Mo., 12.11.2018

Landesgartenschau 2023 in Höxter: Millionen-Zuschuss des Bundes für Archäologiepark bringt Stein ins Rollen Stadtwüstung Corvey: »Pompeji von Westfalen«

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). 3,57 Millionen Euro Bundeszuschuss für den Archäologiepark in Corvey: Mit dieser Finanzspritze aus Berlin, für die sich der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase stark gemacht hat, fällt ein wichtiges Startsignal für die Landesgartenschau 2023. Der Archäologiepark ist ein attraktiver Baustein des Großevents.

Wer an dem verfallenen Sägewerk bei Corvey vorbeiflaniert, glaubt kaum, welch bedeutende archäologische Schätze nur zwei Spatenstiche unter der Bodenoberkante so nah und trotzdem im Verborgenen ihr Dasein fristen: Überreste der spätromanischen Stadt Corvey schlummern seit Jahrhunderten unbeachtet, aber auch unzerstört vor sich hin. Ihnen ist der Archäologiepark gewidmet. Die entsprechenden Flächen befinden sich bereits im Eigentum der Stadt. Der Dornröschenschlaf der 1265 zerstörten und dann wüst gefallenen spätromanischen Stadt soll bis zur Landesgartenschau ein Ende haben. Claudia Koch, Baudezernentin und Geschäftsführerin der LGS-Betreibergesellschaft, spricht gern vom »Pompeji von Höxter«. Christian Haase geht einen Schritt weiter: Als er die Finanzhilfen des Bundes ankündigte (Bericht vom 9. November), apostrophierte er die untergegangene Stadt als »Pompeji von Westfalen«.

Begeisterung also allenthalben. Im Zuge der LGS soll die Stadt Corvey, die zusammen mit dem benachbarten Höxter zu den frühstädtischen Zentren in Mitteleuropa gehört, mit einem Kostenaufwand von 5,17 Millionen Euro sicht- und erlebbar werden. Der Einsatz neuer Medien vermittelt den Besuchern das Gefühl, sie seien mittendrin in einem der wichtigsten, direkt am Hellweg gelegenen Stadtzentren. Dieses Projekt kann, davon sind Claudia Koch und auch Christian Haase überzeugt, zu einem echten Publikumsmagneten werden.

Für das Welterbe Corvey, zu dem das einzigartige Westwerk und das karolingerzeitliche Klostergelände gehören, spielt der Archäologiepark auch eine Rolle. Schließlich umgab die Stadt Corvey einstmals das Benediktinerkloster. Insofern flankiert sie als Pufferzone das Welterbe. Und auch der Management sieht vor, die Stadtwüstung erlebbar zu machen. So greifen die LGS und der Welterbe-Managementplan synergetisch ineinander.

Zu erzählen hat das Pompeji an der Weser einiges, wie viele Ausgrabungen und weitere Forschungen ergeben haben. Eine wichtige Rolle spielte hier Professor Hans-Georg Stephan. Der hochkarätige Wissenschaftler und ehemalige Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums ist der Entdecker der untergegangenen Stadt, die eine repräsentative romanische Marktkirche besaß. Teile dieses Gotteshauses gehören ebenso wie steinerne Keller von bürgerlichen Häusern zu den wertvollen historischen Überresten. Niggenkerken im Hafengebiet zählte ebenfalls zu den mittelalterlichen Kirchen.

Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat auf der Grundlage des Welterbe-Managementplans detaillierte Planungen für den Archäologiepark und auch für die Gestaltung des Hafens entwickelt. Leitidee ist, dass sich der Besucher die Geschichte dieses Areals im Weserbogen »auf dem Pfad einer mittelalterlichen Stadt« erschließen kann. Ein Stegesystem – basierend auf einer Holzbalkenkonstruktion – kann demnach zur Erschließung dienen. Auf der Homepage der Hochschule sind die Planungen dokumentiert ( www.hs-owl.de/fb9/projekt/wasser-weser-hoexter/civitas-corvey).

Die Hochschule ist auch für die Landesgartenschau ein wichtiger Partner. Als solcher steht sie in den Startlöchern, signalisierte Professor Stefan Bochnig, Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, beim Besuch der Bewertungskommission am 2. Mai. »Für uns als Hochschule wäre die Landesgartenschau ein Silbertablett, was Lehren und Forschen angeht. Wir freuen uns darauf.« So können sich auch die Höxteraner und Gäste auf den Archäologiepark als einen Baustein freuen. Schon in der Machbarkeitsstudie für die LGS wurden für diesen Anziehungspunkt im Weserbogen Ideen von mulimedialen Inszenierungen bis hin zur Archäologiewerkstatt und einer Gastronomie entwickelt. Erster Schritt wird der Abriss des Sägewerks sein.

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