Do., 14.02.2019

Bericht vor Familienausschuss des NRW-Landtages Familienminister Stamp sieht Defizite im Umgang mit Verdachtsfällen

Der Campingplatz in Lügde.

Der Campingplatz in Lügde. Foto: Christian Althoff

Von Hilmar Riemenschneider

Lügde/Düsseldorf (WB). Nach dem massenhaften Missbrauch von mindestens 31 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde sieht NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) Defizite im Umgang der Jugendämter mit Verdachtsfällen.

Es fehle etwa an der Expertise der Jugendämter, Anzeichen für Missbrauch zu erkennen, berichtete er am Donnerstag im Familienausschuss des Landtags von einem ersten Austausch mit Vertretern von Kinderschutz-Verbänden und Jugendämtern. »Wir sind längst nicht so weit, wie wir sein müssten.«

Damit reagierte der Stamp auf eine am selben Tag bekannt gewordene Stellungnahme der Generalstaatsanwältin in Hamm.

Fachberatung der Jugendämter verbessern

Petra Hermes, die für ein Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter von Jugendämtern und Polizei noch keine ausreichende Grundlage sieht: »Nach meiner Bewertung rechtfertigt der berichtete Sachstand nicht die Aufnahme des Anfangsverdachts strafrechtlichen Verhaltens gegen Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont.« Der Minister betonte, es gelte den Ausgang der Ermittlungen abzuwarten. »Wir warten darauf, dass Staatsanwaltschaft und Polizei gründlich aufklären werden auch mit Blick auf mögliche Verfehlungen von Jugendämtern und anderen Akteuren.«

Stamp kündigte an, er wolle sowohl die zahlenmäßige Besetzung der 186 Jugendämter im Land als auch die Qualifikation bei der Prävention und bei akuter Gefahr für Kinder überprüfen. Zum Fall in Lügde merkte er an: »Ich kann nicht verstehen, warum man ein Kind auf einem Campingplatz wohnen lässt.« Er will auch die Fachberatung der Jugendämter verbessern und dafür auch Erfahrungen aus anderen Bundesländern einbeziehen. Im März soll ein zweites Fachgespräch folgen.

Unterschiedliche Strukturen

Die Grünen-Abgeordnete Josefine Paul forderte, nach dem Fall von Lügde müssten Probleme beim Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Behörden im Land und länderübergreifend angegangen werden. Die unterschiedlichen Strukturen der 186 Jugendämter gehören für den SPD-Familienpolitiker Dennis Maelzer ebenfalls in den Fokus. Es habe offensichtlich bei allen beteiligten Institutionen an der notwendigen Sensibilität gefehlt. Sein FDP-Kollege Marcel Hafke ergänzte: »Die Jugendämter müssen einheitlich in der Lage sein, mit solchen Problemfällen umzugehen.«

Kommentare

Keine neue Erkenntnis - warum erst jetzt?

Zahlenmäßige Besetzung, Qualifikation, Fachberatung- das kostet alles Geld und genau davon geben "DIE JUGENDÄMTER" doch ohnhehin schon zuviel aus, nicht wahr Herr Stamp???
Wer hat Sie denn daran gehindert, sich rechtzeitig um die Beseitigung der von Ihnen erkannten Defizite zu kümmern? Die Mitarbeiter der Jugendämter wehren sich nicht gegen solcherlei Wohltaten, das kann ich Ihnen versichern!

1 Kommentare

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