Do., 02.08.2018

Komponist Walter Steffens (83) will der Landesgartenschau ein Violinkonzert widmen »Von klein auf verfolge ich Botticelli«

Walter Steffens in seinem Klavierzimmer, im Hintergrund: Botticellis Gemälde »Die Geburt der Venus«, vollendet 1486. Venus ist die römische Göttin der Schönheit. Der Landesgartenchau will Steffens ein Violinkonzert widmen.

Walter Steffens in seinem Klavierzimmer, im Hintergrund: Botticellis Gemälde »Die Geburt der Venus«, vollendet 1486. Venus ist die römische Göttin der Schönheit. Der Landesgartenchau will Steffens ein Violinkonzert widmen. Foto: Roman Winkelhahn

Von Roman Winkelhahn

Marienmünster/Höxter (WB). So viele Gemälde wie er haben nicht einmal die Komponisten Claude Debussy und Franz Liszt vertont. Walter Steffens will nun ein Violinkonzert für die Landesgartenschau 2023 in Höxter komponieren, inspiriert von den Werken des bedeutenden italienischen Malers Sandro Botticelli.

Auf Steffens’ Esstisch liegt ein tausendseitiger Wälzer – »Vom Klang der Bilder«. Auf den letzten Seiten: ein Index aller der Öffentlichkeit bekannten Bildvertonungen und deren Komponisten. An vielen Stellen markieren graue Häkchen einen immer wiederkehrenden Namen: Walter Steffens. Der Absatz mit der Überschrift »Sandro Botticelli« ist mit einer roten Buntstiftlinie markiert. Daneben heißt es: Claude Debussy, »La Primavera«, für Chor und Orchester. »Damals war das so eine Art Schock, plötzlich in allen Fachbüchern über Bildvertonung aufzutauchen«, erinnert sich Walter Steffens. Mehr als hundert Werke hat der heimische Komponist nach eigener Aussage vertont. In der Fachliteratur werden davon längst nicht alle erwähnt: »Wenn die wüssten, wie viel ich noch auf Lager habe«, sagt Steffens.

Boticellis Bilder inspirieren Komponist

Während seiner Reise nach Florenz im Frühjahr vergangenen Jahres, hat sich Steffens erneut von der Malerei inspirieren lassen: In den Uffizien sah er Botticellis Renaissance-Meisterwerke »La Primavera« und »Die Geburt der Venus«. Während des Betrachtens hat Steffens das Spiel einer Violine vernommen. »Das ist ein ganz kurzer Moment, wenige Sekunden, dann ist es wieder vorbei«, erklärt er. Diesen »Ruf« eines Bildes hat der Marienmünsteraner in seinem Leben schon oft gehört. In Florenz fasste er den Entschluss, die zwei Gemälde Boticellis zu vertonen, als Violinkonzerte. Eines davon will er der Landesgartenschau widmen – die ersten Takte liegen schon als Computersatz vor.

Geschichte der »Flora« wird intoniert

Zur Landesgartenschau sieht Walter Steffens die Verbindung von Botticellis Werk vor allem in der Mythenfigur Flora, der »Primavera« (italienisch Frühling). Der Maler zierte ihr Kleid mit einer Vielzahl an Blüten. Hunderte verschiedene Gewächse konnten Biologen und Kunstwissenschaftler in der Kulisse nachweisen. »Wer an die Landesgartenschau denkt, kommt um die Flora natürlich nicht herum«, weiß Steffens.

Mit der eher unkonventionellen Geschichte zweier Figuren der griechischen Mythologie, Chloris und Zephyr, beginnt das Konzert: Windgott und Frühlingsbote Zephyr vergewaltigt die schöne Chloris, auch bekannt als Flora. Dadurch wird diese zur »Primavera«, der Allegorie des Frühlings, dem »Sinnbild der Begierde«, wie Steffens sie nennt. Ihre Unantastbarkeit wird überhöht: zur Mutter Gottes, die Botticelli ins Zentrum des Gemäldes gesetzt hat. Über ihr fliegt Amor, der auf die drei tanzenden Musen zielt. Sie stehen für die schönen Künste. Auch in ihnen, als Symbole für Pracht und Anmut, sieht Steffens Verbindungen zur Landesgartenschau. »Das Bild erzählt von einem Sturm der Überwältigung«, fasst Steffens zusammen.

Es braucht ganz besondere Interpreten

Ganz besonders die Flora, die fest im Erzählstrom verankert ist, stehe in großem Kontext zur Landesgartenschau. »Ich hoffe, dass die Stadt Interesse zeigt«, erklärt Steffens. Neben Sponsoren brauche es für die Aufführung jedoch auch die richtigen Interpreten: »Ich will schon etwas ganz besonderes haben«, so der Komponist, »und nicht irgendeinen Geiger.« Daher sei es auch von Vorteil, dass die Schau erst in fünf Jahren stattfindet, denn »die meisten guten Musiker sind in den nächsten vier Jahren nicht zu haben«, weiß Steffens. Er wünscht sich, dass das Stück angenommen wird: »Es macht keinen Spaß, für die Schublade zu arbeiten.«

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