Do., 28.02.2019

Debatte um Landesgartenschau Höxter geht weiter: Schützengilde äußert sich positiv »Wichtiges Zukunftsprojekt«

»Ja, ich will« – mit diesem Slogan wird für die Landesgartenschau 2023 in Höxter geworben. Ob tatsächlich alle dahinter stehen? Die Haushaltsrede des SPD-Fraktionschef hatte am vergangenen Wochenende Zweifel aufkommen lassen.

»Ja, ich will« – mit diesem Slogan wird für die Landesgartenschau 2023 in Höxter geworben. Ob tatsächlich alle dahinter stehen? Die Haushaltsrede des SPD-Fraktionschef hatte am vergangenen Wochenende Zweifel aufkommen lassen. Foto: Michael Robrecht

Höxter(WB/rob/thö). Die kritischen Töne aus der SPD-Ratsfraktion zur Landesgartenschau in Höxter und zur möglichen Bevorzugung anderer Millionenprojekte, hat in Höxter eine Debatte über die Gartenschau losgetreten. Reaktionen kommen aus dem politischen Bereich, aus Vereinen und der Verwaltung.

Baudezernentin Koch

Höxters Baudezernentin Claudia Koch zeigte sich sehr erstaunt über die kritische Positionierung des SPD-Fraktionschefs zur LGS, zumal die SPD 2018 das Projekt mit beschlossen habe. Sie habe nach diesen Aussagen in der Ratssitzung und nach der Berichterstattung darüber am Samstag im WESTFALEN-BLATT viele unterstützende Emails, Anrufe und Meinungsäußerungen erhalten. Viele hätten geäußert, dass sie sich auf die Gartenschau freuen würden und dass sie sich weiter mit einbringen möchten. »Solch eine Rückendeckung tut gut«, sagte Koch. Sie werde auch in Funktion als LGS-gGmbH-Geschäftsführerin die Planungen für das Projekt voran treiben.

Schützengilde Höxter

»Die Schützengilde Höxter steht voll zur Landesgartenschau 2023 in Höxter und wird sich aktiv mit einbringen«, unterstreicht Kommandeur Thomas Schöning. »Wir sehen mehr Chancen als Risiken in der Gartenschau. Endlich hat Höxter die Möglichkeit, die Infrastruktur merklich und in einem festen Zeitrahmen zu verbessern. Solch eine Chance bietet sich nicht oft«, so die Gilde, die sich von Beginn an für die LGS stark gemacht hat.

»Es wäre unverantwortlich, diese Möglichkeit nicht zu nutzen. Als Gilde fühlen wir uns seit über 400 Jahren für die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit der Stadt Höxter verantwortlich. Weil die ganze Bürgschaft hinter diesem Projekt steht, wird es erfolgreich sein. Was andere Städte bereits gezeigt haben, kann unsere Stadt mit ihren engagierten und mutigen Bürgern auch«, sagte Schöning.

»Am Ende profitieren alle Menschen und Vereine der Stadt, der Ortschaften und der gesamten Region davon. Die Landesgartenschau ist ein Konjunkturprogramm, das über die eigentliche Schau hinaus wirken wird. Die Gilde hat sich bereits bei verschiedenen Veranstaltungen zur LGS aktiv mit eingebracht und wird es auch weiter tun. Wir freuen uns auf diese wichtige Zukunftsprojekt«, erklärte Thomas Schöning.

SPD-Stadtverbandschef

Hans-Josef Held, SPD-Stadtverbandsvorsitzender, stellt fest: »Ich stehe zur Landesgartenschau 2023.« SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Böhler habe im Rat den Zeigefinger gehoben, weil so viele andere Projekte neben der Gartenschau bewältigt werden müssten. Man könne mit dem Sportstättenkonzept nicht gleich das erste große Projekt plattmachen wollen, so Held. Es müsse auch erlaubt sein, vor Fehlentwicklungen zu warnen. Die Meinungen über Werner Böhlers Einlassungen seien geteilt, habe er in den vergangenen Tagen erfahren. Fest stehe aber, dass die LGS 2023 in Höxter stattfinde. Aber es müsse auch alles bezahlt werden können. Höxters unterscheide sich übrigens von anderen Gartenschaustädten, da es hohe Nebenkosten wie für Corvey gebe, was weh tue.

MdL Matthias Goeken

»Wir haben den Zug jetzt auf die Reise geschickt und er wird 2023 auch in den Zielbahnhof einlaufen«, sagte Landtagsabgeordneter Matthias Goeken (CDU) gestern gegenüber dieser Zeitung. Goeken weist darauf hin, dass an der Gartenschau zahlreiche andere Projekte hingen, die ohne nicht verwirklicht werden könnten. Er verwies auf das Beispiel Bad Lippspringe, wo die Gartenschau ein großes Infrastrukturprojekt inklusive neuer Ortsdurchfahrt und Fußgängerzone gewesen sei. Der Landtagsabgeordnete berichtete, dass die kritischen Inhalte der Haushaltsrede von SPD-Fraktionschef Werner Böhler bis an entscheidende Stellen in Düsseldorf vorgedrungen seien. Er forderte alle Höxteraner, die hinter der Gartenschau stehen, auf, das auch kundzutun. Auch von der Stadtverwaltung erwartet Goeken ein »klares positives Statement« für die Gartenschau. Die Blumenschau biete auch für das Welterbe Corvey »einen Rahmen, den es braucht«.

Ratsherr Georg Leineweber

Der unabhängige Ratsherr Georg Leineweber spricht sich klar gegen die Landesgartenschau aus. »CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Berens hat nicht Recht, wenn er meint, 30.000 Höxteraner begeistern zu können. Wenn es 10.000 sind, dann ist es ein gutes Ergebnis. SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Böhler hat Recht, wenn er darstellt, dass die Pflicht vor der Kür steht, und diese Kür ist für die Stadt Höxter sicherlich zwei Nummern zu groß«, erklärte Leineweber. Die LGS sei in ihrer vorgesehenen Planung falsch angelegt, die Bürger der Stadt würden viel zu wenig über die Kosten und zu erwartenden Einschränkungen während der Gartenschau aufgeklärt, so der Ratsherr. Die baulichen Maßnahmen und der zu erwartende »Besucherandrang« führten zu einer deutlichen zusätzlichen Umweltbelastung in Höxter. Die Initiatorin bezahle keinen Cent dazu, aber die Bürger sollten noch zusätzlich über einen Förderverein zur Kasse gebeten werden. »Der Rat der Stadt soll zunehmend über Vorhaben der Verwaltung positiv abstimmen. Eigentlich müsste die Verwaltung die Entscheidungen des Rates unterstützen. Als Imagewerbung ist die Gartenschau zu teuer und ungeeignet. Schon im ersten Jahr nach der Ausstellung in Bad Lippspringe ist dort der erhoffte positive Effekt weitestgehend verpufft, erklärte Leineweber. Das Geld, das in die Landesgartenschau investiert werden solle, sei als direkte Investition in die Ortschaften und in die Kernstadt besser angelegt.

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