Mi., 02.05.2018

Landesgartenschau-Kommission bewertet Höxter – 300 Besucher beim Bürgerfest – mit Video Entscheidung fällt schon Mitte Mai

Großer Bahnhof am Weserufer in Höxter: 300 Menschen schwenken die grünen Fähnchen und singen das neue »Weserlied«. Vielen Höxteranern, aber auch auswärtigen Gästen, ist es wichtig, die Bewerbung der Kreisstadt um die LGS 2023 zu unterstützen. Viele Medien berichten über den Besuch der Jury.

Großer Bahnhof am Weserufer in Höxter: 300 Menschen schwenken die grünen Fähnchen und singen das neue »Weserlied«. Vielen Höxteranern, aber auch auswärtigen Gästen, ist es wichtig, die Bewerbung der Kreisstadt um die LGS 2023 zu unterstützen. Viele Medien berichten über den Besuch der Jury. Foto: Besim Mazhiqi

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Höxter will die Landesgartenschau 2023. Einen anderen Eindruck kann die Bewertungskommission gestern gar nicht gewonnen haben . Politik, Wirtschaft und Verwaltung, allen voran aber auch die Bürgerschaft, haben ein ambitioniertes Bekenntnis abgelegt. Die Gäste sind beeindruckt. Punktlandung für die Welterbe-Stadt. Am 14. Mai erfährt Höxter, ob es auch Landesgartenschau-Stadt sein wird.

Die Szene am R1 ist filmreif: Um die 300 erwartungsfrohe Menschen schwenken bei Kaiserwetter grüne Fähnchen . Die Feuerwehr jagt Wasserfontänen in die Höhe. Die »La-Ola-Welle« verbreitet eine Stimmung wie im Stadion. Begrüßt wird aber keine Fußballmannschaft, sondern ein Weserdampfer mit der elfköpfigen Landesgartenschau-Jury an Bord . Die kommt gerade aus Corvey, wo ihre Erkundungstour entlang der potenziellen Gartenschau-Flächen endet. Wall, Weser, Welterbe: Landschaft und Sonnenschein lassen dieses Band zur Perlenschnur erstrahlen.

Per Fahrrad durch Höxter

Bürgermeister Alexander Fischer und Baudezernentin Claudia Koch lassen ihre Gäste dieses Kleinod aktiv erkunden: per Fahrrad. Jedem Juroren stellen sie einen Begleiter zur Seite. Los geht es vom Rathaus aus mitten durch die Fußgängerzone. Die ist gut gefüllt. Denn es ist nicht nur Wochenmarkt, sondern auch Schweinemarkt. »Das kann ja heiter werden, wenn noch 500.000 Landesgartenschau-Besucher dazu kommen«, scherzt ein Kommissions-Mitglied beim Schieben des Rades durch die Marktstraße. Für Jury-Leiter Heiner Bruns bestätigt sich auf diesem Wegstück ein Eindruck, den er schon am frühen Morgen beim Marktbummel gewonnen hatte: »Die Stadt ist voll mit freundlichen Menschen.«

Über den Wall an die Weser

Während diese im Sonnenschein Spargel und anderes kaufen, stellt der Bürgermeister an der ersten Station – der Dechanei – sein Rad kurz ab. Er winkt Passanten freundlich zu und erläutert die historischen Bauten der Innenstadt. Jurymitglied Evamaria Küppers-Ulrich vom NRW-Bauministerium fällt auf, dass mit der Altstadtsanierung gute Grundlagen geschaffen wurden. Küppers-Ulrich empfindet Höxter als Perle, die mitsamt dem Welterbe durch die LGS noch weiter ans Licht geholt werden kann.

Weiter geht die Radtour, an der auch die Autoren der Machbarkeitsstudie teilnehmen, entlang der Krammarkt-Stände über den Wall. An der Nicolaischule warten Kinder der Klasse 4d auf die Radler. »Höxter ist cool – das möchten die Kinder Ihnen mit auf den Weg geben«, sagt Schulleiter Ingo Kortmann. Warum sie die Stadt cool finden, erzählen die Schüler freudestrahlend mit Plakaten in der Hand: der Radweg, der Godelheimer See, die Eisdielen. Apropos Eisdiele: Schulamtsleiterin Claudia Bonefeld lädt die muntere Truppe nach ihrem Willkommensgruß samt Übergabe eines im Sachunterricht gestalteten Reiseführers spontan zum Belohnungseis in die Stadt ein.

Derweil steigen Jury und Begleiter wieder aufs Rad. An die Weser geht’s. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der LGS. »Wir möchten die Stadt an die Weser heranholen und die Promenade aufwerten«, sagt Laura Heuschneider, Mitautorin der Machbarkeitsstudie.

Station am alten Sägewerk

Auf dem Weg nach Corvey stimmt eine Schafherde in das »Ja« zur Landesgartenschau ein – auf ihre Art, versteht sich. Die Herde unterstreicht den idyllischen Gesamteindruck der Flusslandschaft. Auf dem zukünftigen Archäologiepark in Würdigung der untergegangenen Stadt Corvey, dem Pompeji des Kreises Höxter, wie Baudezernentin Claudia Koch immer sagt, steigt die Kommission noch einmal ab. Die schlummernden Zeugnisse der Stadtwüstung unter dem Fahrradreifen, lenkt Claudia Koch die Aufmerksamkeit auf das ehemalige Sägewerk, das es abzureißen gilt. Nicht mit Ausgrabungen, sondern mit moderner Technik soll die 1265 untergegangene Stadt wiedererstehen. Mit Anpflanzungen können Achsen wie der Hellweg, der zur Blüte Höxters beigetragen hat, visualisiert werden.

Barocker Konventgarten

Gern nehmen die Radler vom Sägewerk aus den Weg durch die Eichenallee – ein Juwel – zum Konventgarten. Er ist heute eine Christbaumplantage. Hausherr Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey lässt Pläne aus dem Archiv an die Kommissionsmitglieder verteilen und kündigt an, dass das Gelände im Rahmen der Landesgartenschau in den barocken Zustand des Remptergartens versetzt werden soll. Dieser soll dauerhaft öffentlich zugänglich sein. Der Konventgarten ist wie der Archäologiepark im Weserbogen wesentlicher Teil des Welterbe-Managementplans.

Jury und Begleiter können ihre Räder im Konventgarten stehen lassen, um dann den Weserdampfer zu besteigen. Ihre ersten Reaktionen nach der Radtour reichen von »Wunderbar« bis »überzeugend«. Die Juroren sprechen der Landesgartenschau-Stadt viel Potenzial aus. Heiner Bruns kündigt an, dass die Kommission gleich nach der Bereisung beraten und eine Empfehlung aussprechen werde. Das Landwirtschaftsministerium trifft dann eine Entscheidung. Am 14. Mai soll sie bekannt gegeben werden. Bürgermeister Fischer geht von einem »Ja« aus. »Wir haben einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Juroren waren begeistert von der Stadt und den LGS-Flächen.«

Mit Schiff nach Höxter

An Bord des Weserschiffes, das am Anleger in Corvey bereit steht, begrüßt Fischer weitere Gäste aus Wirtschaft, Banken und öffentlichem Leben. Auch sie signalisieren ihr »Ja« zur Gartenschau, in das auch Landrat Friedhelm Spieker, Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek und der koptische Bischof Damian einstimmen.

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