Do., 17.10.2019

Nach kurzfristiger Absage weiß Familie Trumpf nicht wohin Zirkus sucht Winterquartier

Der Circus Avalon ist ihr Leben. In den Adern des Seniorchefs Julius Trumpf und seiner Enkel Adriano (16), Gino (7) und Milano (10) fließt Artistenblut. Sie alle hoffen, dass sich doch noch ein Winterquartier finden lässt.

Der Circus Avalon ist ihr Leben. In den Adern des Seniorchefs Julius Trumpf und seiner Enkel Adriano (16), Gino (7) und Milano (10) fließt Artistenblut. Sie alle hoffen, dass sich doch noch ein Winterquartier finden lässt. Foto: Oliver Schwabe

Von Marion Neesen

Salzkotten (WB). »So schwer wie in diesem Jahr war es noch nie«, sagt der 21-jährige Romano Trumpf vom Circus Avalon. Der kleine Familienbetrieb ist in Thüle regelrecht gestrandet und sucht händeringend ein Winterquartier. »Im Moment wissen wir nicht, wo wir hin sollen«, ist auch sein Großvater Julius Trumpf (61) besorgt und frustriert.

Die Zirkussaison ist beendet, einen weiteren Spielort hat das Zirkusteam in diesem Jahr nicht im Programm, die letzte Vorstellung war am Sonntag auf dem Schützenplatz in Thüle. Eigentlich war der Einzug ins Winterquartier schon gesichert. »Es war alles geplant, wir wollten wieder am Lidl in Geseke die Wintermonate verbringen. Dort haben wir im vergangenen Jahr auch unser Weihnachtsprogramm gezeigt«, sagt Zirkuschefin Natalie Trumpf. In der vergangenen Woche kam jedoch kurzfristig die Absage. Seitdem sind Natalie Trumpf und ihr Ehemann Mike auf der Suche – bisher ohne Erfolg.

Auch ein paar Tiere gehören zur Zirkusfamilie, darunter sieben Ziegen. Foto: Oliver Schwabe

In den vergangenen Jahren sei es immer problematischer geworden, Plätze für ein Gastspiel oder zum Überwintern zu finden, sagt Romano Trumpf. Nur rund zwölf Mal konnte der Zirkus in diesem Jahr seine Zelte aufschlagen, um die Manege zu öffnen. »Den Rest der Saison haben wir nach Plätzen gesucht«, verweist Romano Trumpf auf die brisante Situation im Zirkusgeschäft. »Mancher Zirkus verlässt sein Quartier nicht ordentlich, oder kümmert sich nicht um Müll und Dreck. Das hat den Ruf der Zirkusleute verständlicherweise kaputt gemacht«, sieht der 21-Jährige eine Ursache in den vielfachen Ablehnungen. Er versichert ebenso wie sein Großvater und seine Tante, dass der Circus Avalon nicht zu den schwarzen Schafen der Branche zählt. »Es hat nie Beschwerden gegeben, wir haben nur beste Bewertungen«, sagen sie. »Wir hinterlassen unser Quartier, so wie es war.«

 

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»Zirkus ist unser Leben, unser Beruf, unsere Leidenschaft. Das gibt man nicht einfach auf.«

Romano Trumpf

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In der Vorstellung in Thüle fanden sich am Sonntag lediglich 15 Besucher ein. Übers Aufgeben habe die Familie, die den Zirkus in siebter Generation führt, schon mal nachgedacht, aber entschieden, weiterzumachen. »Zirkus ist unser Leben, unser Beruf, unsere Leidenschaft. Das gibt man nicht einfach auf«, sagt der 21-jährige Romano, der notfalls als gelernter Tischler arbeiten könnte. Nach seiner dreijährigen Ausbildung zog es ihn jedoch zurück ins Zirkuszelt. Schon als Vierjähriger trat er dort als Clown auf, war Feuerschlucker und Jongleur. Zirkus bedeute, jeden Tag eine andere Aufgabe zu haben.

»Die Zirkuskultur wird heutzutage nicht mehr geschätzt«, bedauert Natalie Trumpf, »doch wird sind damit aufgewachsen und werden durchhalten.« Sie möchte auch weiterhin den guten Ruf des Circus Avalon wahren. »Wir sind kein Bettelzirkus und bekommen nur gute Kritiken«, sagt die 38-Jährige. Das wichtigste sei jetzt aber, einen Platz zu finden für die sechs Familienmitglieder und die Tiere (sieben Ziegen, zwei Ponies, ein Esel und ein Hund). Vier Monate lang wollen die Trumpfs ins Winterquartier und würden natürlich auch Platzgeld bezahlen. Der Standort müsste gar nicht besonders groß sein, vielleicht ein halbes Fußballfeld. Allerdings wäre befestigte oder geschotterte Fläche gut. Weicher Boden sei nicht besonders geeignet. Wer eine Fläche für den Circus Avalon zur Verfügung stellen möchte, kann Natalie Trumpf unter Telefon 0174 731 38 49 anrufen.

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