Wasserpartner im Kreis Paderborn rufen zu mehr Wertschätzung für das Lebensmittel Nummer 1 auf
Trinkwasser gibt es nicht unbegrenzt

Paderborn -

Auch wenn das niemand gerne hört: Der Klimawandel ist da und erfordert ein Umdenken von uns allen. So wollen die Wasserpartner im Kreis Paderborn mit ihrer Kampagne „Unser Wasser – auch für die Zukunft?!“ bei den Bürgern ein größeres Bewusstsein und mehr Wertschätzung im Umgang mit Trinkwasser erreichen. Denn unser Lebensmittel Nummer 1 steht nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Sonntag, 21.03.2021, 23:59 Uhr aktualisiert: 22.03.2021, 20:42 Uhr
Gut vernetzt: die Wasserpartner um Michael Bernemann (vorne, 2. von rechts) im Kreis Paderborn. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie.
Gut vernetzt: die Wasserpartner um Michael Bernemann (vorne, 2. von rechts) im Kreis Paderborn. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie. Foto: Wasserwerke Paderborn

Der Klimawandel bedeutet neue Herausforderungen in der Wasserversorgung. Daher wird der verantwortungsvolle Umgang mit Trinkwasser immer wichtiger. „Für eine gesicherte Versorgung mit Trinkwasser brauchen wir verlässliche und ausreichende Niederschläge von Oktober bis März”, sagt Michael Bernemann, Technischer Leiter der Wasserwerke Paderborn. „Der Regen, der in dieser Zeit der Vegetationsruhe nicht fällt, ist das Grundwasser und letztlich das Trinkwasser, das uns morgen fehlt“, erläutert der Experte.

Die Niederschlagsmengen in unserer Region seit 2009, gemessen vom Deutschen Wetterdienst: Inzwischen fehlen uns insgesamt mehr als 1.500 mm Regen. Wasserwerke Paderborn

Die Niederschlagsmengen in unserer Region seit 2009, gemessen vom Deutschen Wetterdienst: Inzwischen fehlen uns insgesamt mehr als 1.500 mm Regen. Wasserwerke Paderborn Foto: Deutscher Wetterdienst

Inzwischen ist ein ernstzunehmendes Defizit entstanden, das nicht nur durch drei niederschlagsarme Sommer begründet ist. Seit 2008 bleiben die Winterniederschläge vermehrt aus, und Grundwasser kann sich nur dann neu bilden, wenn es in dieser Zeit ausreichend regnet. Grundsätzlich begegnen die Wasserwerke dem Wassermangel mit technischer Aufrüstung. So werden unter anderem Brunnen reaktiviert und neue gebohrt, zudem Wasserstände und Rohrsysteme beständig analysiert, etwaige Leckagen schnell ermittelt und umgehend behoben.

2018: Stresstest für die Trinkwasserversorgung

Das Jahr 2018 war der erste große Stresstest für die Trinkwasserversorgung, denn hier kamen alle kritischen Faktoren zusammen: fehlende Niederschläge, eine ungewöhnlich lange Trockenperiode sowie große Hitze. Gleichzeitig entstand ein erhöhter Wasserbedarf in der Bevölkerung, wodurch neue Rekordwerte beim täglichen Wassergebrauch erreicht wurden. Dieser liegt „normalerweise“ bei durchschnittlich 125 Litern pro Person und Tag und ist in den letzten 30 Jahren sogar gesunken; das liege aber nicht an veränderten Gewohnheiten, sondern an technischen Fortschritten, so Michael Bernemann.

Überraschend dabei ist, wofür wir das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel im Alltag einsetzen: Der Großteil – täglich über 100 Liter reinsten Trinkwassers – fließt in Hygienemaßnahmen wie Duschen, WC-Spülung, Händewaschen, Wäschewaschen und Putzen. Zum Trinken und Kochen dagegen nutzen wir durchschnittlich nur etwa drei Liter pro Tag. In heißen Sommern kommt als besonderes Problem eine unkontrollierte Gartenbewässerung hinzu: Tägliches Wässern ist für Garten und Grundwasser gleichermaßen schlecht, zweimal ausgiebig pro Woche reicht meistens aus. Darüber hinaus wird jedes Jahr deutlich mehr Trinkwasser für private Gartenpools gebraucht: Pro Füllung sind das 6000 Liter und mehr.

Als 2019 dann auch zu trocken blieb und sehr heiß wurde, fiel der Startschuss für eine neue Kampagne der zehn Wasserversorger im Kreis Paderborn für mehr Achtsamkeit rund um das Trinkwasser: Der Wassermarsch im September erregte viel Aufmerksamkeit und blieb bei den Bürgern nachhaltig im Gedächtnis, für 2020 waren weitere Aktionen geplant. „Dann kam Corona, und so haben wir komplett auf digitale Kanäle umgestellt“, berichtet Daniel Rohring, Technischer Manager. Mit Videoclips wurde auf der Homepage, über Facebook und Instagram die Welt der Wasserwerker vorgestellt, Tipps für den sorgsamen Umgang mit dem Wasser gegeben, auf Youtube lief die exklusive Dokumentation „Ein Tag ohne“. „Wir wollten zeigen und erlebbar machen, wie selbstverständlich wir in unserem Alltag Wasser nutzen und gleichzeitig auch unsere Abhängig vom Zugriff auf frisches, sauberes Trinkwasser darstellen“, schildert Michael Bernemann die Motivation der Online-Aktionen.

Die Idee lag auf der Hand, auch Kinder und Jugendliche mit ins Boot zu holen und das Thema Wasser gezielt in den Schulen zu platzieren. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (Nabu) BNE-Regionalzen­trum Prinzenpalais in Bad Lippspringe wurde ein kostenloses Angebot für Schüler rund um den wertschätzenden Umgang mit Trinkwasser erarbeitet. Für Grundschulklassen können bereits seit Dezember Bildungseinheiten über die Webseite der Wasserpartner gebucht werden, demnächst stehen auch für die Sekundarstufe 1 Bildungseinheiten zur Verfügung.

Engagement und Verantwortung für unser Wasser

„Deine Wasserpartner vor Ort” sind ein großes Team, das rund um die Uhr die Trinkwasserversorgung von über 300.000 Einwohner sicherstellt. Dazu zählen die Wassergewinnung aus der Aabachtalsperre sowie mehreren Brunnen und Tiefenbrunnen, die Reinigung und Aufbereitung in den Wasserwerken, die Verteilung und Aufbewahrung des Trinkwassers in Hochbehältern sowie der Transport durch mehr als 2300 Kilometer Versorgungsleitungen zu insgesamt fast 76.000 Hausanschlüssen. Darüber hinaus wird kontinuierlich an der Erneuerung und Wartung der Anlagen und Systeme gearbeitet.

„Wir müssen schneller sein als die nächste Störung“, erläutert Wassermeister Andreas Benstein die Motivation der Paderborner Wasserversorger. „Dafür planen wir weit im Voraus und investieren beständig in unsere Versorgungssysteme.“ Doch das alleine reiche nicht aus, ergänzt der Experte: „Wir alle müssen sorgsam mit unserem Wasser umgehen.“

Die Wasserversorger allein können es also nicht schaffen, sie sind auf die Mithilfe aller Bürger angewiesen. Alle können dazu beitragen, dass auch in Zukunft ausreichend Trinkwasser für alle zur Verfügung steht. Und jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um damit zu beginnen: Der Weltwassertag erinnert jedes Jahr am 22. März an die große Bedeutung des Wassers. Als ein Ergebnis der Weltkonferenz „Umwelt und Entwicklung“ 1992 in Rio de Janeiro wurde er 1993 durch eine Resolution der Vereinten Nationen fest eingerichtet.

Das Leitthema 2021 könnte passender nicht sein: “Der Wert des Wassers”. Denn unser Trinkwasser ist viel mehr wert, als es kostet …

Mehr Infos zum Thema gibt es unter www.deine-wasserpartner.de .

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