Fr., 22.05.2020

Aufruf: Salzkottener sollen „Mut Mach Bilder“ fürs Stadtarchiv zur Verfügung stellen Zeugnisse einer Gefühlslage

Ein von Schulkindern gezeichnetes Pflasterbild aus Kreide ist eines von vielen Zeugnissen der Coronazeit. Diese Bild entstand in Salzkotten in der kleinen Gasse auf den Küten und zeigt den „Walk of Corona“ mit dem typischen Bild des Virus’.

Ein von Schulkindern gezeichnetes Pflasterbild aus Kreide ist eines von vielen Zeugnissen der Coronazeit. Diese Bild entstand in Salzkotten in der kleinen Gasse auf den Küten und zeigt den „Walk of Corona“ mit dem typischen Bild des Virus’. Foto: Steines

Salzkotten (WB). Vor vielen Jahren organisierten Annette Stracke und Rainer Wester eine Martiniausstellung zum Leben in Salzkotten in den 1950er Jahren. Viele Salzkottener bereicherten die Schau mit dem Titel “Tabak, Twist und Tütenlampe”, die 6.500 Besucher anzog, mit Bildern aus ihren privaten Alben. Damit auch in 50 Jahren Ausstellungen über das Alltagsleben in der Sälzerstadt möglich sind, wurde gemeinsam mit Salzkotten Marketing eine Aktion zum Sammeln von „Mut Mach Bildern“ für das Stadtarchiv ins Leben gerufen.

Dazu bitten die Organisatoren alle Salzkottenerinnen und Salzkottener, ihre phantasievollen Fenster – und Pflasterbilder per mail an Salzkotten Marketing zu schicken (info@salzkotten-marketing.de). „Es wäre doch zu schade, wenn diese Kunstwerke beim nächsten Regen verschwinden oder die Fensterbilder bald in einer Schublade oder im Papiermüll landen“, sagt Rainer Wester. Allzu oft habe sich bei der Ausstellungsorganisation gezeigt, dass gerade Alltagsgeschichte sehr wenig dokumentiert werde. Dabei seien doch gerade diese Bilder Ausdruck der momentanen Gefühlslage. Der Reiz der Dokumentation sei aber auch zu zeigen, dass diese Bilder Mut machen und zudem eine Beschäftigungstherapie für Kinder sind, die lange Zeit nicht in die Kita oder Schule gehen können.

Die Regenbogen sah man zuerst in Italien als aktives Zeichen gegen die Verdrossenheit und Angst gegenüber dem Virus, oft auch mit dem Schriftzug „Tutto andra bene“ - Alles wird gut! Kinder aus verschiedenen Ländern sind dieser schönen Idee gefolgt.

Viele Dinge sind in diesen Tagen Symbol einer neuen Herausforderung für die Gesellschaft. Absperrungen, Schilder, leere Toilettenpapierregale oder auch am Autoinnenspiegel baumelnde Mund-Nasen-Masken hat Rainer Wester in den vergangenen Wochen bereits im Bild festgehalten.

Nun sollen die Corona-Regenbogen an privaten Fenstern oder Kreidebilder noch dazukommen. Egal, ob ein Kunstwerk mit Watte-Wolken über mehrere Fensterflügel, eine selbst gestaltete Fahne im Garten oder ein einfacher Zettel an der Türklinke („Wir geben nicht auf, wir glauben, dass es besser wird“).

Archiviert werden Erinnerungen, die Gefühle der Menschen, der Alltag mit dem Virus. Wer mit offenen Augen durch die Straßen des Stadtgebietes geht, erkennt sofort, dass nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene mitgemacht haben. In manchen Straßenzügen gibt es zehn oder mehr Häuser mit Regenbogen in allen Variationen. Dort anzuklingeln, um eine “Fenster-Fotografie-Erlaubnis” einzuholen, würde einfach zu lange dauern und wäre sicher auch nicht überall erwünscht, meinen die Initiatoren der Sammelaktion. Somit erfolge nun der Aufruf an alle, die aktiv das kollektive Gedächtnis der Stadt mit Bildern füttern und festhalten möchten.

„Wenn sich andere später fragen, wie wir durch diese schwierigen Zeiten gekommen sind, sollen sie sehen, wie einfallsreich Familien auf diese Situation reagiert haben. Die Dokumentation im Stadtarchiv sorgt dafür, dass künftige Geschichtsinteressierte auf dieses Material zugreifen können“, freut sich Annette Stracke über die Beteiligung von Salzkotten Marketing.

„Wir beteiligen uns sehr gerne an dieser Aktion, denn Mut und ein bisschen bunte Farbe können wir alle in unserem Alltag gebrauchen“, so Stefanie Herting, Geschäftsführerin von Salzkotten Marketing, „wir würden auch gerne einige Bilder (bitte das Einverständnis zum Aushang und zum Archivieren in der Mail bestätigen) in den Fenstern des Rathausfoyers aushängen. Ergänzend dazu erfolgt die elektronische Dokumentation im Stadtarchiv. So können diese Bilder, ganz ‚coronasicher‘ ihr Publikum finden und weiteren Menschen Mut und Freude machen. Und, ganz nebenbei, von der Zeit Zeugnis geben, in der Kinder gern zu Schule gehen wollten, die Menschen Masken trugen und gerade wegen des notwendigen Abstandes in unserer Stadt näher zusammenrückten, um die Schwächeren zu schützen.

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