Wo sind die DVDs? Ermittlungsleitung wechselte schon drei Mal
Lügde: LKA will heute Polizeibüros durchsuchen

Detmold (WB). Tatort Campingplatz: Im Fall der 155 bei der Polizei verschwundenen CDs und DVDs plant das Landeskriminalamt für heute eine groß angelegte Durchsuchungsaktion.

Dienstag, 26.02.2019, 03:20 Uhr aktualisiert: 26.02.2019, 03:50 Uhr
Das Gebäude in Detmold wurde vergangene Woche durchsucht. Foto: Althoff
Das Gebäude in Detmold wurde vergangene Woche durchsucht. Foto: Althoff

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen wollen Beamte sämtliche Räume in den Polizeiwachen Bad Salzuflen, Lemgo und Blomberg durchsuchen. Sie hoffen, eine schwarze Mappe und einen Alukoffer zu finden. Diese beiden Asservate werden seit dem 30. Januar aus den Räumen der Kreispolizei Lippe in Detmold vermisst.

Bereits vergangene Woche hatten LKA-Beamte und lippische Polizisten die beiden Detmolder Dienstgebäude und alle Zivilwagen durchsucht – angeblich ohne Durchsuchungsbeschluss, aber mit Erlaubnis des Hausherrn, des lippischen Landrats Axel Lehmann (SPD). Dabei soll allerdings auch in private Behältnisse geschaut worden sein.

Elektriker wurde befragt

Die Staatsanwaltschaft Detmold geht weiter davon aus, dass die Beweismittel nicht gestohlen wurden, sondern versehentlich abhanden kamen . Es wurde auch ein Elektriker befragt, der Zugang zum Auswerteraum gehabt haben soll, aber auch er will den Alukoffer nicht mitgenommen haben.

Gestern wurde bekannt, dass die Leitung der Ermittlungskommission, die den mutmaßlich tausendfachen Missbrauch von mindestens 31 Kindern untersucht, inzwischen mehrfach gewechselt haben soll. Ursprünglich soll jene Beamtin die Ermittlungen geleitet haben, die 2016 einem Hinweis auf den Hauptbeschuldigten nicht nachgegangen sein soll und gegen die nun die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Sie soll von einem Beamten abgelöst worden sein, unter dessen Verantwortung ein Polizeischüler die CDs und DVDs auswertete, die dann weggekommen sein sollen. Dann übernahm der dritte lippische Kriminalbeamte die Leitung der Ermittlungskommission, bevor das Innenministerium den Komplex dem Polizeipräsidium Bielefeld übertrug.

Kripochef als Bauernopfer

Der am Freitag von Lippes Landrat suspendierte Kripochef soll bereits am Tag zuvor bei einem Termin im Innenministerium angeboten haben, als »Bauernopfer« die Verantwortung für die Pannen zu übernehmen – wohl auch angesichts seiner Pensionierung in diesem Jahr. Noch am Donnerstag aber soll das Innenministerium die Suspendierung abgelehnt haben. Sollte es ein Disziplinarverfahren gegen den Kripochef geben, drohen ihm wohl keine Konsequenzen: Nach seiner Pensionierung käme als Strafe nur noch eine Kürzung der Pension in Frage – eine drakonische Maßnahme, die in der Regel nicht verhängt wird.

Heute will NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) Abgeordnete im Innenausschuss des Landtags über den Fall Lügde informieren – zum Teil in öffentlicher Sitzung, aber auch im nichtöffentlichen Teil.

Kommentare

Jan Bielefeld  schrieb: 26.02.2019 12:06
Aufklärung!
Wenn man mich fragt ist das kein Versagen. Im persönlichen Kontakt mit der Polizei habe ich NIE erlebt, dass Beweise verschwinden. Da versucht jemand zu vertuschen, die sind nicht ausversehen verschwunden. Es stand ja schon die Frage im Raum, ob Mitarbeiter des Jugendamtes weggesehn haben bzw. wie es sein konnte, dass Kinder sogar dorthin vermittelt wurden.
Im schlimmsten Fall und von dem gehe ich aus haben Mitarbeiter der Behörden mitgemacht - sei es aktiv oder später die Bilder gekauft. Es gibt keine Harmlose Erklärung für dieses Verschwinden.
Wie gesagt, wenn Otto Normalbürger z.B. wegen Cannabisbesitz eine Anzeige bekommt werden die Akten nicht verschwinden. Niemals.
Außerdem nicht vergessen: die öffentlichkeit weiß seit einpaar Tagen, dass die Akten verschwunden sind - intern ist dies seit Wochen bekannt. Unsere Polizei braucht mehr Kontrolle!
Klaus Müller  schrieb: 26.02.2019 09:51
Eine Behörde versagt komplett
Es hinterlässt einen fassungslos, wie hier geschlampt wurde. Besonders, wenn man bedenkt, dass dieser Fall von Anfang an ein großes öffentliches Interesse hatte.
Es ist auch überhaupt nicht glaubhaft, dass soviel Inkompetenz nicht bewusst forciert worden ist.Man kann nur hoffen, dass alle Hintermänner und Komplizen ermittelt werden.
2 Kommentare
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