Di., 12.02.2019

Tatort Campingplatz: 31 Opfer bekannt – Ermittler stocken auf Kinderpornos: Polizei in NRW überlastet

Ein Tatort auf dem Campingplatz in Lügde.

Ein Tatort auf dem Campingplatz in Lügde. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Lügde (WB). Im Fall des tausendfachen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde sind der Kripo jetzt 31 Opfer bekannt – 27 Mädchen und vier Jungen zwischen vier und 13 Jahren.

Das Polizeipräsidium Bielefeld hat die Ermittlungskommission »EK Eichwald« auf 51 Beamte aufgestockt, von denen etliche auch aus anderen Behörden kommen. Auch das Landeskriminalamt unterstützt mit seiner »Zentralen Auswertungs- und Sammelstelle Kinderpornographie«.

Unter Zeitdruck werden die bei den drei Verdächtigen sichergestellten DVDs, Festplatten, USB-Sticks und Handys ausgewertet. Denn die Polizei hat eine große Sorge: In den Datenmengen könnten Fotos und Videos aus dem Besitz anderer, unbekannter Täter sein – Bilder, die einen noch andauernden Kindesmissbrauch zeigen. Sie aufzuspüren und einen Missbrauch zu beenden ist ein wichtiges Ziel der Auswerter.

Die Datenmengen sind gewaltig

Doch die Datenmengen sind gewaltig. Die Kripo spricht von 14 Terabyte im Fall Lügde. Zur Veranschaulichung: Wären es nur Fotos mittlerer Qualität im digitalkameraüblichen JPEG-Format, entsprächen 14 Terabyte 28 Millionen Bildern.

Schon vor Bekanntwerden des Falls Lügde gab es zu wenig Polizisten für die Auswertung. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll es im Polizeipräsidium Bielefeld mehr als zwei Dutzend Kinderpornographieverfahren geben, bei denen die Auswertung sichergestellter Datenträger nun schon mehr als ein Jahr dauert. Die Behörde möchte sich dazu nicht äußern, und das Problem scheint es nicht nur in Bielefeld zu geben.

»Es gibt zu wenig Auswerter«

»Die Polizei ist noch immer nicht auf solche Datenmengen eingestellt, die wir ja auch in Verfahren der Wirtschaftskriminalität haben. Es gibt zu wenig Auswerter«, sagt Frank Schniedermeier, Technikexperte im Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP). 2017 gab es in NRW 1250 neue Kinderpornographieverfahren – 22 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zur Datenmenge gibt es keine Statistik.

Bei der Auswertung werden Datenträger zuerst auf unbenutzte Datenträger gespiegelt, damit das Beweisstück unberührt bleibt. Polizisten arbeiten mit der Kopie und lassen alle Bilder mit der Datei bekannter Kinderpornos beim Bundeskriminalamt abgleichen. So wurden bei den drei Verdächtigen im Fall Lügde laut Staatsanwaltschaft etwa 13.000 polizeibekannte Kinderpornos entdeckt.

Fotos und Videos werden katalogisiert

Alle nicht bekannten Fotos und Videos werden softwareunterstützt katalogisiert, und sie bekommen eine alphanumerische Kennung, die den Bildinhalt beschreibt (Hashwert). Diese Kennung wird vom Bundeskriminalamt in die Kinderpornodatei aufgenommen.

Zur Auswertung noch nicht bekannter Bilder nutzt die Bielefelder Polizei als Pilotbehörde eine neue Software, zu deren Funktionen das Polizeipräsidium schweigt.

Alles zum Thema lesen Sie hier .

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