Bildnisse der Mutter Gottes und Ritter Willhards in Kapelle am Brünneken entdeckt
Unter sieben Farbschichten verborgen

Verne (WB). „Für die Gemeinde ist das ganz, ganz schmerzlich“, weiß Josef Isekenmeier um die Stimmungslage der Gläubigen in Verne. Erstmals in der Geschichte der Verner Wallfahrten zur Kapelle am Brünneken müssen die Prozessionen in diesem Jahr ausfallen.

Donnerstag, 30.04.2020, 08:19 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 08:22 Uhr
Michaela Hessel (Denkmalpflege Wibbeke) und Alexander Kalemi von der Firma Metallbau Henke (vorn) mit der vergoldeten Krone, die jetzt wieder die Wallfahrtskapelle schmückt. Josef Isekenmeier und Manfred Leutnant vom Kirchenvorstand sowie Rudolf Schulte (Architekturbüro Kellner/hinten von links) freuen sich über den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Foto: Marion Neesen
Michaela Hessel (Denkmalpflege Wibbeke) und Alexander Kalemi von der Firma Metallbau Henke (vorn) mit der vergoldeten Krone, die jetzt wieder die Wallfahrtskapelle schmückt. Josef Isekenmeier und Manfred Leutnant vom Kirchenvorstand sowie Rudolf Schulte (Architekturbüro Kellner/hinten von links) freuen sich über den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Foto: Marion Neesen

Im nächsten Jahr wären es 850 Jahre ununterbrochene Wallfahrten gewesen, nicht einmal während der Weltkriege konnte diese Demonstration des Glaubens aufgehalten werden. Das hat jetzt das Coronavirus geschafft. „Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie wird es im ganzen Monat Mai keine der gewohnten Wallfahrten geben. Weder die Prozessionen an den Sonntagen noch die Eucharistiefeiern mit Pilgern oder die Maiandachten werden stattfinden“, bedauert der Leiter des Pastoralverbundes Salzkotten, Pastor Martin Beisler.

Das ist schon etwas ganz Besonderes.

Michaela Hessel

Dennoch gibt es in Verne auch einen Grund zur Freude. Am Mittwoch sind die Renovierungsarbeiten an der im Jahr 1851 erbauten Kapelle mit dem Aufsetzen der Strahlenkrone abgeschlossen worden. Seit September war die Pilgerstätte geschlossen, von Freitag, 1. Mai, an ist sie nun wieder für die Wallfahrer geöffnet. Dabei werden drei Wandreliefs die Pilger überraschen.

„Das war toll“, berichtet Michaela Hessel mit einem Glanz in ihren Augen vom Tag der Entdeckung. An einem Freitag kurz vor Feierabend stieß die Kirchenmalerin der beauftragten Firma Wibbeke aus Geseke beim Abtragen der Farbschichten an der Wand auf die Umrisse kleiner Füße. Mit dem Feierabend war es damit vorbei, denn „solch alte Wandmalereien zu finden, ist sehr selten, das ist schon etwas ganz Besonderes und hat Spaß gemacht“, erinnert sich Michaela Hessel, dass sie an diesem Tag gerne Überstunden gemacht hat. Sie konnte ein Bildnis Marias mit Jesus auf dem Arm wieder ans Tageslicht bringen. Dabei handelt es sich um die Erstbemalung in der Kapelle. Aber damit nicht genug. Auf der gegenüberliegenden Wand tauchte ein Relief Ritter Willhards auf, auf dessen Wallfahrt ins Heilige Land im Jahre 1171 die Marienverehrung und die Verner Wallfahrten zurückgehen. Das dritte Gemälde befindet sich an der Decke der Kapelle. Hier ist nun ein Strahlenkranz wieder sichtbar. Zum Teil haben die Restaurateure die Originalfarbe der Bemalung belassen, an anderen Stellen in Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege und dem Erzbistum Paderborn die verblassten Bildnisse ein wenig retuschiert.

170 Jahre alter Dachstuhl in überraschend gutem Zustand

„An den Wänden waren sieben Schichten Farbe abzutragen, an Türen und Fenstern sogar zehn“, sagt Josef Isekenmeier vom geschäftsführenden Verner Kirchenvorstand. Außerdem wurden in der kleinen Kapelle neue Sitzbänke installiert, die später noch eine Sitz- und Rückenheizung bekommen. Die Beleuchtung wurde erneuert und das Dach überprüft. Nach fast 170 Jahren sei der Dachstuhl in einem überraschend guten Zustand gewesen, berichtet Josef Isekenmeier.

Ihr besonderes Augenmerk haben Michaela Hessel und die Mitarbeiter der Firma Metallbau Henke auch auf die Krone gerichtet, die nun wieder hoch oben auf der Kapelle thront. Sorgfältig vom Rost befreit und in seiner ursprünglichen Gestaltung erhalten glänzt der Strahlenkranz mit dem großem „M“ für Maria in leuchtendem Blattgold. Insgesamt hat die Renovierung der Kapelle rund 100.000 Euro gekostet, wovon die Verner Kirchengemeinde die Hälfte trägt.

Die Kapelle, die laut Isekenmeier ein ganz wichtiger Bestandteil der Wallfahrten ist, wäre für den Auftakt der Maiprozessionen also bestens vorbereitet gewesen. Nur auf das Wasser wird erst in etwa zwei Wochen aus dem benachbarten Brunnen sprudeln. Es wird jährlich nach der Winterpause auf seine Trinkwasserqualität geprüft.

Die Kapelle ist ein wichtiger Rückzugsort.

Josef Isekenmeier

Prozessionen wird es nun aber nicht geben. Dennoch wird die Kapelle am Brünneken vom 1. Mai an täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein, so dass Einzelpilger hier wie gewohnt beten, Maria ehren und ihre Anliegen vorbringen können.

„Etwa 15.000 Pilger kommen jedes Jahr nach Verne. Die Kapelle ist für sie ein wichtiger Rückzugsort“, erläutert Josef Isekenmeier. Pastor Martin Beisler wird sich am 1. Mai per Videobotschaft aus der renovierten Kapelle an die Gläubigen richten. Somit werden die Wallfahrtsgeschichte und die Marienverehrung trotz Corona auch im 849. Jahr aufrecht erhalten. Der Kirchenvorstand setzt nun auf das Jahr 2021. „Die Wallfahrten zum 850. Jubiläum werden aber auch nur ausgerichtet werden können, wenn es bis dahin einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt“, so Isekenmeier, der die Verantwortung der Gemeinde insbesondere auch gegenüber den älteren Gläubigen im Fokus hat. Sollten die Wallfahrten auch im nächsten Jahr ausfallen, wären drei Jahre Vorbereitungsarbeit vergebens gewesen.

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