgesehen, dessen Bau könnte aber bei Verwirklichung des Projektes B1 neu überflüssig sein. Darauf hatte die Stadt Salzkotten hingewiesen.

Der Kreis Paderborn hatte Ende April bestätigt, dass sich am Mittwoch der Karwoche Vertreter der Bezirksregierung Detmold, des Kreises Paderborn, der Kreispolizeibehörde, der Stadt Salzkotten und Straßen NRWs darauf verständigt hätten, die Verner Straße mit einem breiteren Mehrzweckstreifen zu versehen. Zwar hat dieser keine Piktogramme wie bei Fahrradschutzstreifen, kann aber von Radfahrern genutzt werden. Die Markierungen sind schließlich in der vierten Maiwoche aufgebracht worden.

Gegen Straßen NRW hat Mitte Mai ein Verner Bürger Anzeige erstattet. Der 72-Jährige war Ersthelfer beim Unfall am Karfreitag. Mit der Anzeige will er sicherstellen, dass die fehlenden Markierungen bei der Untersuchung der Unfallursache berücksichtigt werden.

 

Kommentare

Ich unterstütze die These, dass es sich um Aktionismus handelt. Es gibt inzwischen Fahrbahnmarkierungen, die geriffelt sin, sodass man im Auto hört, wenn man darauf fährt. Warum wurde nicht eine solche Markierung verwendet? So ist der 'Schutz' rein optisch und wenn jemand nicht richtig hin schaut rettet die aktuelle Markierung niemandem das Leben. Es ist enttäuschend.

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