Sa., 23.02.2019

Missbrauchsfall Lügde: Lippes Kripochef nach Pannen suspendiert – mit Videos Bielefelder Polizei sperrt nach Wochen den Tatort ab

Die Ermittlungen laufen seit Monaten, aber erst am Freitag wurde der Tatort in Lügde abgesperrt.

Die Ermittlungen laufen seit Monaten, aber erst am Freitag wurde der Tatort in Lügde abgesperrt. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Der Leiter der Kriminalpolizei im Kreis Lippe, Wolfgang Pader (61), ist am Freitag  – wie berichtet – vom Dienst suspendiert worden. Landrat Axel Lehmann (SPD) begründete den Schritt mit Polizeipannen im Fall des Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz in Lügde.

Zum einen sei bei der Kripo  ein unerfahrener Polizeischüler mit der Auswertung von Datenträgern auf Kinderpornographie hin beauftragt worden. Zum anderen habe der Kripochef den Behördenleiter lange Zeit nicht darüber informiert, dass bei der Polizei 155 CDs und DVDs des Hauptbeschuldigten Andreas V. verschwunden seien.

Wolfgang Pader, der auch an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld unterrichtet, hatte den Posten 2016 übernommen. Er sollte im Herbst regulär pensioniert werden und muss nun mit einem Disziplinarverfahren rechnen.

Nach Angaben der Staats­anwaltschaft gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass die seit drei Wochen vermissten Datenträger gestohlen wurden. Deshalb werde auch nicht ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. »Wir nehmen an, dass mit den Asservaten nachlässig umgegangen wurde und sie wieder auftauchen.«

Auch Auto erst am Freitag sichergestellt

 NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Donnerstag von einem Polizeiversagen gesprochen. Seine deutlichen Worte führten offenbar dazu, dass die Führungskräfte im Polizeipräsidium Bielefeld noch einmal überprüften, ob sie alles Nötige veranlasst haben. So ließ die Bielefelder Polizei am Freitag, drei Wochen nachdem sie den Fall übernommen hatte, den Tatort auf dem Campingplatz mit Gittern absperren. Streifenbeamte aus Bielefeld übernahmen in der Nacht zum Samstag die Bewachung. Auch der Mazda des Hauptbeschuldigten wurde erst am Freitag sichergestellt.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sieht einen Grund für die Pannen auch in der »schlechten Personalausstattung« der Kripo Lippe, wie der BDK-Bundesvorsitzende Sebastian Fiedler sagte. Bereits 2017 hatte der Detmolder BDK-Vorsitzende in einem Brief an Lippes Polizeidirektor Bernd Stienkemeier davor gewarnt, dass nicht mehr mit einem professionellen Bearbeiten aller Vorgänge gerechnet werden könne. Der BDK warf dem Polizeidirektor vor, Stellen von der Kripo zur Schutzpolizei verschoben zu haben.

Wenig Polizisten im Kreis Lippe

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die Polizeibehörde Lippe die am schlechtesten ausgestattete des Landes. Auf 100.000 Einwohner kommen 112 Polizisten. In den ähnlich strukturierten Kreisen Herford und Höxter sind es 125 bzw. 140. Hintergrund ist, dass das Land sich mit der Zahl der Stellen an der Zahl der Straftaten und Verkehrsunfälle orientiert. Weil in Lippe die Kriminalität gering ist, gibt es hier weniger Polizisten.

»Dieses System bestraft Behörden, die viele Fälle aufklären und viele Täter fassen«, sagt Sebastian Fiedler. Landrat Axel Lehmann sagte, er habe mehrfach im NRW-Innenministerium um mehr Polizisten gebeten.

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